
Die feierliche Preisverleihung hat im Jüdischen Krankenhaus in Berlin stattgefunden.
Initiiert und eingeladen zur Preisverleihung hatte die Community Zukunft Krankenhaus-Einkauf. Unter Federführung von Stefan Krojer, Leiter des strategischen Einkaufes der Johanniter Competence Center GmbH und innovativer Vordenker im Bereich der Digitalisierung des Krankenhauseinkaufes, wurde 2018 zum ersten Mal der Hospital Supplier Award ausgeschrieben. Gesucht wurden innovative Wertschöpfungskonzepte von Krankenhauslieferanten, die für Klinik und Patienten nachhaltig Sinn machen.
Der Award soll für Einkäufer mehr Transparenz zu vorhandenen Konzepten bieten und als Impulsgeber den Dialog mit der Industrie aktiv fördern. Der in diesem Jahr erstmals verliehene Hospital Supplier Award prämiert Lieferanten, die nicht nur die herkömmlichen Produkte liefern, sondern zusätzlich Mehrwerte bieten. „Durch die Digitalisierung wird die Patientenzufriedenheit transparenter und so automatisch für alle Marktteilnehmer ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Und das ist auch gut so, denn letztendlich muss aus unserer Sicht der Patient mit im Fokus stehen“, so Stefan Krojer.
Renommierte unabhängige Jury
Die insgesamt 17 Bewerbungen zum Hospital Supplier Award sind beachtlich. Bewertet wurden sie durch eine Jury aus zwölf renommierten Krankenhausexperten. Hierbei wurden sieben Kriterien zur Bewertung herangezogen, jedes Kriterium wurde von allen Jurymitgliedern mit einer Punktzahl von Null bis Zehn unabhängig bewertet, sodass alle Bewerber jeweils eine maximale Punktzahl von 840 Punkten erreichen konnten. Die interdisziplinäre Besetzung der Jury, bestehend aus Einkaufsleitern, Ärzten, Pflegekräften bis hin zu Geschäftsführern und innovativen Entrepreneuren stellte eine 360-Grad-Bewertung sicher.
Um den Wandel der Krankenhauseinkäufer vom Preisverhandler zum Wertschöpfungspartner zu fördern, standen folgende Bewertungskriterien im Fokus: Innovationsgrad, Effizienzpotenzial, Patientennutzen, Praxisbezug, Nachhaltigkeit, Skalierbarkeit und einfache Implementierung.
Auftakt im historischen Rahmen
Mit einem kurzen Blick in die Historie der digitalen Community Zukunft Krankenhaus-Einkauf und die Ziele des Projekts Hospital Supplier Award eröffnete Initiator Stefan Krojer die Feierlichkeiten. Zum Auftakt berichtete Gerd Nierlich, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Jüdischen Krankenhaus Berlin über die Geschichte des Krankenhauses, das zugleich das älteste in Berlin ist und bereits seit über 260 Jahren an unterschiedlichen Standorten in Berlin existiert. Dabei schilderte er eindrucksvoll die Zeit des Antisemitismus und berichtete über die Auswirkungen des Nazi-Regimes auf Mitarbeiter und Patienten.
So betrachtet sei das jüdische Krankenhaus kein Mahnmal, sondern „ein Ort sich zu erinnern“. Daraufhin hatte Armin Haas, Geschäftsführer des Unternehmens code<n>ground das Wort und griff in seinem Vortrag die Digitalisierung im Healthcare Markt auf. Aus seiner Sicht sei in diesem Bereich in Europa mit einem überproportionalen Anstieg an e-Health-Lösungen in den nächsten fünf Jahren zu rechnen – mit einem geschätzten Wachstum von ca. 300 Prozent. Der Fokus werde dabei auf der Customer Centricity (der Patient im Fokus) liegen.
Auch sei damit zu rechnen, dass sich auch die Anbieterstruktur ändern werde. Hier nannte Haas das Beispiel der Firma Nokia, die im Jahr 2007 noch als die Marke der Mobilkommunikation etabliert war, heute aber auf dem Markt so gut wie nicht mehr existiert. Auch die Kaufentscheidung werde sich ändern, denn laut einer Studie würden 80 Prozent der Kaufentscheidungen getroffen, ohne dass ein Vertriebsmitarbeiter involviert ist.
- Die Herausforderungen für den Krankenhauseinkauf sind folglich: Auf dem neuesten Stand bleiben (social selling, social buying).
- Wie schaffe ich Innovationsstrukturen?
- Was unternehme ich, damit meine Mitarbeiter und meine Kollegen dies schaffen.
Mit dem Fazit „Die veränderte Erwartung an digitale Gesundheitsangebote erfordert neue Fähigkeiten und Strukturen – finde den richtigen Weg“, endete der motivierende Vortrag von Haas und war ein perfekter Übergang zur Preisverleihung, die von Stefan Krojer moderiert wurde. Die Preise für die drei Bestplatzierten wurde jeweils durch ein Mitglied der Jury überreicht. Im Vorfeld waren die Kandidaten für die ersten drei Plätze ohne Angabe des Rankings informiert und zur Preisverleihung nach Berlin eingeladen worden.
Im Rahmen der Feierleichkeiten wurden die Lösungen der Gewinner vorgestellt.
Platz 3: RFID-Lösung für Bestandsmanagement
Der dritte Platz des Hospital Supplier Awards wurde durch Pavlos-Agis Briolas, Leiter Kostenmanagement des Jüdischen Krankenhauses in Berlin, an die Firma Cardinal Health verliehen, die mit ihrem Produkt „WaveMark™“ ein über RFID-basiertes Online-Tracking des aktuellen Lagerbestandes, z. B. eines Herzkatheter-Labors ermöglicht. Per RFID-Chips werden die entsprechenden Artikel identifiziert und mit dem Lagerbestandssystem verknüpft.
Der Fokus für das Produkt lag auf den Themen Patientensicherheit, Optimierung von Abläufen und eine nachhaltige Kostensenkung. Das System ist eine Online-Darstellung des aktuellen Lagerbestandes, eine Inventur ist damit einfach mittels „Überstreichen mit dem Scanner“ in wenigen Sekunden möglich. Mithilfe der RFID-Technologie ist eine ständige Rückverfolgbarkeit möglich. Das System ist skalierbar und in eine bestehende Krankenhausinfrastruktur integrierbar. Briolas erläuterte weiter die Bedeutung eines solchen Systems anhand seiner täglichen Arbeit, bei der er Kosten für implantierte Produkte zum Teil manuell und aufwändig ermitteln muss.
Platz 2: Medizintechnik Marktplatz
Florian Bechtel, Gesundheits- und Krankenpfleger der Intensivstation Herzzentrum Freiburg und Student Pflegemanagement, würdigte den Preisträger des zweiten Platzes, die Firma Thalamed mit dem Produkt „Medizintechnikmarkt.de“. Dabei handelt es sich um eine Beschaffungsplattform mit einem großen Sortiment an medizintechnischen Geräten, die dem Einkauf eine wertvolle Unterstützung bei der Beschaffung von Medizintechnik bietet und deren Prozesse wesentlich vereinfacht. Mit wenigen Klicks kann in diesem Tool ein Projekt gestartet und intern gemeinsam mit Kollegen ergänzt und verfeinert werden.
Über die Plattform werden anschließend die passenden Angebote der Lieferanten erstellt. Auch für Ärzte in Praxen bietet es eine wertvolle Unterstützung bei der Beschaffung von Medizingeräten nach dem Motto „nur wer Autofahren kann, ist bei weitem nicht der beste Einkäufer für Autos“. Das Start-up wurde im Jahr 2014 von Sebastian Winkler gegründet und ist als Marketplace für medizintechnische Geräte ähnlich wie Amazon im Consumer Markt geplant.
Platz 1: E-Learning Tool
Gewinner des Hospital Supplier Awards 2018 ist das Unternehmen Universe eMedia mit der e-Learning-Lösung „RapidCourseBuilder“. Das Produkt ist ein e-Learning-Tool für Medizintechnik mit einer großen Datenbank, die rund um die Uhr Online-Trainings bereitstellt, aber auch die Möglichkeit bietet, einfach, schnell und mit wenig Aufwand kostengünstig eigene Schulungsvideos zu erstellen. Mit der Plattform können e-Learnings, e-Geräteeinweisungen, e-Seminare und e-Erklärvideos erstellt werden. Die Werkzeuge, die zur Erstellung benötigt werden, werden mitgeliefert.
Anwender sind Ärzte, Pfleger, Techniker, Medizintechniker und Mitarbeiter in der Verwaltung eines Krankenhauses. Die Komplexität im klinischen Betrieb zu beherrschen, bedarf viel Know How und einer professionellen Kommunikation mit den Ärzten unterschiedlichster Fachdisziplinen. Die gesetzlichen Anforderungen in diesem Bereich sind gestiegen und werden auch noch weiter steigen. Umso wichtiger ist es, sich für die richtigen Bereiche professionelle Hilfe und Unterstützung zu holen. „Rapid Course Builder“ bietet eine wichtige Unterstützung zum Thema „Einweisungsmanagement für Medizingeräte“.
Mit dem e-Learning-Tool können sich die Anwender zu jeder beliebigen Zeit die Einweisungen ansehen und die hauseigene Medizintechnik kann Videos schnell und pragmatisch erstellen. Prozesse und Aufwand für Einweisungen für Medizingeräte können dadurch wesentlich vereinfacht werden. Gleichzeitig wird die Qualität der Einweisungen nachhaltig erhöht, da die Inhalte der Einweisungen immer standardisiert, mit gleichem Inhalt und somit vollständig geschult werden können. Erforderliche Erweiterungen können bei Bedarf aufgenommen und der Standard ergänzt werden.
Vorteil: Einweisungen online wiederholbar
Ein weiterer Vorteil ist, dass mit dem Tool Einweisungen neben den gesetzlichen Vorgaben jederzeit online wiederholt werden können, besonders auch, wenn Anwender eine Zeitlang nicht mehr mit einem Gerät gearbeitet haben. Medical Universe hatte mit dem „RapidCourseBuilder“ mit 636 erreichten Punkten die absolute Spitze in den Kategorien Praxisbezug, Implementierung und Skalierbarkeit erreicht. Der Preis wurde von Ralf Bannwarth, Leiter Einkauf und Medizintechnik der ALB FILS Kliniken überreicht. In seiner Laudatio verwies er auf die enorme Komplexität der Medizintechnik im Krankenhaus, da auf der einen Achse eine große Anzahl an Medizingeräten vorhanden ist, auf der anderen Achse eine ebenso hohe Zahl an Anwender existiert.
Zum Abschluss der Preisverleihung wurde den Organisatoren des Hospital Supplier Award für die professionelle und unkomplizierte Organisation des Verfahrens sowie der Preisverleihung gedankt und ein Ausblick für den Hospital Supplier Award 2019 gegeben.




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