
Derzeit haben Patienten nur eingeschränkt objektive Kriterien, um das passende Krankenhaus für eine Therapie zu wählen. Zwar zeigen Portale wie die „Weiße Liste“ oder der Bundes-Klinik-Atlas Fallzahlen und Komplikationsraten, vergleichbare patientenrelevante Daten zur Ergebnisqualität fehlen jedoch bislang häufig. Dabei geht es genau darum: Patienten möchten wissen, in welcher Klinik, bei welchem Arzt und mit welchem Produkt das bestmögliche Therapieergebnis zu erwarten ist – und wie ein Eingriff die Lebensqualität erhalten oder verbessern kann. Genau diese Transparenz treibt uns an – als Ausgangspunkt für ein neues Denken im Klinikeinkauf.
Alte Muster sind überholt
Traditionell orientierte sich der Klinikeinkauf an Preis und anwenderbezogenen Erfahrungswerten. Objektive, herstellerunabhängige Qualitätsdaten gibt es bislang nur für wenige Produktgruppen in strukturierter Form, etwa in der Endoprothetik über das Prothesenregister. Dabei verfügen Kliniken über viele relevante Informationen zu Produkten, Verbrauch, Prozessen und Komplikationen, betrachten diese jedoch oft isoliert. So fehlt es nicht nur an notwendiger Transparenz, sondern auch an belastbaren Grundlagen für Therapieentscheidungen und den strategischen Einkauf.
Die Folge: Wirtschaftlichkeitsanalysen basieren meist auf Produktpreisen. Die tatsächlichen Versorgungskosten je Prozedur sowie Auswirkungen der Produkt- oder Systemwahl auf Prozesse, Ergebnisqualität und Verweildauer finden zumeist keine Berücksichtigung. Selbst dort, wo ambitioniert Versorgungskosten analysiert werden, geschieht das häufig maßgeblich über Verteilschlüssel. Direkte Kostenzuordnungen erfolgen meist nur für Implantate, da hierfür eine fallbezogene Dokumentation gesetzlich vorgeschrieben ist. Eine Gegenüberstellung von Materialeinsatz und Erlösen pro Eingriffsart bleibt die Ausnahme – oft mit methodischen Unschärfen. Auswirkungen des Materialeinsatzes auf Interventionszeit oder Verweildauer bleiben unbeachtet.
Gespräche mit Klinikverantwortlichen zeigen, dass die Trennung zwischen kaufmännischer und medizinischer Perspektive nicht mehr zeitgemäß ist – und wohl nie war.
Gespräche mit Klinikverantwortlichen zeigen, dass die Trennung zwischen kaufmännischer und medizinischer Perspektive nicht mehr zeitgemäß ist – und wohl nie war. Beide Seiten verfolgen schließlich dasselbe Ziel: eine effiziente, sichere und hochwertige Patientenversorgung. Dabei rückt neben Preis und Produktqualität auch die Prozessqualität in den Fokus, denn sie beeinflusst sowohl wirtschaftliche als auch medizinische Ergebnisse. Lange OP- und Narkosezeiten erhöhen beispielsweise nicht nur die Kosten, sondern auch das Risiko für Komplikationen. Ebenso wirken sich postoperative Komplikationen unmittelbar auf Wirtschaftlichkeit und Behandlungsergebnis aus.
In der Praxis zeigt sich: Was medizinisch sinnvoll ist, ist auch wirtschaftlich vorteilhaft – und umgekehrt. Stabil gesteuerte Prozesse werden so zum gemeinsamen Nenner. Sie senken Komplikationen, schonen Ressourcen und bilden die Basis für einen vorausschauenden und strategischen Einkauf.
Vernetzte Daten als neue Steuerungsbasis
Die Datenmengen im Gesundheitswesen wachsen – doch ihr Nutzen hängt davon ab, wie sie genutzt werden. Erst durch die strukturierte Verknüpfung von Informationen, entstehen echte Steuerungschancen. Scanlösungen wie H-trak erfassen lückenlos alle für einen Patienten im OP und bei der Therapie verwendeten Produkte und schaffen so eine verlässliche Datengrundlage für fallbezogene Analysen des Materialverbrauchs. Diese Transparenz unterstützt nachgelagerte Klinikprozesse (zum Beispiel die Materialabrechnung für ambulante OPs), erleichtert die Einhaltung regulatorischer Vorgaben, wie beispielsweise die Meldung an das Implantateregister, und ermöglicht automatisierte Materialwirtschaftsprozesse, wie Nachbestellungen auf Basis definierter Schwellenwerte, Abrechnung von Leihinstrumentarien und Inventur.
Die Datenmengen im Gesundheitswesen wachsen.
Noch tiefer gehen Business Intelligence-Lösungen wie die von Miralytik: Sie bereiten komplexe Informationen verständlich auf und stellen Entscheidern belastbare Analysen bereit. Indem patientenbezogene Verbräuche mit den tatsächlichen DRG-Erlösen aus dem Paragraf-21-Datensatz verknüpft werden, wird eine präzisere Steuerung auf Diagnose- und Prozedurenebene ermöglicht. Ergänzend helfen Benchmarkdaten dabei, eigene Ergebnisse zu kalibrieren. Visualisiert auf Dashboards, entsteht eine belastbare Entscheidungsgrundlage in Leistungserbringung und Verwaltung.
Aus der Kombination beider Systeme entsteht H-trak-Controlling: eine Lösung, die medizinische Sachkosten präzise auf Prozeduren- und Eingriffsebene zuordnet. Deckungsbeiträge, Patientenkollektive und Verbrauchsmuster werden sichtbar und bewertbar. Weitere Daten wie Schnitt-Naht-Zeiten, Anästhesie- oder Verweildauer verfeinern das Bild von Ressourcen- und Prozessaufwand. Die Verknüpfung der H-trak-Verbrauchsdaten mit den Paragraf-21-Daten schafft eine fundierte Basis zur Identifikation von Optimierungspotenzialen.
Das Ergebnis: ein datengetriebener Steuerungsansatz, der medizinische, wirtschaftliche und strukturelle Entscheidungen unterstützt. Die Tiefenverknüpfung ist bislang einzigartig: Verbrauchsdaten erklären Prozessdaten, diese wiederum Erlös- und Qualitätsdaten – und alle gemeinsam die tatsächliche Wirtschaftlichkeit eines Eingriffs.
Praxisbeispiel Regensburg: Datenbasiert entscheiden
Am Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg zeigt der Einsatz von H-trak-Controlling erste Effekte: Prozesszeiten und Komplikationsraten werden messbar, Sachkostendeckung und -unterdeckung auf Fallebene transparent. „Dank klar strukturierter Analysen können wir Sachkostengespräche, Artikelumstellungen und Portfolioentscheidungen effizient und datenbasiert steuern – ohne zeitaufwendige Auswertungen“, so Manuel Rodriguez Becker, Leitung der Wirtschaftsabteilung.
Dank klar strukturierter Analysen können wir Sachkostengespräche, Artikelumstellungen und Portfolioentscheidungen effizient und datenbasiert steuern – ohne zeitaufwendige Auswertungen.
Ein wesentlicher Mehrwert liegt im Einsatz von Real-World-Data – also im Versorgungsalltag entstehenden statt rein theoretischen Versorgungsdaten. Sie zeigen, wie Prozesse, Ergebnisse und Ressourcenverbräuche im Klinikalltag tatsächlich wirken – und erlauben eine realitätsnahe Bewertung medizinischer wie wirtschaftlicher Leistungen.
Ergebnisqualität messen
Die KHZG-geförderten Patientenportale ermöglichen erstmals flächendeckend die technischen Voraussetzungen für die standardisierte, digitale Erfassung von Lebensqualitätsdaten (Patient-Reported Outcome Measures, PROMs) und zeigen so den patientenrelevanten Nutzen eines Eingriffs. In Kombination mit Prozess- und Verbrauchsdaten entsteht daraus eine neue Form der Qualitätstransparenz – jenseits klassischer Komplikationsraten. Sichtbar wird, welchen tatsächlichen Beitrag ein Eingriff zur Lebensqualität der Patienten leistet.
Der Einkauf der Zukunft bewertet weit mehr als nur Preise: Er erkennt, wie Produkte auf Abläufe, Ergebnisse und Erlöse wirken – und gestaltet aktiv mit. Denn Daten sollten nicht nur gesammelt, sondern sinnvoll verknüpft und interpretiert werden.




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