Abrupter WechselMerck-Chefin Garijo übernimmt Sanofi-Chefposten von Hudson

Nach Rückschlägen bei Medikamentenstudien überrascht der Pharmakonzern Sanofi mit einem Führungswechsel: Chef Paul Hudson muss noch im Februar gehen. Sein Posten geht an die scheidende Merck-Chefin Belén Garijo. Ab April übernimmt sie das Ruder.

Sanofi
Martin Joppen/Sanofi
Sanofi Industriepark in Höchst/Frankfurt am Main.

Belén Garijos Zeit als Chefin bei Merck endet, aber sie hat bereits einen neuen Spitzenjob beim französischen Pharmariesen Sanofi in Aussicht: Der Verwaltungsrat hat entschieden, den Vertrag von Sanofi-Chef Paul Hudson nicht zu verlängern. Das teilte das Unternehmen am 11. Februar 2026 überraschend mit. Hudson soll nach sechsjähriger Amtszeit bereits am 17. Februar ausscheiden. Garijo werde ihren neuen Posten nach der Hauptversammlung am 29. April übernehmen, hieß es. In der Übergangsphase werde das Geschäftsleitungsmitglied Olivier Charmeil die Geschicke bei Sanofi leiten. 

Zweigeteiltes Resümee

Hudson war im September 2019 vom Schweizer Pharmakonzern Novartis zu Sanofi gewechselt. Unter ihm gelang dem Konzern der Weg zunächst aus seiner damaligen Krise im Insulingeschäft. Da das Unternehmen zunehmend von Anbietern modernerer Insulinprodukte überholt wurde, fokussierte Hudson die Ausrichtung auf Immunkrankheiten, Impfstoffe und innovative Therapien. Im vergangenen Jahr verkaufte Sanofi zudem sein Konsumentengeschäft Opella, womit sich die Franzosen nur noch auf verschreibungspflichtige Arzneien konzentrieren.

Doch zuletzt stand Hudson unter Druck. Für den milliardenschweren Kassenschlager Dupixent, der unter anderem bei Asthma und Neurodermitis angewendet wird, werden wegen des bevorstehenden Patentablaufs Umsatzeinbußen befürchtet. Die Suche nach möglichen neuen Umsatzbringern und Hudsons ambitionierte Pläne, mehr neue Medikamente auf den Markt zu bringen, waren bislang aber nur bedingt von Erfolg gekrönt. Mehrere wichtige Medikamentenstudien scheiterten ausgerechnet in der letzten und entscheidenden Phase oder brachten durchwachsene Ergebnisse.

Überraschender Wechsel

Analysten zeigten sich von dem Personalwechsel überrascht. Nach den Forschungsrückschlägen sorge die plötzliche Veränderung eher noch für mehr Verunsicherung, konstatierte etwa Graham Parry von der Citigroup. Er hob zwar Garijos lange Erfahrung in der Pharmaindustrie hervor, hätte aber eher mit einem Kandidaten aus einem großen forschenden Pharmaunternehmen gerechnet. Nun bleibe abzuwarten, welche Maßnahmen die neue Chefin ergreifen werde.

Michael Leuchten von Jefferies schrieb, Garijo habe bei Merck zwar nicht das Profil einer Top-Pharmamanagerin erreicht, er hielt ihr aber zugute, dass sie in Darmstadt immerhin ein alterndes Medikamentenportfolio gut gemanagt habe. An der Börse geriet die Sanofi-Aktie nach der Ankündigung unter Druck und verlor zuletzt fast sechs Prozent.

Sie ist eine anerkannte Führungskraft in unserer Branche mit einem unbestrittenen Ruf.

Sanofi-Verwaltungsratschef Frédéric Oudéa lobte die Expertise von Garijo: „Sie ist eine anerkannte Führungskraft in unserer Branche mit einem unbestrittenen Ruf. Sie kennt die Sanofi-Gruppe sehr gut, wo sie 15 Jahre lang wichtige Positionen innehatte und viele Erfolge erzielt hat.“ Garijo wechselte 2021 von Sanofi an die Konzernspitze von Merck. 

Dort lenkte die studierte Medizinerin Merck durch die Corona-Pandemie. Zudem managte sie Zukäufe, wie zuletzt die Übernahme des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics. Neben Sanofi gehörte auch der Arzneimittelkonzern Abbott zu Garijos beruflichen Stationen, wo sie mehrere Jahre in der Forschung arbeitete.

Die Staffelübergabe bei Merck stand schon seit Längerem fest: Den bisherigen Ankündigungen zufolge soll der amtierende Leiter der Elektroniksparte, Kai Beckmann, Garijo zum 1. Mai an der Konzernspitze ablösen. Den Wechsel hatte das Darmstädter Unternehmen im vergangenen September verkündet.

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