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Fehlende Fachkompetenz in Kliniken

Der perfekte Einkäufer – nur eine Illusion?

Wie gewinnen wir Nachwuchs für den Klinikeinkauf? Wir diskutieren seit Jahren darüber und finden doch nur halbherzige Lösungen. Dabei ist dieser Beruf Herausforderung und Spannung zugleich. Eine Aufgabe zwischen strategischer Planung, oftmals emotionalen Konflikten, wirtschaftlichem und unternehmerischem Denken sowie Moderationsgeschick. Was genau muss der strategische Einkäufer einer Klinik also können?

Klinikeinkauf

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Symbolbild

Welcher Klinikeinkäufer kennt das nicht?! Noch schnell die Bestellung für den gefäßchirurgischen OP auslösen, damit das OP-Programm pünktlich starten kann. Die Stationsleitung beschwichtigen, die über die neuen Augenkompressen schimpft. Den ungeduldigen Chefarzt am Telefon besänftigen, der den neuesten Ballonkatheter vom Kongress mitgebracht hat und sofort einsetzen möchte. Zudem die wöchentlichen Controllingzahlen über die Sachkostenentwicklung zusammenstellen, die bis mittags bei der Geschäftsführung vorliegen müssen.

Seit Jahren ist die Abteilung unterbesetzt und kompetenter Nachwuchs ist nicht in Sicht. Wie schaffen wir es, engagierte Nachwuchsführungskräfte für den Einkauf zu begeistern? Woran liegt es, dass beispielsweise engagiertes Pflegepersonal eher Zusatzausbildungen zur Hygienefachkraft oder zur Kodierfachkraft im Medizincontrolling absolviert? Warum gehen Absolventen der Hochschulen nach erfolgreich abgeschlossenem Studium „Gesundheitsökonomie oder -management“ lieber in die Pharmaindustrie?

Warum der Einkauf in den Kliniken (noch) keine Lobby hat

Kliniken sind nach wie vor hierarchisch geprägt: Was Mediziner und Chefärzte fordern, wird oftmals umgesetzt. Dabei geht es den Einkäufern bei der Produktbeschaffung nicht darum, den Medizinern oder den Pflegekräften im Hinblick auf Qualität und Innovationen der Produkte Vorgaben zu machen, sondern es gilt, Qualität und Innovationgrad im Vergleich zur Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Und dennoch gibt es Aussagen wie „Medizin könne nicht unter wirtschaftlichen Aspekten praktiziert werden“.

Ein KO-Kriterium unter dem Deckmantel der Ethik für jede weitere Diskussion. Hier muss der Einkauf gestärkt werden.Dem Klinikeinkauf eilt jedoch ein anderer Ruf voraus. „Hier wird billig gekauft.“ Oder: „Unwissende entscheiden über Produkt und Einsatz.“ Die Themen und Fragestellungen im Einkauf sind oft nicht populär, greifen diese doch vermeintlich in die täglichen Arbeitsprozesse des Klinikpersonals ein. Bei der Arbeitsdichte des Klinikpersonals ist die Motivation über Produkte, Investitionen oder Verhandlungen zu sprechen, eher gering.

Ein Klinikeinkäufer muss fundierte Kenntnisse über Krankenhaushygiene, Indikationen für medizinische Produkte bis hin zum Vergaberecht haben. In der „Untersuchung zu Strategien, Organisation und Prozessen in Einkauf & Logistik der Krankenhäuser“ aus 2017 wird festgestellt, dass der Einkauf mittlerweile zwar auf der mittleren bis oberen Ebene der Krankenhausorganisation angesiedelt ist, das erforderliche Wissen jedoch oftmals fehlt.

Umfangreiches Wissen ermöglicht eine zielgenaue Kommunikation

„Jeweils 54,3 Prozent der befragten Kliniken gaben an, dass der Weiterbildungsbedarf für die mit dem Einkauf betrauten Mitarbeiter vor allem hinsichtlich des medizinischen Wissens sowie der Einsatzgebiete und Handhabung von Medizinprodukten im klinischen Alltag besteht. Eine bessere Kenntnis der Einsatzgebiete versetzt die Einkaufsabteilung eben auch in die Lage, die entsprechenden Produkte zu beschaffen. Zudem ermöglicht ein umfangreiches Wissen eine zielgenaue Kommunikation zwischen Bedarfsträger und Bedarfsdecker, also zwischen Anwender und Einkäufer.“

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