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Reichen die Staatshilfen der Bundesregierung aus?

Mit dem COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz hat der Bund den Krankenhäusern bis zu zehn Milliarden Euro Staatshilfe zugesagt. Doch reichen die versprochenen Staatshilfen aus, um Kliniken durch die Corona-Krise zu bringen?

Rettungsring

AdobeStock/Vasilevich

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Die Häuser stehen vor immensen Mehrkosten, nicht alleine infolge des enormen Verbrauchs an persönlicher Schutzkleidung sowie Desinfektionsmitteln für die Mitarbeiter. Kliniken und Krankenhäuser sind dazu aufgefordert, zusätzliche Intensivplätze zu schaffen. Klinikbetreiber befürchten Verzögerungen infolge des zu erwartenden bürokratischen Mehraufwands in der Dokumentation und Verhandlungen zwischen Kassen und Kliniken. Außerdem müssen die Strukturen, die den Fluss der zugesagten Finanzmittel ermöglichen sollen, erst geschaffen werden. Die Bürokratie droht zum Flaschenhals für die Verteilung der notwendigen Gelder zu werden – das Risiko für Liquiditätsengpässe an den Kliniken nimmt unterdessen weiter zu.

Deckung der Kosten von medizinischen Behandlungseinheiten fraglich

Derzeit ist ein Bonus von 50 000 Euro aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds für jede neu eingerichtete intensivmedizinische Behandlungseinheit mit Beatmungsmöglichkeit geplant. Klinikbetreiber bezweifeln jedoch, dass dieser Betrag ausreichen wird. Nach ihren Berechnungen seien damit allenfalls die Kosten für die notwendigen Beatmungsmaschinen gedeckt. Das umfangreiche zusätzliche Material, wie Schlauchsysteme und Monitore, sowie das zur Verfügung zu stellende Personal findet in dieser Rechnung ihrer Ansicht nach keine ausreichende Berücksichtigung. Geschulte Intensivmediziner und Pflegepersonal sind notwendig, um auch die bestausgestatteten Intensivbetten betreuen zu können. Kliniken reagieren bereits mit selbstausgearbeiteten Crash-Kursen auf die Situation, um aushelfende Mediziner und Pflegekräfte auf den notwendigem Wissenstand zu bringen. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren sehen Krankenhäuser den finanziellen Bedarf pro intensivmedizinische Behandlungseinheit realistisch bei 85 000 Euro.

Kostenexplosion bei Einweg-Produkten

Die Kosten für Schutzkleidung und Ausrüstung sind seit Beginn der Krise enorm gestiegen. Anbieter verlangen für Einmal- bzw. Wegwerfartikel seit Beginn der Krise ein Vielfältiges des Normalpreises – FFP2-Schutzmasken, die ursprünglich Centbeträge kosteten, werden derzeit zum Teil mit bis zu 7 Euro pro Stück gehandelt. Der Maskenmarkt gestaltet sich in zunehmendem Maße undurchsichtig. Es ist damit zu rechnen, dass die Preise für Schutzausrüstung und Medikamente aufgrund der aktuell sehr hohen Nachfrage weiter steigen werden. Kliniken rücken zusammen, und versuchen im Verbund mehrerer Häuser diesem Kostendruck entgegenzuwirken. Im gemeinsamen Vorgehen scheint auch eine Chance für die Zeit nach der Krise zu liegen: um die Krankenhauslandschaft auch in Zukunft aufrechterhalten zu können, sind gemeinschaftliches Handeln und Kooperationen zwischen den Häusern gefragt.

Jetzt ist schnelles Handeln gefordert

Die Politik sieht sich mit der großen Aufgabe konfrontiert, die Liquidität und wirtschaftliche Stabilität der Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehakliniken zu sichern, nicht zuletzt um Gehälter für Ärzte und Pflegepersonal weiterhin zahlen zu können. Denn ohne ausreichendes Personal könnten einige Häuser sehr bald vor dem Aus stehen.

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  • Bundesregierung
  • COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz

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