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Zukunftskonzepte

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Jutebeutel und Grünstrom

Nachhaltigkeit ist immer noch ein zukunftsweisender Begriff. Doch gibt es abseits vom Bezug „grünem“ Stroms auch andere Aspekte, in denen eine Klinik nachhaltig wirtschaften kann?

Nachhaltigkeit

AdobeStock / Robert Kneschke

Symbolfoto

Es gibt viele Zukunftskonzepte für Kliniken. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. Denn eine nachhaltige Ausrichtung kann nicht nur Geld und Energie sparen, sondern könnte für zukünftige Patienten vielleicht sogar als zusätzliches Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Kliniken wirken.

Prozessoptimierung

Die Vermeidung von Fehlbelegungen kann Zeit und Energie sparen. Teilweise befinden sich Patienten eher deswegen auf der Intensivstation, weil sie intensive Betreuung brauchen, aber nicht, weil sie die vollständige technische Ausstattung dort benötigen. Das Konzept der Intermediate Care (IMC) bietet einen Schritt zwischen Allgemein- und Intensivstation für Patienten, die beispielsweise keine künstliche Beatmung mehr brauchen, aber trotzdem eine intensivere Betreuung und engmaschigere Überwachung benötigen als Patienten auf einer Allgemeinstation. Solche Stationen finden sich beispielsweise im Klinikum Frankfurt Höchst, an der Uniklinik Köln oder dem Clemenshospital in Münster.

Effiziente Transporte

Am Universitätsklinikum Klinikum Eppendorf in Hamburg hat ein fahrerloses Transportsystem (FTS) den automatisierten Transport von Speisen, Wäsche, Abfällen, Medikamenten und Steril-Gütern per Container übernommen. Die Fahrzeuge führen täglich durchschnittlich 1000 Transporte durch – und da sie sich über ein 2,5 km langes Flursystem im Keller bewegen und über separate Güteraufzüge das Stockwerk wechseln, kommen sie dabei auch keinen Patienten oder Pflegepersonal in die Quere. Beim Neubau eines Klinikteils, wie beispielsweise an der Uniklinik Leipzig, kann es sich durchaus lohnen, so ein System mit einzuplanen. Denn Lieferungen laufen damit sehr exakt getaktet ab, nur noch wenige Mitarbeiter werden zur Überwachung des Systems benötigt – bei praktisch nicht vorhandenen Ausfallzeiten. Die bis dahin benötigten Mitarbeiter können verstärkt für Patiententransporte eingesetzt werden.

Energieeinsparungen

Digitale Optimierung muss nicht bedeuten, dass sofort die komplette Klinik umgebaut werden muss. Auch kleine Veränderungen können bereits einiges bewirken. So kann mithilfe von Bewegungsmeldern oder einem Nachtmodus Strom bei der Beleuchtung in Treppenhäusern oder Lagerräumen gespart werden. Bewegungsmelder können aber auch im OP zum Einsatz kommen, um zu vermeiden, dass die Klimaanlage stundenlang läuft, obwohl der Raum ungenutzt ist. So wird in den OP-Sälen der Uniklinik Leipzig beispielsweise die Lüftung nach 30 Minuten ohne Aktivität heruntergefahren. Sollten allerdings ohnehin Umbauten anstehen, dann kann es sich sehr lohnen, auf den Energiebedarf und die Energieversorgung des neuen oder modernisierten Gebäudes zu achten. Es gibt schon länger Kliniken, die ihren Strom oder ihre Wärme zum Teil selbst erzeugen und natürlich kann auch hier auf erneuerbare Energien wie Photovoltaik gesetzt werden. Optionen wie ein Blockheizkraftwerk können theoretisch nicht nur Strom, sondern auch Wärme für die Heizung oder sogar heißen Dampf für die Sterilisation erzeugen. Über eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung (KWKK) können auch Klimaanlagen oder Kühlräume mit in das System einbezogen werden. Sollte nicht genügend Geld für Investitionen in solche Energiesparmaßnahmen vorhanden sein, gibt es auch die Möglichkeit eines Energiespar-Contractings. Dabei werden die Investitionskosten in der Regel von einem Dienstleister übernommen, der eine festgelegte Energieeinsparung garantiert. Nach der Installation wird diese Investition zusammen mit den eigentlichen Dienstleistungen (z.B. Instandhaltung) dann über einen Teilbetrag der eingesparten Energiekosten abbezahlt.

Abfall vermeiden und Mehrfachverwertung

Setzt man auf Lösungen wie eine Unit-Dose-Versorgung, dann spart das dem Pflegepersonal nicht nur Zeit, sondern man vermeidet auch, dass „übrig gebliebene“ Medikamente entsorgt werden müssen. Denn bei diesem System werden Arzneimittel durch die Klinikapotheke patientenindividuell zusammengestellt, verpackt, etikettiert und danach direkt an die Stationen geliefert. Ein anderer Ansatz, um Verpackungsmüll zu vermeiden, ist es, Tabletten als Schüttgut zu ordern, anstelle von fertigen Blistern. Aber auch die Bestellrhythmen sind – nicht nur bei Medikamenten – einen Blick wert. Sofern dies aus hygienischen Gründen möglich ist, bietet sich vielleicht auch eine Mehrfachverwertung bestimmter Gebrauchsgegenstände an. Dabei kann es sinnvoll sein, die Gesamtkosten genau abzuwägen, um zu entscheiden, ob sich die Anschaffung wiederverwertbarer Produkte lohnt. Können Gegenstände nur einmal verwertet werden, sollte darauf geachtet werden, dass diese nicht einfach alle im normalen Müll landen, selbst, wenn das theoretisch möglich wäre. Herzkatheter (Elektrophysiologie-Katheter), die bei einer Katheterablation zum Beispiel zur Behandlung von Vorhofflimmern eingesetzt werden, landen oft im Müll. Die darin enthaltenen Edelmetalle können jedoch nach der Desinfektion des Katheters von zertifizierten Entsorgungsunternehmen wiederaufbereitet werden.

Sozial nachhaltig einkaufen

Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig. So ist mit „sozial nachhaltig“ beispielsweise gemeint, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens, aber auch die Mitarbeiter der Lieferanten faire Arbeitsbedingungen haben. Damit es zumindest im Textilbereich einfacher wird, sozial nachhaltig hergestellte Produkte zu finden, gibt es seit kurzem ein neues staatliches Siegel, den „grünen Knopf“. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hat als eine der ersten Kliniken Bettwäsche mit dem neuen Siegel bestellt.

In vielen anderen Bereichen, wie der Nutzung von Regenwasser als Kühl- und Prozesswasser, gibt es ebenfalls noch ein großes Potenzial, um den Klinikbetrieb nachhaltiger zu gestalten. Auch in Hinblick auf Entwicklungen wie das „Smart Hospital“ bleibt es abzuwarten, was die Zukunft bringt und welche neuen Ideen Kliniken „nachhaltiger“ und somit fit für die Zukunft machen.

  • Schlagwörter:
  • Nachhaltigkeit
  • Sustainability
  • Green Hospital

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