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Schwächere Konjunktur

Chemie- und Pharmabranchen erwarten heftige Einbußen

Der Brexit, der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Gegenwind für die Weltwirtschaft treffen Deutschlands drittgrößte Industriebranche. 2019 dürfte der Umsatz deutlich sinken. Für die Konjunktur sind das schlechte Vorzeichen.

Pixabay

Symbolfoto

Die deutsche Chemie- und Pharmabranche erwartet angesichts von Handelskonflikten und einer schwächeren Weltkonjunktur kräftige Rückgänge. Der Umsatz in dem wichtigen Industriesektor werde 2019 wohl um 2,5 Prozent auf knapp 199 Milliarden Euro sinken, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Dienstag in Frankfurt mit. Die Produktion könnte bei leicht steigenden Preisen um 3,5 Prozent schrumpfen. Damit korrigierte die Branche ihre Prognose deutlich nach unten.

Während Großbritannien auf einen ungeregelten Brexit zusteuere, gebe es im Handelsstreit zwischen den USA und China keinen Durchbruch, und auf dem Heimatmarkt habe sich die Industrieproduktion eingetrübt. „In Deutschland ist der Abschwung da”, erklärte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Die Probleme in der Autobranche rund um den Dieselskandal und die Umstellung auf den Abgasstandard WLTP drückten auch in diesem Jahr das Wirtschaftswachstum. Das wirke sich auf andere Branchen wie die Kunststoffindustrie aus.

Bisher hatte der VCI für 2019 einen Umsatzanstieg von 2,5 Prozent und ein Produktionsplus von 1,5 Prozent erwartet. Jedoch verzerre ein Sondereffekt in der zuletzt boomenden Pharmabranche das Bild. So habe ein Konzern zum Jahresende 2018 die Produktion eines Blockbusters hierzulande eingestellt, erklärte der Verband. Bereinigt um den Sondereffekt werde die Produktion 2019 stagnieren und die Chemiebranche alleine die Herstellung um 1,5 Prozent drosseln.

„Brexit hat wirtschaftlich tiefe Narben hinterlassen"

Im Oktober war der Patentschutz für das weltweit umsatzstärkste Medikament Humira vom US-Pharmakonzern Abbvie in Europa abgelaufen. Der Entzündungshemmer wird etwa gegen Rheuma verschrieben. Seit dem Ende des Markenschutzes drängen Konkurrenten mit Nachahmerprodukten in den Markt.

Die Chemiebranche reagiert als Lieferant etwa für die Auto-, Bau- und Kosmetikindustrie früh auf Konjunkturschwankungen und hatte schon zum Jahresende vor Rückschlägen gewarnt. Im vierten Quartal 2018 wuchs der Umsatz wegen einer schwachen Nachfrage aus dem Ausland binnen Jahresfrist kaum noch, die Produktion brach um 6,3 Prozent ein. Das lag auch am Niedrigwasser im Rhein, das den Transport von Waren für Konzerne wie BASF einschränkte.

Im Gesamtjahr stiegen die Erlöse in der Branche mit 462 000 Beschäftigten in Deutschland dennoch um 4,1 Prozent auf den Rekordwert von 203,5 Milliarden Euro. Dabei musste die Chemie-Industrie auch Folgen des Brexits bewältigen. Im Handel mit Pharma- und Chemieprodukten mit Großbritannien gab es im vergangenen Jahr einen Rückgang von rund zehn Prozent. „Der Brexit hat politisch und wirtschaftlich tiefe Narben hinterlassen”, sagte Tillmann.

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