kma Online
Personalmangel

Klinikeinkäufer unter Verschluss

Viele Kliniken finden nicht die passenden Einkäufer. Den hohen Vergütungen in der Industrie haben sie meist wenig entgegenzusetzen. Wer gute Mitarbeiter hat, versucht deshalb alles, damit Headhunter erst gar nicht auf sie aufmerksam werden.

Teambuilding

AdobeStock/Андрей Яланский

„Gute Leute im Klinikeinkauf sind begehrt – und wer sie hat, hält sie aus der Öffentlichkeit weitgehend raus.“

Er kennt die Anfragen nur zu gut. Als Einkaufsleiter eines großen deutschen Klinikums bekommt er sie regelmäßig. Sie wollen seine Teammitglieder als Referenten oder Podiumsteilnehmer bei Messen und Kongressen gewinnen. Doch er lehnt alles ab. Zu groß ist die Gefahr, dass seine Leute noch bei der Veranstaltung in die Fänge der Konkurrenz oder von Headhuntern geraten. „Das Abwerben hat mittlerweile erhebliche Ausmaße angenommen. Nach Auftritten hagelte es noch auf den Kongressen sofort Anfragen“, sagt der Abteilungsleiter, der seinen Namen hier nicht lesen möchte.

Enorme Gehälter und Homeoffice locken 

So wie er halten es mittlerweile viele. Gute Leute im Klinikeinkauf sind begehrt – und wer sie hat, hält sie aus der Öffentlichkeit weitgehend raus. Personalvermittler sollen erst gar nicht auf potenzielle Kandidaten aufmerksam werden. „Nicht ohne Grund finden Sie auf Kongressen nie die Praktiker von großen Klinikketten oder Einkaufsverbünden, die Einblicke in ihre Strategie oder ihre Lösungsansätze geben“, sagt der Einkaufsprofi: „Dort treffen Sie fast nur solche, die Kunden suchen und Akquise machen wollen.“

Gute Mitarbeiter zu halten, sei ein ständiger Kampf. Die Lage ist mittlerweile so ernst, dass schon Einsteiger frisch nach dem Uniabschluss mit enormen Gehältern gelockt werden. Erst kürzlich sei wieder eine 29-jährige Kollegin abgeworben worden – mit einem AT-Gehalt, der Aussicht auf eine Vier-Tage-Woche, einem kurzen Weg zur Arbeit und dem Versprechen, viel im Homeoffice tätig sein zu dürfen. „Da können wir mit unseren Mitteln selbst bei einer motivierenden Tätigkeit nicht mehr mithalten“, ärgert sich der Abteilungsleiter. Die, gegen die er da verliert, seien fast immer Industrieunternehmen, selten Klinikkonkurrenten.

Traineeprogramme statt Abwerbung

Manuela Mehner hat die gleiche Erfahrung gemacht. „Viele Häuser, bei denen demnächst Kollegen in den Ruhestand gehen, wissen nicht, wie sie die Stellen nachbesetzen sollen“, sagt die Leiterin des Bereichs Einkaufsmanagement beim Management- und Beratungsunternehmen consus clinicmanagement. Doch ein Teil der Probleme sei durchaus haus­gemacht. „Vielen Klinikleitungen fehlt es noch immer an Wertschätzung für den Einkauf“, sagt Mehner. Dabei habe sich der Bereich grundlegend gewandelt – weg von reiner Bestellabwicklung, hin zum Sparringspartner, der auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung und den medizinischen Entscheidern agiert und strategisch arbeitet.

„Doch die Bedingungen dafür sind nicht mitgewachsen“, erklärt Mehner, „vielfach ist der höchste Grad der Digitalisierung leider noch immer der Faxserver“. Statt auf Abwerbung zu setzen, sollten Kliniken besser in 18- bis 24-monatige Traineeprogramme investieren, deren Teilnehmer perspektivisch auf Positionen wie Einkaufs- oder Logistikleiter vorbereitet werden, rät Mehner: „Dabei sollen sie vom OP bis zur Rettungsstelle alle Bereiche eines Krankenhauses kennenlernen, um selbst zu erleben, warum die Anwender so sind, wie sie sind.“ Wer Verständnis füreinander habe, „sucht das Gespräch – und reden hilft immer“.

Gestaltungsspielraum wichtiger als Gehalt

Das weiß auch der Abteilungsleiter, der sein Team „unter Verschluss“ hält. Die guten Leute wurden hauptsächlich im eigenen Haus ausgebildet, und denen sei Spielraum, um selbst gestalten zu können, meist wichtiger als die Bezahlung. Motiviert werde über die internen Strukturen mit flacher Hierarchie und eng an der Geschäftsführung sowie durch die überwiegend gemeinsame Projektarbeit mit den ärztlichen und pflegerischen Entscheidern.

„Wir suchen kreative Menschen mit Haltung, die im Gesundheitswesen etwas bewegen wollen und Verständnis für andere Berufsgruppen haben. Dann können sie im Dialog auch einem Neurochirurgen kaufmännische Aspekte vermitteln und gemeinsam medizinisch und ökonomisch tragfähige Vereinbarungen treffen.“ Der Erfolg gibt ihm recht – bis dann doch mal wieder ein Headhunter durchdringt und „genug“ bietet …

  • Schlagwörter:
  • Klinikeinkauf
  • Personal
  • Recruiting
  • Gehalt
  • Manuela Mehner

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren

Klinik Einkauf Magazin

Das Magazin für Klinikeinkäufer, Logistiker und Entscheider im Beschaffungsprozess.

Jetzt kostenlos testen!