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Dräger-Beschäftigte verzichten auf Tariferhöhungen

Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk, die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat haben sich auf ein Eckpunktepapier zur Senkung der Personalkosten geeinigt.

Dräger Hauptsitz

Dräger

Dräger Hauptsitz in Lübeck.

Mit der Einigung auf das Eckpunktepapier sollen in den nächsten vier Jahren Standortschließungen in Deutschland ausgeschlossen und betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, wie die Verhandlungspartner am Montag mitteilten. Dafür verzichten die Beschäftigten die nächsten drei Jahre auf Tariferhöhungen.

Der Konzern hatte Ende August angekündigt, die Personalkosten um 120 Millionen Euro reduzieren zu müssen und dafür am Stammsitz in Lübeck 150 Stellen zu streichen. Dräger beschäftigt dort nach eigenen Angaben rund 5000 und weltweit mehr als 14 000 Mitarbeiter. Das Unternehmen verzeichnet zwar Umsatzwachstum, aber auch rückläufige Ergebnisse.

So beendete der Konzern zuletzt das zweite Quartal mit einem Verlust von 4,5 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Fehlbetrag bei 0,4 Millionen Euro gelegen. Der Umsatz erhöhte sich im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 2,3 Prozent auf 634,3 Millionen Euro.

"Angesichts der Ausgangslage ist dies ein gutes Ergebnis für die Beschäftigten", sagte der Erste Bevollmächtigter der IG Metall Lübeck-Wismar, Daniel Friedrich. Der Verzicht auf die nächsten Tariferhöhungen schmerze, aber man habe den finanziellen Beitrag so gering wie möglich halten und sozial gestalten können, sagte er.

Beteiligung der Belegschaft an Umstrukturierung

Die Einigung, die bereits am Sonnabend nach 17-stündigen Verhandlungen erzielt wurde, sieht den Angaben zufolge vor, dass Beschäftigte in niedrigen Tarifgruppen nicht komplett auf Lohnsteigerungen verzichten müssen. Sie sollen immerhin 50 Prozent der ausgehandelten Tariferhöhungen erhalten.

Der Betriebsratsvorsitzende Siegfrid Kasang begrüßte besonders, dass die Beschäftigten künftig bei Veränderungen in ihrem Arbeitsbereich besser beteiligt und stärker einbezogen werden sollen. "Damit haben wir jetzt für den Großteil der Belegschaft gute Voraussetzungen geschaffen, sich aktiv und angstfrei an der Umstrukturierung zu beteiligen", sagte Kasang.

Wenn die zuständigen Gremien und die Mitgliederversammlung der IG Metall den Eckpunkten zustimmen, kann Dräger Anfang 2020 mit dem geplanten Umbau seiner Geschäftsbereiche starten. Dabei entstehende Personalüberhänge sollen hauptsächlich durch Versetzungen und Altersabgänge geregelt werden. Als letztes Mittel kann Dräger maximal 50 betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis zum Sommer 2023 aussprechen.

Konzernchef Stefan Dräger sagte, der Kompromiss berücksichtige die Notwendigkeiten des Unternehmens, den Anstieg der Personalkosten zu reduzieren und gleichermaßen die Interessen der Mitarbeiter. "Wir sind überzeugt, dass dies eine ausbalancierte Lösung ist, die uns wirklich hilft", sagte Dräger.

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