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Healthcare-Supply-Chain

„Pandemien als Treiber für die Verbesserung der Lieferketten“

Lieferanten auf den Prüfstand stellen

Zudem ist die Zuverlässigkeit der Lieferanten ein entscheidendes Kriterium, um Risiken zu minimieren und die Aufrechterhaltung der Lieferketten auch im Krisenfall sicherzustellen. „Zur Ermittlung geeigneter Lieferanten müssen wir ein Monitoring bestehender Partner durchführen, unsere Erwartungen klarstellen und Verbindlichkeiten schaffen. Dabei entfernen wir uns auch vom Single Sourcing, konzentrieren uns also nicht mehr auf einen Hauptlieferanten, sondern setzen auf mehr Diversität, um im Ernstfall Versorgungsengpässe zu vermeiden“, erklärt Thomas Klein.

Darüber hinaus müssten die globalen Lieferketten genauer betrachtet werden, ergänzt Stefan Krojer: „Wir benötigen einen detaillierten Überblick über Produktionsstandorte und Hierarchien innerhalb der Lieferantenstrukturen – von der Rohstofferzeugung bis hin zum Fertigprodukt.“ Dazu kommen rechtliche Vorgaben: Wird das Lieferkettengesetz verabschiedet, müssen Kliniken in Zukunft prüfen, ob Lieferanten ab einer bestimmten Größe die Menschenrechte wahren, ihrer sozialer Verantwortung gerecht werden und ökologische Standards einhalten. Dabei sind entsprechende Zertifizierungen zu dokumentieren. Zur Bewertung der Lieferanten stehen Kliniken vor der Wahl, die erforderlichen Daten entweder mühsam zu sammeln oder schon existierende Datenbanken, wie etwa von GHX, zu nutzen, um daraus strategische Einkaufsentscheidungen abzuleiten.

Erfahrungen aus den USA zu Bewertungen von Lieferketten

Gefordert ist auch, die Bewertungskriterien für die Versorgungskette zu erweitern, wie es beispielsweise die US-amerikanische Association for Health Care Resource & Materials Management (AHRMM) mit der „Cost-Quality-Outcome“-Messung vorschlägt. Dabei werden neben einer Verbesserung der Gesamtkosten der Pflege unter anderem auch die Qualität derselbigen bewertet. AHRMM ist federführend bei den Bemühungen, die Leistungskennzahlen (KPIs) für die Lieferkette von einer stark taktisch und operativ ausgerichteten zu einer ganzheitlicheren Sicht auf den Gesundheits- und Risikostatus der Lieferkette zu erweitern. „Von einem wertebasierten Einkauf, dem Value-based Procurement, sind wir in Deutschland und den meisten Teilen Europas noch weit entfernt“, weiß Stefan Krojer. „Wir müssen zunächst Qualitätskriterien für die Lieferkette sauber definieren und auch in unseren Lieferantenverträgen implementieren, denn nur dann können wir sie auch überwachen und evaluieren. Das wäre aus meiner Sicht der erste Schritt.“

Fazit

Covid-19 hat die Schwächen der bestehenden Lieferketten im Gesundheitswesen in vollem Umfang aufgedeckt. Wichtig ist es, die Pandemie als Chance zu begreifen und aus den Erfahrungen zu lernen. Die Verantwortlichen sind nun gefordert, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und die erforderlichen Maßnahmen konsequent und mit strategischem Weitblick umzusetzen.

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