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Wertschöpfungsorientierter Einkauf

Qualitätssteigerung soll kostenorientiert stattfinden

Wenn man die Windelwechsel mit einkalkuliert, erscheinen Billigprodukte sofort in einem ganz anderen Licht. Bislang fehlt es an einem durchgängigen Konzept, an welchen Kriterien sich der Einkauf bei der Auswahl von Produkten und Lieferanten orientieren kann, um die „richtige Qualität“ zu finden. Wertschöpfung bedeutet, die Veränderung des Gesundheitszustandes eines Patienten in den Mittelpunkt zu rücken. Das erfolgt über den klassischen Dreiklang aus Potenzialen, Prozessen und Ergebnissen. Letztere sind aber nicht nur aus der Perspektive der Medizin (harte Endpunkte), sondern auch der Patienten (weiche Endpunkte) zu messen.

Innovationsfähigkeit des Systems nicht aus den Augen verlieren

Zudem idealerweise nicht nur direkt nach einer Intervention, sondern auch mit einer nachhaltigen zeitlichen Perspektive (etwa bei Implantaten).Nicht selten muss der Bezugsrahmen aber noch weiter gefasst werden. Sollte ein Billigprodukt zu erhöhtem Zeitaufwand beim Personal führen und/oder Reputationsschäden bei einem Leistungserbringer oder dessen Stakeholdern hervorrufen, war die Auswahlentscheidung vermutlich falsch.

Am Ende geht es gerade in der Gesundheitswirtschaft immer auch darum, die Innovationsfähigkeit des gesamten Systems und damit Folgewirkungen für die Gesellschaft insgesamt nicht aus den Augen zu verlieren.Bei ihrer täglichen Arbeit brauchen Einkäufer natürlich etwas konkretere Vorgaben. Der Medizinbetrieb orientiert sich bei der Messung und Beurteilung von Ergebnissen schon reflexartig an den Erfordernissen der evidenzbasierten Medizin als Goldstandard. Gefordert werden also doppelt verblindete und randomisierte klinische Studien.

Studien auch für Beschaffungsentscheidungen wichtig

Wenn es solche Studien für Medizinprodukte gibt, kann das auch für Beschaffungsentscheidungen sehr hilfreich sein. Das ist aber die Ausnahme. Stets hilfreich ist es dagegen, konsequent die Kosten pro Patient im Blick zu haben. In Schweden hat man vor einigen Jahren eine Ausschreibung für Verbandsmaterial so formuliert, dass die Bieter für fiktiv vorgegebene Patientenkategorien die Tageskosten pro versorgtem Patienten vorlegen mussten. Ersatzweise sollten Befragungen von Patienten und Nutzern für Produktauswahlentscheidungen herangezogen werden.

Eine weitere Möglichkeit könnte darin bestehen, von den Lieferanten zu fordern, sich an Initiativen beispielsweise zum ressourcenschonenden Einsatz der Produkte zu beteiligen oder Risiken für Folgekosten mitzutragen. Eine kanadische Provinzregierung hat im Jahr 2014 einen Auftrag für kardiologische Produkte an den Anbieter vergeben, der bereit war, die Kosten zu tragen, wenn die Produkte unterhalb der angegebenen Lebensdauer blieben.

Herausforderung und Chance zugleich

In Workshops mit Krankenhauseinkäufern haben wir einige Beispiele aus der täglichen Praxis genannt bekommen (siehe Grafik). Es zeigt sich, dass die Grundkonzeption des wertschöpfungsorientierten Einkaufs den Praktikern durchaus vertraut ist. Die Workshops haben aber zugleich belegt, dass eine konsequente Anwendung auf möglichst viele Warengruppen noch aussteht.Die Orientierung an der Wertschöpfung ist für den Klinik-Einkauf Herausforderung und Chance zugleich. So brauchen Einkäufer den interdisziplinären fachlichen Austausch mit den Anwendern, um eine Orientierung am Patientennutzen zu erreichen.

Außerdem können Einkäufer auf diese Weise nicht nur die Qualitätsstrategie ihres Hauses unterstützen, sondern auch den eigenen Stellenwert im Haus stärken.

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