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Klinik Einkauf

BetriebsorganisationLogistik und Masterplanung für den Bau

Beim Krankenhausneu- und -umbau müssen die strategischen Rahmenparameter der Logistik innerhalb der Masterplanung entwickelt werden. Insbesondere das Zusammenspiel mit der Betriebsorganisation ist wichtig, um eine anforderungsgerechte Objektplanung zu forcieren.

Bagger
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Symbolfoto

Der langfristige wirtschaftliche Betrieb eines Neubauprojektes ist bei den hohen Investitionskosten in einem Krankenhausneubau elementar und wird von den späteren Betriebskosten wesentlich beeinflusst. Somit ist es unabdingbar, die zukünftigen Betriebsabläufe bereits früh- zeitig in einem Neubauplanungsprozess zu berücksichtigen. Bei den krankenhausinternen Betriebsabläufen können die logistischen sowie die medizinischen Betriebsorganisationskonzepte unterschieden werden.

Bestandteil des logistischen Betriebsorganisationskonzeptes ist die Planung, Gestaltung, Steuerung und Kontrolle der Material-, Personen- und Informationsflüsse in vor- oder nachgelagerten Prozessen innerhalb eines Krankenhauses. Somit hat die Krankenhauslogistik die Aufgabe, die medizinische Leistungserbringung zu unterstützen, indem die Personen- (Patient, Pflege, Ärzte, Service, Besucher etc.) und Materialströme (Lager, Apotheke, Speisen, Sterilgut, Geräte, Wäsche, Abfälle, Proben, Dokumente etc.) bedarfsgerecht zur richtigen Zeit ver- und entsorgt und dabei die hygienischen sowie medizinischen Anforderungen berücksichtigt werden, um eine optimale Patientenpflege zu gewährleisten.

Frühzeitige Logistikplanung

Die logistischen Betriebsabläufe beeinflussen maßgeblichen die Betriebskosten, welche wiederum durch die geplanten Raum- und Strukturkonzepte in ihrer Leistungsfähigkeit festgelegt werden. Nicht selten beeinträchtigen zu kleine Logistikflächen und unnötig lange Wege den Gesamtbetrieb und verhindern, dass die gewünschten Leistungssteigerungen und Betriebskostenreduktionen in dem Neubau erzielt werden. Nachträgliche bauliche Anpassungen im laufenden Betrieb sind zeit- und kostenintensiv oder zum Teil aus baulicher und ökonomischer Sicht nur erschwert durchführbar. Durch eine frühzeitige Logistikplanung innerhalb des Bauprozesses kann dies vermieden werden. Neben dem medizinischen Betriebskonzept muss daher auch ein logistisches Betriebskonzept entwickelt wer- den, welches die Schnittstelle zwischen den geplanten Prozessen (medizinische/ pflegerische und logistische), der eingesetzten Technik und den zur Verfügung stehenden Flächen gestaltet, sodass die geplanten Raum- und Strukturkonzepte auch optimal genutzt werden können.

Um das Ziel der Effizienzsteigerung bei gleichzeitig reduzierten Betriebskosten zu erreichen, muss ein Neubauprojekt ganzheitlich und auf die kommenden Rahmenparameter ausgerichtet werden. Hierbei bildet die zukünftige strategische Ausrichtung des Krankenhauses die Basis, welche in einem Masterplan beschrieben wird.

Der Masterplan

Für einen Zeitraum von ca. fünf bis zwanzig Jahren werden die strategischen Ziele in der strukturellen Entwicklung des Krankenhauses für die einzelnen Perspektiven (Medizin, Logistik, Nachhaltigkeit, IT und Technik) festgelegt und in einem Masterplan zusammengeführt. Dies bedeutet, dass neben der Logistikstrategie eben- falls die Medizin-, Digitalisierungs- und Technik- sowie Nachhaltigkeitsstrategie definiert werden. Durch die Betrachtung dieser Perspektiven wird die langfristige Ausrichtung verschiedener Nutzergruppen definiert und die zukünftige strategische Entwicklung festgehalten. Der Masterplan bildet die Basis für die Planung eines Neubaus.

Die einzelnen Perspektiven des Masterplans werden nicht separat, sondern in einem Zusammenspiel miteinander erarbeitet. Beispielhaft für die Logistikstrategie, in welcher ein Fokus auf der Entwicklung strategischer Konzepte zur Optimierung von Arbeitsabläufen und Strukturen in den Supportprozessen z.B. der Materialversorgung liegt, werden Schnittstellen zu den weiteren Perspektiven aufgezeigt, welche in dem Gesamt-Masterplan Berücksichtigung finden. Die Medizinstrategie gibt u.a. die planbaren Patientenflüsse und die Primärprozesse der Patientenversorgung vor. Auf Basis dieser prognostizierten Patienten- und Materialflüssen können wiederum strategische Entscheidungen zu Logistikprozessen und der verkehrlichen sowie logistischen Erschließung abgeleitet werden. Gleichzeitig wirkt sich auch die Nachhaltigkeitsstrategie zur Ressourcenschonung sowie die Digitalisierungsstrategie z.B. in Form von Leitstandssoftware, Smart Devices oder einem Track-and-trace auf die zukünftigen Logistikkonzepte aus.

Das ganzheitliche planerische Zusammenspiel aus Medizin-, Digitalisierungs-, Nachhaltigkeits- und Logistikstrategie bildet die Basis für die Planung effizienter Betriebsabläufe im Neubau und bestimmt das zukünftige architektonische Gesamtbild mit.

Beispiele der Logistikstrategie

Sowohl die logistische Erschließung als auch die eingesetzte Technik stellen zentrale Fragestellungen für die zukünftige Ausrichtung eines Krankenhauses dar. In der Festlegung der Logistikstrategie werden u.a. Fragestellungen zur grundsätzlichen Transporttechnik für den Materialtransport und den damit einhergehenden Kosten erarbeitet. Mögliche Optionen sind z.B. der Einsatz einer AWT-Anlage (AWT: Automatischer Warentransport), die Nutzung eines Schleppers oder eines LKW. Innerhalb des Masterplans werden aber auch weitere Optionen der logistischen Erschließung, z.B. ob der Materialtransport straßengebunden oder über einen Tunnel im Krankenhausgelände transportiert werden soll, betrachtet.

In einem Beispielkrankenhaus wurde im Rahmen der Logistikstrategie untersucht, ab wann sich ein Wechsel von E-Lok zu FTS betriebswirtschaftlich lohnt. Hintergrund dieser Betrachtung war, dass in dem Beispielkrankenhaus derzeit bereits E-Loks im Einsatz sind und im Rahmen des Masterplans definiert werden soll, ob langfristig auch weitere Gebäudeteile an das bestehende Tunnelsystem angeschlossen werden sollen und ob sich dann auch ein Technikwechsel betriebswirtschaftlich darstellt. Wie in der Abb. 4 zu erkennen, ist die betriebswirtschaftliche Analyse jeweils von verschiedenen Faktoren abhängig (z.B. Anzahl Transportwagen bei E-Lok, Anzahl zu transportierender Wagen, Personalkosten, Streckenlänge etc.). Somit müssen bei der Erstellung der Logistikstrategie jeweils die krankenausindividuellen Rahmenparameter berücksichtigt werden.

Neben der monetären Bewertung zur Auslegung der Logistikstrategie ist ein weiterer Aspekt der logistischen Masterplanung die grundlegende Konzeptionierung der Prozesse und somit die Ableitung der damit einhergehenden Flächenanforderungen. In Abhängigkeit z.B. der Transporttechnik ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Prozesse und somit auch an die Flächenbedarfe. Dies ist jeweils in Abhängigkeit der Logistikstrategie für die krankenhausindividuellen Rahmenparameter festzuhalten, damit dies in den weiteren Planungen Berücksichtigung findet.

Im Rahmen des Masterplan Logistik kann die generelle funktionelle logistische Struktur des Krankenhauses definiert werden. Sie bildet die Entscheidungsbasis für zukünftige Strategien und Logistikkonzepte sowie die Basis für die weiteren Planungen.

Fazit

Die ganzheitliche Planung eines Masterplans (Medizin, Logistik, Nachhaltigkeit, IT und Technik) bildet die Basis für effiziente Betriebsabläufe im Neubau und bestimmt das zukünftige architektonische Gesamtbild. Im Rahmen des Masterplans Logistik kann die generelle funktionelle logistische Struktur des Krankenhauses definiert werden. Denn durch die Festlegung der strategischen Ausrichtung werden die Prozesse sowie die eingesetzte Technik und somit auch die letztlich hierfür benötigten Flächen bestimmt. Der Masterplan schafft folglich eine richtungsweisende Grobplanung, anhand dessen in der späteren Konkretisierung eine Feinplanung (logistisches Betriebskonzept) durchgeführt werden kann. Diese Strategieausrichtung etabliert die Entscheidungsbasis für zukünftige Strategien und ermöglicht einen wirtschaftlichen Betrieb des Krankenhauses.

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