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Internationale Zusammenarbeit

Umdenken bei der Vorratshaltung von Sanitätsmaterial

Das hochansteckende Coronavirus hat auch die Sanitätsdienste der Streitkräfte in Europa überrascht. Deutschland sieht sich als Vorreiter einer neuen Vorratshaltung für Medikamente und Impfstoffe.

Impfstoff

Talaj/stock.adobe.com

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Corona hat in den Streitkräften der EU und Nato zu einem Umdenken bei der Vorratshaltung von Sanitätsmaterial geführt - in Deutschland laufen die Fäden für ein neues Konzept in Koblenz zusammen. Das Ende des Kalten Krieges und die Finanzkrise 2008 hätten hier zu massiven Einsparungen geführt, sagte der Leiter des Multinational Medical Coordination Centre und European Medical Command beim Sanitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz, Stefan Kowitz, der Deutschen Presse-Agentur.

„Dann wurde das Gesundheitswesen der Länder mit den Herausforderungen der ersten Welle einer Pandemie konfrontiert und unser Team hat in nur einer Woche ein Konzept für Stockpiling (Bevorratung) für die Nato erarbeitet.“ Deutschland sei während seiner EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 für die Entwicklung der sogenannten European Medical Cooperation 2.0 Vorreiter gewesen.

Kalkulator ermittelt Bedarf

Herzstück des weiter entwickelten Vorratskonzepts ist laut dem promovierten Generalarzt ein Kalkulator, also ein Computerprogramm, mit dem Sanitätsdienste für gesundheitliche Krisenfälle rasch den Bedarf an Personal, Material, Lagerfläche und auch Kosten ermitteln können. „Wir haben besondere Module entwickelt“, erklärte Kowitz. „Beispielsweise ein Verstärkungsmodul für eine Impf- oder eine Quarantänestation sowie Module zur Verstärkung einer Intensivmedizin und zur Labordiagnostik.“ In Containern könne das Material für die Module auch leicht auf Straßen, in der Luft und auf dem Meer transportiert werden.

„Die Gesamtkosten werden in die Millionen gehen“, sagte der 61-jährige Generalarzt. „Denken Sie zum Beispiel an einen Anschlag mit 1000 Verletzten - auch dafür müssen wir im Zivilen gerüstet sein.“ Ein Problem seien geeignete Lagerräume: „Man kann Medikamente und Impfstoffe zum Beispiel nicht einfach in zugigen Panzerhallen stapeln. Die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit müssen stimmen. Pharmazeutisches Fachpersonal muss zusätzlich Qualität und Haltbarkeit des Materials im Auge behalten.“

„Manche Nationen in der EU oder Nato haben nur begrenzte Lagerkapazität für militärisches Sanitätsmaterial - da gilt es, international zusammenzuarbeiten“, ergänzte Kowitz. Zudem habe Corona beim Thema Schutzkleidung anfangs die große Abhängigkeit von Asien gezeigt. „Jetzt werden zum Beispiel in Luxemburg wieder Masken hergestellt und in Deutschland gibt es ebenfalls solche Initiativen“, sagte der Generalarzt.

Planspiel verbessert Reaktion im Pandemiefall

Das Zusammenspiel von Nato- und EU-Institutionen sowie deren Nationen beim Ausbruch einer Virusepidemie wurde Ende November mit der dreitägigen virtuellen Übung „Resilient Response“ (Widerstandsfähige Reaktion) geprobt. „Beteiligt waren in einem Chatroom über 100 Experten von militärischen und zivilen Institutionen sowie von 12 Nationen“, erläuterte Kowitz. Bei dem Planspiel sei es etwa um die Verteilung eines Impfstoffs und negative Begleiterscheinungen wie Zweifeln in der Bevölkerung an der Gefahr des Virus, Fake News und Hackerangriffe auf Kliniken gegangen.

„Da sind viele Details offensichtlich geworden, wie wir besser auf Pandemien reagieren können“, sagte der Militärarzt. Er rechne künftig mit mehr Virusepidemien: „Hier gilt es, frühzeitig und multinational koordiniert zu reagieren, um solch einen Ausbruch einer ansteckenden Erkrankung regional zu begrenzen und eine Pandemie zu verhindern.“

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