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Wertschöpfungsorientierter Einkauf

Qualitätssteigerung soll kostenorientiert stattfinden

Spätestens seitdem die Bundesregierung das IQTiG (Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen) gegründet hat, wissen Krankenhäuser, dass die Behandlungsqualität kontinuierlich zu steigern ist, natürlich ohne dabei die Kosten aus dem Blick zu verlieren. Welchen Beitrag kann der Krankenhaus-Einkauf dazu leisten?

Klinikeinkauf

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Symbolbild

In den ersten Jahren nach der Einführung des DRG-Systems konnten Krankenhäuser ihre finanzielle Lage mit simplen betriebswirtschaftlichen Basisrezepten stabilisieren: Spezialisieren, Fallzahlen steigern, Kapazitätsauslastung erhöhen, Kostensteigerungen vermeiden. Derzeit dreht sich aber der Wind: Die Regierung lässt Konzepte erarbeiten, wie Krankenhäuser für gute Qualität finanziell belohnt werden können. Schlechtere Qualität kann dazu führen, dass Leistungen nicht mehr angeboten oder abgerechnet werden dürfen.

Mindestmengenvorschriften und Zentrenbildung

Mindestmengenvorschriften und Zentrenbildung sind weitere Stichworte, die belegen, dass nur ein konsequentes Qualitätsstreben die betriebswirtschaftliche Zukunft von Krankenhäusern sichert.Eine ähnliche Diskussion gibt es natürlich auch in anderen Ländern. Schon im Jahr 2000 hat eine berühmte Studie mit dem Titel „To err is human“ in den USA eine breite Welle von Qualitäts- und Risikomanagement-Aktivitäten ausgelöst. International wird heute von Value Based Healthcare (VBHC) gesprochen.

Dieser Oberbegriff entspringt der so genannten Value Agenda der Harvard Business School (Schlüsselautor Michael Porter). Darin wird das Ziel verfolgt, patientenrelevante Outcomes konsequent in den Mittelpunkt aller Krankenhaus-Aktivitäten zu stellen, und auch die Vergütung daran auszurichten. Erreicht werden soll dies u. a. durch einen Mix aus Integration verschiedener Fachdisziplinen, Wachstum durch Spezialisierung und Konzentration von Leistungen.

Auch wenn dieses Konzept insgesamt zu komplex ist, um es schnell umzusetzen, gibt es doch in fast allen hochentwickelten Gesundheitssystemen eine breite Diskussion, in welchen Schritten eine praktische Einführung möglich ist.

Qualität und Kosten sind nicht immer ein Gegensatz

Für den Einkauf ist es ganz wichtig, sich aktiv an dieser Diskussion zu beteiligen und einen eigenen Beitrag in Richtung Value (Wertschöpfung) zu erbringen. Natürlich hat sich der Krankenhaus-Einkauf schon immer im Spannungsfeld von Qualität und Kosten bewegt („der Ferrari ist halt teurer als der Fiat“). Mit der neuen Qualitätsoffensive muss sich der Einkauf aber auf ein neues Level begeben. Die wissenschaftliche Literatur hat vor kurzem begonnen, diese Herausforderung unter dem Stichwort „Value Based Procurement“ (wertschöpfungsorientierter Einkauf) zu diskutieren.

Auch in der Praxis ist das Thema längst angekommen. Vor einiger Zeit hat das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen Krankenkassen gerügt, weil sie bei Ausschreibungen für Inkontinenzprodukte zu einseitig auf den Produktpreis abgestellt haben. Dies kann auf zweierlei Weise zu komplett falschen Entscheidungen führen. Zum einen ist es durch die Sozialgesetzgebung nicht gedeckt, minderwertige Produkte und damit schlechte Versorgungsqualität zu dulden. Zum anderen geht es ja nicht um die Kosten pro Produkteinheit, sondern um die Kosten pro versorgtem Patienten.

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