
Neben medizinischen Robotiksystemen wie dem Da-Vinci-Roboter für Behandlungen unterschiedlicher chirurgischer Fachdisziplinen befasst sich die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (Kages) beziehungsweise das Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum (LKH-Univ. Klinikum) Graz seit einiger Zeit auch mit Automatisierungstechnologien außerhalb der OP-Bereiche. So kommen zuletzt auch in der Logistik verschiedene Systeme zum Einsatz, wie beispielsweise ein Kommissionierautomat in der Anstaltsapotheke für die automatisierte Ein- und Auslagerung von Medikamenten oder ein Tellerroboter zum Sortieren der Teller in der Spülküche. In beiden Fällen werden dadurch monotone Arbeiten übernommen und das Personal entlastet.
Das Thema Robotik beziehungsweise Automatisierung wird seit einigen Jahren auch in der Reinigung und im Logistiktunnel forciert. Nach einem erfolgreichen Pilotversuch 2022 wird seit letztem Jahr der kagesweit erste Reinigungsroboter namens „Franzi 2.0“ eingesetzt, welcher im Arztkitteldesign in der Chirurgie unterwegs ist. Ein weiterer Roboter unterstützt übrigens bei Sonder-Fensterreinigungen und spart dadurch aufwendiges Reinigen durch Industriekletterer.
Reinigungsroboter im Einsatz
Daneben – und ganz neu – wurde die Roboterflotte um einen ganz besonderen Reinigungsroboter erweitert. Der liebevoll „Horsti“ getaufte Roboter wurde bewusst als Clown foliert und soll neben mehr Sauberkeit und Hygiene vor allem eines bewirken – nämlich bei den kleinsten Patientinnen und Patienten im Kinderzentrum für ein bisschen Ablenkung sorgen und den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Neben „Horsti“ sind auch weitere autonome Reinigungsroboter bereits professionell im Einsatz, die erfolgreich Gänge und Flure reinigen. Mit den beiden Reinigungsrobotern „Franzi 2.0“ und „Horsti“ wurden bereits wertvolle Erfahrungen in der betrieblichen Praxis gesammelt.
Erfahrungen hinsichtlich der Dualität – Einsatz von Mensch und Maschine:
- Bedenken der Mitarbeitenden ernst nehmen
- Einbindung der Mitarbeitenden von Anfang an
- Unterweisung gemäß des im Land geltenden Schutzgesetzes für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (gegebenenfalls auch mehrsprachig)
- nach Möglichkeit zuerst Pilotierung, danach Erkenntnisse evaluieren und im Bedarfsfall nachjustieren (erst danach Roll-out durchführen)
- Maschine (Roboter) als Arbeitserleichterung beziehungsweise Unterstützung positionieren, insbesondere bei monotonen Arbeiten
Der nächste zukunftsweisende Innovationsansatz ist ein erster sogenannter autonomer mobiler Roboter (AMR), der definierte Teilstrecken zwischen Logistiktunnel und Versorgungszentrum befahren soll. Dieser wurde Anfang 2025 im Logistiktunnel beziehungsweise Versorgungszentrum am LKH-Univ. Klinikum Graz in den Betrieb genommen. Der AMR unterstützt beim Transport von Paletten zwischen dem Tunneleinfahrtsbereich sowie dem Zentralmagazin und entlastet damit die Mitarbeitenden innerhalb des Bereichs Wirtschaft / Logistik. Dabei transportiert dieser Paletten, die bisher händisch von Mitarbeitenden des Zentrallagers über weite Strecken transportiert werden mussten. Mit den eingeleiteten Maßnahmen hält das Klinikum nicht nur Schritt in puncto logistischer Trends, sondern setzt darüber hinaus auch effektiv Maßnahmen zur Entlastung des Personals (Ergonomie und Vermeidung von Monotonie). Dies ist besonders in Zeiten von Personalmangel ein wichtiger Akzent. Die Tätigkeit vor Ort wird damit nicht nur innovativer, sondern auch ergonomischer.

FTS im Logistiktunnel
Der neue flache Roboter ergänzt zudem die bereits bestehende Roboterfamilie des Klinikums innerhalb des Bereichs Wirtschaft / Logistik. Die Erfahrungen mit den zuerst etablierten Reinigungsrobotern waren für die Inbetriebnahme des neuen und ersten fahrerlosen Transportsystems in einer steirischen Krankenanstalt ein großer Mehrwert.
Der neue AMR wurde übrigens auf „Gertschi 2.0“ getauft – und zwar von den Mitarbeitenden vor Ort. Dies ist eine Hommage an einen (fast) namensgleichen Kollegen, der in Altersteilzeit geht – auch wenn der Roboter den Kollegen natürlich nie gänzlich ersetzen kann. Die Umsetzung des AMR ging aus einer durchgeführten Machbarkeitsstudie hervor, in der die Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit eines flächendeckenden fahrerlosen Transportsystems (FTS) im rund zwei Kilometer langen Logistiktunnel evaluiert wurde. Als Ergebnis dieser Studie sowie weiterer Simulationen und entsprechender Risikobeurteilungen wurde die Automation definierter Teilstrecken als beste Lösung erachtet und nun pilotiert.
Im Rahmen der Konzeption und Pilotierung waren neben dem Lieferanten Firma Still und dem Bereich Wirtschaft / Logistik (Stabsstelle Supply Chain Management) auch zahlreiche weitere Bereiche involviert, unter anderem die Fachabteilung IT-Infrastruktur, der Chief Information Security Officer, der Bereich Technik und viele mehr.




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