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Vernetzung im Klinikeinkauf macht aus weniger mehr

Das Thema der Zukunft heißt Vernetzung. Der Klinikeinkauf intensiviert hierfür die Zusammenarbeit mit der Industrie und auch in der Logistik bewegen wir uns in Richtung potenter Netzwerke für Kliniken. Die fortschreitende Digitalisierung sorgt für immer neue Impulse.

Adelheid Jakobs-Schäfer

Sana

Adelheid Jakobs-Schäfer ist Generalbevollmächtigte Einkauf und Logistik der Sana Kliniken AG, Ismaning, und Geschäftsführerin der Sana Klinik Einkauf GmbH.

Die Schlagzeilen sind beunruhigend: Investitionslücken in Milliardenhöhe; großer Nachholbedarf bei der digitalen Transformation; der (Pflege-) Fachkräftemangel wird zur existenziellen Bedrohung. Da klingt es schon fast verwunderlich, dass in unseren fast 2 000 Kliniken jährlich rund 19 Millionen Patienten Zugang zu guten medizinischen Leistungen im weltweiten Vergleich haben. So soll es auch bleiben. Eine ganze Reihe von Reformen und Gesetzesvorhaben sollen dazu beitragen, darunter das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) und das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV).

Weitere Novellierungen zur Notfallversorgung sind angedacht, ebenso die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) und das Gesetz zur Stärkung des Pflegepersonals (Pflegepersonal-Stärkungsgesetz – PpSG), um nur einige zu nennen. Ob die Devise ‚viel hilft viel‘ hier zutreffen wird, bleibt die Frage.

Neue Gesetzesvorhaben in schneller Folge

Und unsere Geschäftspartner der Industrie? Für sie ist zum Beispiel die europäische Medical Device Regulation (MDR) eine neue Hürde beim Inverkehrbringen von Medizinprodukten in den EU-Markt. Gleichzeitig geht die Zahl der benannten Stellen, die CE-Zertifikate für Medizinprodukte vergeben, rapide zurück. Die Folgen sind Engpässe bei der Zertifizierung. Unternehmen ziehen sich aus dem Markt zurück oder lassen etablierte Produkte auslaufen.

Gibt es bei den Anforderungen an den Klinikeinkauf ebenfalls Änderungen? Auf den ersten Blick nicht: Das InEK wertet jährlich weiter Sachkosten ab und die unendliche Geschichte der Standardisierung geht weiter. Lieferausfälle beschäftigen uns, notwendige Produktsubstitutionen, Stammdatenprobleme. Viele Läger sind nicht mehr zeitgemäß organisiert. Noch immer kann es vorkommen, dass kurz vor einer OP fieberhaft nach der richtigen Endoprothese gesucht wird.

Der zweite Blick zeigt: Es tut sich etwas in der Krankenhausversorgung – und zwar ausgehend von den Akteuren. So haben drei Einkaufsgemeinschaften ein gemeinsames Stammdatenportal geschaffen, um eine einheitlich hohe Datenqualität für das eProcurement bereit zu stellen.

Klinikeinkauf investiert in Netzwerke

Der Klinikeinkauf intensiviert die Zusammenarbeit mit der Industrie, um produktive Netzwerke zu entwickeln. Auch die Produkt-Kontinuität bringt bei der Standardisierung mehr Stabilität und so ein besseres Ergebnis. Der Trend lautet also eher nicht ‚viel hilft viel‘, sondern ‚weniger Produkte – aber dafür die richtigen – bringen Wirtschaftlichkeit‘. Dabei gewinnt das Controlling mit Benchmarks und immer valideren Vergleichen an Bedeutung. In der Logistik bewegen wir uns von einer kleinzelligen Versorgung hin zu regionalen, modularen Netzwerken für Kliniken. Die fortschreitende Digitalisierung ist dabei eine erfolgskritische Prämisse.

Genau in diese Richtung muss es weitergehen – ohne dramatische Schlagzeilen: Gemeinsam und vernetzt aus weniger mehr machen. Das wird die große Kunst sein, um die steigenden Qualitätsanforderungen an die Krankenhausversorgung zu erfüllen.

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  • Klinikeinkauf
  • Vernetzung
  • Digitalisierung

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