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Wie Ärzte, Kliniken und Co. vor der zweiten Welle gerüstet sind

Ob in der Corona-Pandemie eine zweite Welle in Deutschland kommt, ist ungewiss. Doch eine Umfrage zeigt: Krankenhäuser, Hausärzte und Kommunen sehen sich vorbereitet. An anderen Stellen gibt es aber noch Handlungsbedarf.

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Steigende Fallzahlen, unklare Infektionsketten und jede Menge kleinere Infektionsherde: Die Sorge vor einer sogenannten zweiten Corona-Welle in Deutschland wächst. Geht es nach der Einschätzung des Ärzteverbandes Marburger Bund, ist sie sogar schon da. Noch sind die Infektionszahlen nicht mit denen von März und April 2020 vergleichbar - doch was ist, wenn sie weiter steigen?

«Darauf sind die Kommunen und die staatlichen Einrichtungen nach den Erfahrungen der ersten Infektionsfälle deutlich besser vorbereitet», sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der Deutschen Presse-Agentur. Tatsächlich werden etwa Testkapazitäten noch immer ausgebaut, und es ist auch mehr Schutzmaterial verfügbar als noch zu Krisenbeginn. Sorge bereitet dagegen ein schwindendes Risikobewusstsein in der Bevölkerung. Ein Überblick:

Bedarf an Schutzmaterialien ausreichend gedeckt

Schutzmaterialien wie etwa Masken waren zu Beginn der Corona-Pandemie Mangelware. Die Städte und Gemeinden sehen sich nun besser vorbereitet. Zusammen mit dem Bund und den Ländern sind nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes «in großem Umfang» Schutzausrüstungen und Masken beschafft worden. «Auch wenn der Beschaffungsmarkt natürlich weiter angespannt ist, sind Kommunen, Krankenhäuser und Arztpraxen wesentlich besser ausgestattet», heißt es von dem Verband. Der Landkreistag rechnet ebenfalls mit keinen Engpässen.

Und auch in den Praxen der niedergelassenen Haus- und Fachärzte sei für den Bedarf an Schutzmaterialien vorgesorgt worden, teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit. Vorrangig sei das aber die Aufgabe der Länder und der Katastrophenschutzbehörden, betont der Vorsitzende Andreas Gassen. Der KBV-Chef verweist zudem auf die Erfahrungen, die während der ersten Phase der Pandemie etwa beim Aufbau von Testzentren und speziellen Corona-Praxen gemacht wurden. Diese könnten «jederzeit» wieder aktiviert werden.

Zusätzliches Personal bei Gesundheitsämtern nötig 

Die Gesundheitsämter nehmen eine zentrale Rolle bei der Verfolgung von Infektionsketten ein. Nach einer Umfrage des Deutschen Städtetages haben die Gesundheitsämter ihr Personal in der Corona-Krise deutlich aufgestockt. Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes schlägt dennoch Alarm: «Während der ersten Pandemie-Welle haben viele Gesundheitsämter ihr Personal fast verdoppelt. Doch das ist mittlerweile weitgehend wieder abgezogen worden», sagt die Vorsitzende Ute Teichert. Bei steigenden Zahlen sei wieder mehr Personal nötig, um Infektionen verfolgen zu können.

Die Kommunen zeigen sich optimistisch, dass sie bei Bedarf zeitnah nachsteuern können. «Dass dies den Landkreisen auch tatsächlich gelingt, haben die lokalen Ausbrüche und deren schnelle Eindämmung seit März 2020 gezeigt», sagt Jörg Freese vom Deutschen Landkreistag. Im Ernstfall brauche es zusätzliches Personal, ist sich auch Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund sicher. Daher sollte nun auch eine Personalreserve aufgebaut werden, sagt Landsberg.

Regionale Netzwerke zwischen Krankenhäusern sichern Versorgung 

Sorge bereitet Experten ein nachlassendes Gefahrenbewusstsein in der Bevölkerung. Viele Menschen fühlen sich heute sicherer als noch vor einem Vierteljahr - das belegen auch Umfragen. Das Robert Koch-Institut beklagte zuletzt Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Pandemien seien eine «schleichende Krise», daher müsse das Krisenbewusstsein wachgehalten werden, auch wenn zwischenzeitlich nicht viel passiere, sagt der Direktor des Instituts für Krisenforschung in Kiel, Frank Roselieb. Menschen hielten sich weniger an Verhaltensregeln, wenn diese nicht auch nachhaltig sanktioniert würden. «Hier unterscheiden sich die AHA-Regeln einer Pandemie nicht von Verkehrsschildern, die ohne Radarkontrollen auch nicht funktionieren würden», erklärt Roselieb.

Die Krankenhäuser haben nach Angaben der Krankenhausgesellschaft in den vergangenen Monate Erfahrungen sammeln können, die ihnen für eine mögliche zweite Welle zu Gute kommen. «Dies gilt für die Zusammenarbeit verschiedener Kliniken in regionalen Netzen, die Weiterbildung von Personal in der Beatmungsmedizin oder für die Ablauforganisation», sagt Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Auch Isolierzimmer würden noch immer freigehalten. «Die Krankenhäuser sind gut auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet», bilanziert Baum.

Ausreichend Behandlungskapazitäten machen Überlastung unwahrscheinlich

Bei den Intensivbetten, die zur Behandlung von Corona-Patienten genutzt werden können, bestehen noch Kapazitäten. Das Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) meldete zuletzt etwa 9000 freie Intensivbetten. Das entspricht einem Anteil von rund 42 Prozent gemessen an der Gesamtzahl von rund 21 300 registrierten Intensivbetten. Etwa 1200 Klinikstandorte in Deutschland melden derzeit ihre Kapazitäten.

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