kma Online
Kliniken

Sind Amazon & Co die Zukunft des indirekten Einkaufs?

Der Einkauf in Krankenhäusern und Kliniken verwaltet oft mehrere zehntausend Artikel und wickelt jährlich zahlreiche Transaktionen ab. Kann dieser Prozess durch elektronische Markplätze wie Amazon optimiert werden?

Beschaffung Krankenhaus

AdobeStock/volody10

Symbolfoto

Die Medizinbranche hat strenge staatliche Vorgaben, ist eher konservativ und die Digitalisierung ist noch kein Thema mit sehr hoher Priorität. Führungskräfte und Mitarbeiter im Krankenhausmanagement stehen der Digitalisierung jedoch weitestgehend positiv gegenüber. Ihre Besorgnis gilt eher dem Mangel an der Ressource Geld, an den Kapazitäten der IT-Abteilung und den Risiken in der Datensicherheit.

Doch elektronische Marktplätze bieten viele Vorteile: Zum Beispiel würde der Handel nicht nur B2C-, sondern auch B2B-Händler wie den öffentlichen Handel einschließen. Vielen Geschäftsleuten sind die sozialen Komponenten elektronischer Marktplätze zumindest aus privater Erfahrung bereits bekannt. Produktbewertungen, Rezensionen und vordefinierte Produktbeschreibungen erleichtern den Einkaufsprozess, was wiederum Zeit und Kosten spart.

Amazon wird die Branche verändern

Ein Live-Voting auf der 36. Bundesfachtagung der Femak ergab, dass Amazon mit 42 Prozent als jenes Unternehmen angesehen wird, was die Healthcare-Branche am meisten verändern wird. Einkaufsgemeinschaften erhielten 22 Prozent der Stimmen. Diese Gemeinschaften bilden derzeit die Schnittstelle zwischen Industrie und Anwendern, mit dem Ziel, die Sach- und Gemeinkosten in Krankenhäusern und Kliniken zu senken. Doch wie hoch sind die Gesundheitsausgaben? Die Kosten in Deutschland belaufen sich aktuell auf 376 Milliarden Euro Gesundheitsausgaben, 11,5 Prozent Anteil am BIP und 4544 Euro Ausgaben je Einwohner. Der Kostendruck und der Anspruch einer Performancesteigerung stellen den Einkauf immer mehr vor die Herausforderung, einkaufsrelevante Prozesse effizienter zu gestalten.

Der Einstieg von Amazon in den Medizinsektor könnte die Preise senken, da insbesondere Materialien einen großen Anteil der Ausgaben von Krankenhäusern ausmachen. In mehreren US-Bundesstaaten hat Amazon bereits im Herbst 2017 Lizenzen erhalten, Medizintechnik und Medikamente als Großhändler verschicken zu dürfen. Auch in Deutschland stellen die notwendigen Anpassungen der Logistik auf die Anforderungen der Kliniken kein größeres Problem dar, da der Tech-Gigant eigene Logistikzentren aufweist. 

Welche konkreten elektronischen Lösungen gibt es durch Amazon?

Die großen Datenmengen, die Krankenhäuser und Kliniken verwalten, könnten per Amazon Kinesis in Echtzeit erfasst, verarbeitet und analysiert werden. Mit sogenannten Dash-Buttons lassen sich bestimmte Produkte einfach und schnell per Knopfdruck nachbestellen. Dash-Scanner können auch Datenschutz-relevante Bestellungen mittels Barcode-Scanner und Sprachsteuerung angemessen abwickeln.

Laut Amazons Gesundheitschef Chris Holt ist es das Ziel des Giganten, etwas ganz Neues zu sein – neue Fähigkeiten und Features sollen Ärzten und Krankenhäusern den Einkauf erleichtern. Bei Amazon würden sie je nach Bedarf zum verfügbaren Preis einkaufen und nicht mehr über langfristige Verträge mit festen Liefermengen und Preisen. In Deutschland sind zurzeit über 90 Prozent aller Kliniken an Einkaufsgemeinschaften gebunden. Die Übernahme einer bestehenden Einkaufsgemeinschaft wäre für den Brancheneintritt Amazons am einfachsten.

Doch auch der Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaft Agkamed GmbH, Dr. Oliver Gründel, hat bereits erkannt, dass es einer branchenweiten Etablierung elektronischer Standards bedarf. Einkaufsgemeinschaften werden nur noch benötigt, wenn sie durch intensivere Unterstützung bei Projekten, eine ausgezeichnete Stammdatenpflege und Tools, die den Prozess der Digitalisierung unterstützen, ihren eigenen Nutzen erhöhen. Ist das für die Einkaufsgemeinschaften realisierbar oder eher das Portfolio von Amazon und anderen Tech-Giganten?

  • Schlagwörter:
  • Indirekter Einkauf
  • Amazon
  • Elektronische Marktplätze

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren

Klinik Einkauf Magazin

Das Magazin für Klinikeinkäufer, Logistiker und Entscheider im Beschaffungsprozess.

Jetzt kostenlos testen!

Neueste Termine

04.02.2020 - 05.02.2020 | Hamburg

16.03.2020 - 17.03.2020 | Rotenburg, Hessen

23.03.2020 - 24.03.2020 | Berlin

29.03.2020 - 01.04.2020 | Maritim Hotel Berlin

07.05.2020 - 09.05.2020 | Dresden

Alle Termine