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1. Quartal 2022Gewinneinbruch bei Fresenius Medical Care um 40 Prozent

Fresenius Medical Care verzeichnet im 1. Quartal 2022 einen Gewinneinbruch von 40 Prozent auf 157 Millionen Euro. Besonders belasten den Konzern höhere Personalkosten und stark gestiegene Material- und Logistikkosten.

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Ein erneuter Gewinneinbruch bei der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) und höhere Kosten auch infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine machen dem Medizin- und Krankenhauskonzern Fresenius zu schaffen. Die anhaltende Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, Engpässe in den Lieferketten und vor allem die teils erheblichen Kostensteigerungen hätten das erste Quartal belastet", sagte Konzernchef Stephan Sturm.

FMC wird weiter durch deutlich höhere Personalkosten aufgrund der Pandemie belastet. Daneben muss das Unternehmen im Geschäft mit eigenen Produkten stark gestiegene Material- und Logistikkosten schultern. Der Krieg in der Ukraine habe zusätzlich belastet, hieß es weiter. Auch sei die Übersterblichkeit der Dialysepatienten im Laufe des vergangenen Quartals zwar rückläufig gewesen, jedoch höher ausgefallen als gedacht. Der Gewinn brach somit um fast 40 Prozent auf 157 Millionen Euro ein (2021: 249 Millionen Euro), während der Umsatz um acht Prozent auf knapp 4,55 Milliarden Euro kletterte. Der Umsatz mit Gesundheitsprodukten erhöhte sich um 6 Prozent auf 941 Millionen Euro. Das währungsbereinigte Wachstum ist vor allem zurückzuführen auf höhere Umsätze mit Einmalprodukten für den Einsatz in Dialysezentren sowie mit Dialysemedikamenten. Dies wurde teilweise durch geringere Umsätze mit Dialysegeräten für die Behandlung chronischer Erkrankungen ausgeglichen.

Fresenius-Aktien haben über die Hälfte an Wert verloren

FMC-Aktien fanden sich denn auch mit einem Abschlag von fast vier Prozent nahezu am Dax-Ende wieder. Laut Analyst David Adlington von der US-Großbank JPMorgan schnitt der Dialyseanbieter im Rahmen der Erwartungen ab. Allerdings ließe sich die Qualität der Ergebnisse womöglich infrage stellen, da unter anderem Gewinne aus dem Verkauf von Kliniken enthalten seien.

Mutter Fresenius und Tochter FMC haben in den vergangenen Jahren enorm an Vertrauen an der Börse verloren. Mehrere Gewinnwarnungen verschreckten Investoren. Zudem belastete die Pandemie das Geschäft in Kliniken, wo nicht zwingende medizinische Eingriffe oft verschoben wurden. Zugleich sterben weiter viele Dialysepatienten bei FMC an Corona, und die Kosten etwa für Hygienemaßnahmen stiegen stark. Auf Sicht von fünf Jahren haben Fresenius-Aktien über die Hälfte an Wert verloren.

Verkauf von FMC nicht ausgeschlossen

Angesichts der Belastungen durch die Pandemie hatten beide Unternehmen bereits 2021 jeweils eigene Sparprogramme auf den Weg gebracht. Fresenius und FMC bekräftigten ihre Ziele, die Umsatz- und Ergebnisverbesserungen für 2022 vorsehen. Fresenius-Chef Sturm ist angesichts des Drucks auf den Konzern inzwischen auch bereit, für mögliche Großübernahmen insbesondere bei der Kliniktochter Helios und der Dienstleistungssparte Vamed externe Investoren ins Boot zu holen. Zugleich schloss er Schritte wie einen Verkauf von FMC nicht aus. Ebenso denkbar seien Börsengänge der Kliniksparte Helios und der Projekttochter Vamed. Schon 2021 hatte Sturm eine Überprüfung der Konzernstruktur ins Spiel gebracht, um den Aktienkurs zu erhöhen.

Darüber hinaus peilt Fresenius bis 2023 jährliche Einsparungen von mindestens 150 Millionen Euro an und hat bei FMC den Abbau von weltweit 5000 Jobs angekündigt. Im Zuge dessen sollen in den kommenden Jahren auch 500 bis 750 Stellen in Deutschland wegfallen. Eine Einigung mit Arbeitnehmervertretern steht noch aus.

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