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Omnicell

Omnicell ist ein international führender Anbieter ganzheitlicher Lösungen für das Medikamentenmanagement in Krankenhäusern, Apotheken und Pflegeeinrichtungen weltweit. Mit seinen Produkten, den gesicherten elektronischen Medikamentenabgabe- und Aufbewahrungssystemen (XT Cabinets), den Kommissionier- und Softwarelösungen für Medikamentenabgabe- und Einzelverpackungssysteme, trägt das Unternehmen zur Verbesserung der Medikamentenverabreichung und -verwaltung bei. Dabei stehen effiziente Arbeitsprozess, die Patientensicherheit und insbesondere die ökonomischen Aspekte im Fokus.

Dr. Frontini zum Internationalen Tag der Patientensicherheit

„Jede Technik muss dem Menschen dienen“

Die Weltgesundheitsorganisation hat den 17.
September erstmalig zum Internationalen Tag der Patientensicherheit ausgerufen. Unter dem Motto „Sicherheitskultur auf allen Ebenen“ werden weltweit zahlreiche Aktivitäten stattfinden. Das nehmen wir zum Anlass, um bei Dr. Roberto Frontini als ausgewiesenem Experten für Patientensicherheit zu erfragen, wie er die Situation in Deutschland beurteilt.

Dr. Roberto Frontini, ©Foto: Uniklinik Leipzig, S. Straube

Herr Dr. Frontini, wie schätzen Sie die aktuelle Situation der
Patientensicherheit in deutschen Krankenhäusern ein?

„Es hat sich viel getan in den letzten Jahren. Heilberufler und auch Patienten
sind durch die zahlreichen Aktivitäten in Sachen Arzneimitteltherapiesicherheit
(kurz AMTS) sensibler und aufmerksamer geworden. Leider schlägt sich dieses
gewachsene Bewusstsein aber noch nicht in beruhigenden Zahlen nieder. Laut
Schätzungen scheinen Fehlerraten um die zwei Prozent noch der Realität zu
entsprechen. Das heißt, dass jeder fünfzigste Patient davon betroffen ist.“


Was sind Ihrer Einschätzung nach die größten potentiellen Quellen, die
zu Medikationsfehlern führen?

„Ich betrachte den Mangel an schnell verfügbarer Information hier als
Hauptursache. Das betrifft zum einen die spezifischen Informationen über
Medikamente wie zum Beispiel unerwünschte Arzneimittelwirkungen,
Kontraindikationen oder spezielle Dosierungen. Zum anderen auch die klinischen
Daten der Patienten, etwa, ob jemand auf einen Wirkstoff allergisch reagiert, die
durch mangelnde Integration der Systeme im Krankenhaus nicht zur Verfügung
stehen. Das ist häufig beim Übergang von der ambulanten zur stationären
Versorgung oder umgekehrt der Fall. Nicht zu unterschätzen ist der „human
factor“ - dieser ist wahrscheinlich mindestens genauso wichtig. Damit ist nicht
nur Arbeitsüberlastung und Müdigkeit gemeint, sondern vielmehr die bestehende
Arbeitskultur, die zu oft von starren Hierarchien und Mangel an offenem Dialog
geprägt ist.“


Welche Bedeutung hat der technologische Fortschritt für eine positive
Entwicklung der Patientensicherheit?

„Hier möchte ich gerne einen Vergleich heranziehen. Stellen Sie sich die Situation
vor wie im Cockpit eines Flugzeuges: Ohne Technik, und zwar eine ergonomische
Technik, die leicht zu verstehen und zu bedienen ist, ist eine sichere Medikation
genau so wenig möglich wie eine sichere Landung. Eines ist dabei essentiell:
Technik muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt, sonst gerät man
schlimmstenfalls in die unglückliche Situation der Boing 737 MAX.“


Welche Vorteile bietet in diesem Kontext die Automatisierung des
Medikamentenmanagements durch die Einführung z. B. von Cabinets?

„Cabinets sichern die Ausgabe der richtigen Medikamente, ohne dass die
Pflegekräfte ihre Kompetenz und Verantwortung bezüglich der Medikation - wie
bei zentralen Lösungen - verlieren. Das trifft besonders bei Medikation, die
intravenös verabreicht wird, und Betäubungsmitteln zu. Darüber hinaus wird die
Pflege dadurch entlastet, dass eine Inventur und die Bestellung des täglichen
Bedarfs auf diese Weise automatisiert werden können. Das ist besonders bei
Betäubungsmitteln eine erhebliche Erleichterung.“


Welche weiteren Schritte sind notwendig, um das Ziel „closed loop
medication management“ zu erreichen?

„Closed loop medication“ darf nicht - wie bei einer zentralisierten Unit-Dose-
Versorgung - hauptsächlich auf eine orale Medikation beschränkt werden. Die
Pflege muss die Kompetenz besonders bei intravenöser Medikation behalten.
Intelligente Lösungen, die den Ablauf nicht verlangsamen, wären
wünschenswert. Bei der Notfallmedikation wäre z. B. eine RFID-Lösung ein
erheblicher Gewinn für die Arzneimitteltherapiesicherheit. Wohl wissend, dass
RFID für alle Medikamente zu teuer und zu aufwändig wäre, ist es für Notfälle, in
denen es sehr schnell gehen soll und deswegen auch jeglicher Fehler sehr
kritisch wäre, durchaus eine mögliche Option. Das Hauptaugenmerk sollte immer
mehr auf die Sicherheit bei der intravenösen Medikation gerichtet werden, sei es
durch Messung der Konzentration und der Identität in der fertig zu
applizierenden Lösung, oder auf ein schnelleres und ergonomisches Scannen am
Patientenbett.“

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