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Arzneiverordnungs-Report 2019Patentgeschützte Arzneimittel sind wesentliche Kostentreiber

Orphan-Arzneimittel mit hohen Gewinnaussichten, aber wenig quantifizierbarem Zusatznutzen

Wirtschaftlich sehr lukrativ für pharmazeutische Unternehmer ist auch die Entwicklung von Orphan-Arzneimitteln, also Wirkstoffen gegen seltene Erkrankungen, für die jährliche Wachstumsraten im Umsatz von etwa 12,3 Prozent für den Zeitraum von 2019 bis 2024 prognostiziert werden. Dadurch wird ihr Umsatzanteil am Gesamtarzneimittelmarkt von 8,9 Prozent im Jahr 2018 auf 20 Prozent im Jahr 2024 steigen.

Doch Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), kritisiert: "Die Zulassung von Orphan-Arzneimitteln basiert nicht selten auf unzureichender oder eher geringer Evidenz hinsichtlich ihres Nutzens sowie ihrer Risiken. Patienten sind hier mitunter erheblichen Unsicherheiten ausgesetzt". Bei mehr als der Hälfte der seit 2011 im Rahmen der frühen Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss bewerteten Orphan-Arzneimittel war der Zusatznutzen nicht quantifizierbar.

Regeln für den deutschen Arzneimittelmarkt müssen sich weiterentwickeln

Veränderungen fordert auch Dr. Sabine Richard, Geschäftsführerin der Geschäftsführungseinheit Versorgung des AOK-Bundesverbandes, die Deutschland für die aktuelle Preisentwicklung im Arzneimittelmarkt schlecht gerüstet sieht: "Einzelne Hersteller testen die Grenzen der Zahlungsbereitschaft der solidarisch finanzierten Krankenversicherung immer weiter aus."

Neben einer gesamtgesellschaftlichen Debatte, wie die Gesetzliche Krankenversicherung dauerhaft vor Überforderung geschützt werden kann, fordert der AOK-Bundesverband deshalb kurzfristig umsetzbare Weiterentwicklungen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG). "Pharmafirmen hingegen propagieren stattdessen lieber sogenannte innovative Preismodelle, wie Pay for Performance. Das ist aber keine Systemlösung, sondern nur eine Nebelkerze", sagt Richard.

Sie könnten die Festlegung eines wirtschaftlichen Erstattungsbetrages nicht ersetzen und änderten letztlich nichts an immer höheren Mondpreisen, die von der Solidargemeinschaft erst einmal vorfinanziert werden müssten.

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