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Sachkosten sparen

Einkaufsstrategien aus der Industrie auch im Krankenhaus effektiv einsetzen

In der Industrie beschaffen Einkäufer nicht einfach, was die Ingenieure aus Produktion und Entwicklung bestellen. Sie analysieren Produkte, sondieren den Markt und ermutigen Lieferanten, neue Lösungen zu entwickeln. Kliniken können diese sogenannten technischen Hebel nutzen, um Sachkosten zu sparen.

AdobeStock / Jacob Lund

Symbolfoto

Bei der Neubewertung der Fallpauschalen im Krankenhausstrukturgesetz schnitten die Sachkosten schlecht ab – für sie steht jetzt weniger Geld zur Verfügung. Um die Patienten auch mit gekürzten Mitteln bestmöglich zu versorgen und dabei solide zu wirtschaften, lohnt sich für Kliniken ein Blick auf Methoden der Industrie: Dort arbeiten Einkäufer mit sogenannten technischen Hebeln, um optimale Artikel zum besten Preis zu beschaffen. Zusätzlich machen sich Unternehmen gezielt das Innovationspotenzial ihrer Lieferanten zunutze.

Der Krankenhauseinkauf funktioniert dagegen oft anders: Er beschafft, was führende Ärzte und die Pflegeleitungen der Fachbereiche bestellen. Häufig wird dabei auf bewährte Produkte bekannter Hersteller zurückgegriffen. Dieses sicherheitsorientierte Handeln ist nachvollziehbar, da es um Gesundheit und Lebensqualität der Patienten geht. Es kann jedoch zu erhöhten Preisen und zum Einsatz überspezifizierter Produkte führen, die teurer sind als notwendig.

Teure Überspezifikationen vermeiden

Ein Verfahren, mit dem der Krankenhaus-Einkauf strategischer ausgerichtet werden kann, ist die funktionale Spezifikation. Hierbei werden nicht konkrete Produkte angefragt und beschafft, sondern ein Lastenheft mit einer präzisen Aufstellung von Fähigkeiten ausgeschrieben, die die Produkte haben sollen. Zugleich wird festgelegt, bei welchem Krankheitsbild dieses spezifische Produkt eingesetzt werden soll. Dieses Vorgehen vermeidet Überspezifikationen und ermöglicht den direkten Vergleich von Produkten unterschiedlicher Hersteller, weil die Erfüllung eines konkreten Bedarfs im Mittelpunkt steht.

Um diese Strategie einzuführen, müssen Ärzte und Pfleger eng mit dem Einkauf zusammenarbeiten und ihm sehr präzise erläutern, welche Fähigkeiten die von ihnen verwendeten Produkte haben müssen.Wie die funktionale Spezifikation im Krankenhaus realisiert werden kann, lässt sich am Beispiel von Herzschrittmachern verdeutlichen. Herzkranke Patienten erhalten häufig Aggregate mit Funktionen, die für ihr konkretes Krankheitsbild nicht benötigt werden. Doch auch die nicht benötigten Funktionen sind im Anschaffungspreis enthalten und werden mitbezahlt.

Folglich ist der Sachkostenanteil bei der Behandlung des Patienten höher als er sein müsste. Im schlechtesten Fall zahlt ein Krankenhaus für einen Patienten mehr, als es durch die Vergütung per Fallpauschale erhält. Durch die Verwendung eines Schrittmachers mit weniger Funktionen – der entsprechend kostengünstiger ist – könnte dieser Negativsaldo vermieden werden.

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