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Sachkosten sparenEinkaufsstrategien aus der Industrie auch im Krankenhaus effektiv einsetzen

Frage nach individuellem Bedarf des Patienten

Prof. Dr. med. Rainer Moosdorf, emeritierter Professor und ehemaliger Direktor der Herzchirurgie des Universitätsklinikums Gießen-Marburg, ist überzeugt: „Dadurch ist kein Patient schlechter versorgt als zuvor, denn Funktionen, die er nicht benötigt, bieten ihm keinen Zusatznutzen.“Auch bei anderen Implantaten wie zum Beispiel Hüft- oder Kniegelenken lässt sich mit der Methode arbeiten. Im Vordergrund steht die Frage nach dem individuellen Bedarf des Patienten.

Beispielsweise benötigt ein sportlich aktiver Patient anspruchsvollere – und dadurch teurere – Materialien als ein Patient, bei dem es eher darum geht, die Beweglichkeit und Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten, als sportliche Aktivitäten zu ermöglichen.Wertanalyse schafft Transparenz über die PreiszusammensetzungEin aufwendiges, aber für spezialisierte Kliniken Erfolg versprechendes Verfahren ist die Wertanalyse. Bei dieser Methode wird ein Produkt in seine einzelnen Bestandteile zerlegt und der Preis für jedes Bauteil festgestellt.

Analysiert wird, welche Bestandteile notwendig sind, um die gewünschten Produkteigenschaften zu erhalten. Durch Elimination der nicht benötigten Bauteile lässt sich der Preis eines Produkts senken.Dieses Vorgehen erfordert ein enges Zusammenarbeiten mit den Lieferanten – ein Aufwand, von dem das Gesundheitswesen insgesamt profitieren kann: Anforderungskataloge von den Anwendern können Herstellern von Medizintechnik wertvolle Hinweise geben, welche Kombinationen von Fähigkeiten bei ihren Produkten praxisrelevant sind oder wie Ausnahmen beschaffen sind.

Das wiederum kann Innovationen anstoßen, die die Versorgung von Patienten langfristig verbessern.Neben ihrer Aufgabe als Beschaffer sind Einkäufer in Industrieunternehmen auch als Scouts tätig: Sie sondieren aktiv den Markt, um relevante Neuheiten für ihr Unternehmen zu finden – und stellen diese im Unternehmen vor. Im Gesundheitswesen ist der Weg bislang häufig umgekehrt: Vertriebsmitarbeiter von Herstellern besuchen die Krankenhäuser und stellen Neuentwicklungen ihres Unternehmens vor. Natürlich sind diese Innovationen wertvoll, doch es ist nicht gewährleistet, dass das Angebot die Bedarfe spezialisierter Kliniken optimal erfüllt.

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