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Krankenhaus

Wie kann Einkauf die Nachhaltigkeit unterstützen?

Auch Kliniken müssen sich schrittweise zu nachhaltigen Unternehmen wandeln. Im Klinikeinkauf sind Ökologie und Wirtschaftlichkeit heute oft keine Gegensätze mehr. Mit einer verkleinerten Produktpalette und reduziertem Lieferantenportfolio lassen sich Emissionen und Kosten senken. Gerade in der langfristigen Perspektive ergeben sich interessante Weiterentwicklungsmöglichkeiten, Nachhaltigkeit zu einem Wettbewerbsfaktor zu machen.

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Symbolfoto

Im Krankenhaus erscheint der gesellschaftliche Druck und der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit zunächst oft wenig spürbar. Wo in akuten Notfallsituationen Menschenleben gerettet werden, kann die Sorge um die Zukunft des Planeten als zweitrangig eingestuft werden. Diese traditionelle Auffassung wird aber schrittweise zumindest zu ergänzen sein. Es gibt Schätzungen, nach denen 5 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen auf den Gesundheitssektor entfallen. Mit ihrem 24/7-Dauerbetrieb verbrauchen Krankenhäuser enorme Mengen an Energie und Material und produzieren gesundheitsgefährdende Abfälle. Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Gütern des medizinischen Sachbedarfs führen zu stark negativen Umweltbelastungen. Mehr und mehr finden sich Krankenhäuser in einem Dilemma: Eine Institution, die sich um die Gesundheit von Menschen kümmert, sollte auch Vorbild darin sein, die erwiesenermaßen bestehenden Gesundheitsgefährdungen, die von ökologischer Nachlässigkeit ausgehen, möglichst zu reduzieren.

Erst 6 Prozent der deutschen Krankenhäuser haben eine dezidierte Nachhaltigkeitsstrategie. In deren Mittelpunkt steht allerdings oft nur das Thema Energie. Materialverbräuche sind aber auch ein wichtiger Ansatzpunkt. Ein Grund für die bisherige Zurückhaltung ist sicherlich darin zu sehen, dass Krankenhäuser unter erheblichem Druck stehen, die Qualität zu steigern und die Kosten zu senken. Maßnahmen in Richtung Umweltschutz wirken da auf den ersten Blick wenig nützlich, weil sie Geld kosten und keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben. Es gibt aber eine Reihe von interessanten Ansatzpunkten, wie Krankenhäuser ökologisch besser werden und dabei die Kosten senken können. Insbesondere in der strategischen Perspektive kann Nachhaltigkeit sogar zu einem Wettbewerbsfaktor werden.

Leitbild Green Hospital

Bei vielen Einkaufsentscheidungen sind Ökologie und Wirtschaftlichkeit nicht zwangsläufig Gegensätze. Es gilt der Leitspruch „lean and green“. Zahlreiche Maßnahmen in Richtung eines schlanken Unternehmens sind auch ökologisch vorteilhaft. Wer den üblichen Forderungen nach weniger Artikeln und weniger Lieferanten nachkommt, reduziert die Komplexität, kommt mit weniger Lagerbeständen aus und kann sich auf solche Lieferanten konzentrieren, die ihrerseits Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Unternehmensziel machen. Sind diese dann auch noch in geografischer Nähe, können die erheblichen Umweltbelastungen durch lange Transportwege signifikant reduziert werden. Schlanke und digitalisierte Prozesse im Einkauf und in der Logistik sparen Zeit und Personalkosten. Aber auch die Umwelt profitiert: Verpackungsmüll kann vermieden, Energieverbräuche und Emissionen reduziert werden. Bei solchen Themen muss der Einkauf sich also gar nicht komplett neu erfinden. Es reicht aus, dem Thema Umweltschutz bei den Kriterien zur Produkt- und Lieferantenauswahl ein höheres Gewicht zu geben als bislang.

Diskussionspunkt Einmal-Produkte

Es gibt aber natürlich auch Themenfelder, bei denen ökologische Nachhaltigkeit nicht automatisch konfliktfrei zu den Zielen Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität ist. Dies kann beispielhaft an der Kontroverse Einmal-Produkte versus Wiederverwendung von Medizinprodukten erläutert werden. Eines der wichtigsten Grundprinzipien beim Umweltschutz ist die Kreislaufwirtschaft. Viele Medizinprodukte könnten theoretisch mehrfach verwendet werden, es gibt aber schwerwiegende Gegenargumente. Zum einen kommen bei der Reinigung und Wiederaufbereitung von Produkten, die mehrfach verwendet werden sollen, chemische Substanzen zum Einsatz, die ihrerseits erhebliche Umweltbelastungen nicht nur für die beteiligten Mitarbeiter hervorrufen können. Personal- und Energiekosten kommen hinzu und die Logistik der Wiederaufbereitungsprozesse muss reibungslos funktionieren.

Zum anderen sind Hygienevorschriften einzuhalten, denn Infektionen als Folge von mehrfachverwendeten Medizinprodukten sind natürlich nicht akzeptabel. Dennoch kann das Prinzip der Kreislaufwirtschaft auch im Krankenhausbereich angewendet werden. Von entscheidender Bedeutung wird sein, dass die Hersteller schon beim Design und der Konstruktion von Medizinprodukten darauf achten, dass eine komplett keimfreie Reinigung möglich ist. Dann kann auch die heute als sehr wichtig angesehene Gefahr von Kreuzkontaminationen gebannt werden.

Hindernisse und Grenzen

Ein Krankenhaus ist ganzjährig rund um die Uhr in Betrieb und an vielen Stellen müssen aus Sicherheitsgründen Redundanzen vorgehalten werden. Viele Häuser leiden heute unter Personalmangel und Finanzmittelknappheit. Zudem hat ein einzelnes Krankenhaus nicht die Marktmacht, um Druck auf die Zulieferer auszuüben. Das ist insgesamt genommen keine einfache Ausgangsbasis, um sich schnell in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.

Fazit und Ausblick

Der aktuell stark ansteigende gesellschaftliche Druck gerade der jüngeren Bevölkerung sollte auch von Krankenhäusern aufgenommen werden. Wie in vielen anderen Bereichen auch werden die Argumente gegen ein „grünes Krankenhaus“ an Bedeutung verlieren. Ökologische und soziale Nachhaltigkeit werden zukünftig ein wichtiges Instrument sein, nicht nur zur Patientenakquise, sondern auch im Personalmarketing. Nicht alles muss aus eigener Kraft bestritten werden. Es gibt bereits heute staatliche Förderungen (z. B. die Green Hospital Initiative Bayern) und Investitionsfonds (z. B. greenbillion.org).

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  • Nachhaltigkeit
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