
Schlechte Nachrichten aus der deutschen Medizintechnik: Überdurchschnittlich stark schrumpften die Gewinne hierzulande in den letzten zwei Jahren. Auch wenn die Margen weltweit sinken, trifft es die in Deutschland ansässigen Unternehmen um einiges härter. Das geht aus der Global MedTech Studie 2023 von Roland Berger hervor, in der über 100 der weltweit führenden börsennotierten Unternehmen betrachtet wurden.
Gewinneinbußen in Deutschland besonders heftig
Während nordamerikanische Unternehmen ihren Rentabilitätsvorsprung konstant halten, schmolz das EBITDA von Unternehmen mit Sitz in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2023 auf nur noch 14 Prozent des Umsatzes ein. Das kommt einem Rückgang um drei Prozent zum Vorjahreszeitraum gleich. Damit unterbieten sie ihre nordamerikanischen Wettbewerber um 8 Prozent.
Zwar haben die Unternehmen versucht, die höheren Produktionskosten an die Kunden weiterzugeben, doch sei dies nur partiell gelungen, so Thilo Kaltenbach, Partner von Roland Berger. Insgesamt steigt der Umsatz der globalen MedTech-Branche nach wie vor im Schnitt um etwa acht Prozent pro Jahr.
Der Umsatz der globalen MedTech-Branche steigt zwar nach wie vor im Schnitt um etwa acht Prozent pro Jahr, doch in jüngerer Vergangenheit sind die Kosten überdurchschnittlich gestiegen.
Sektoren und Regionen unterschiedlich betroffen
Wie stark die mittlere Gewinnspanne zurückging, hing sowohl von der jeweiligen Region als auch dem Sektor ab. Am härtesten traf es die Hersteller von Einwegmaterial (12 Prozent). Labor- und Diagnostiklösungen hingegen zählten im ersten Halbjahr 2023 zum profitabelsten Teil der Branche (26 Prozent). Sie verloren einen Prozentpunkt gegenüber dem zweiten Halbjahr 2022 und fünf Punkte gegenüber dem coronabedingten Höchststand von 2021.
Auch chirurgische Instrumente (22 Prozent) und medizinische Hilfsmittel (18 Prozent) mussten nicht ganz so starke Rentabilitätseinbußen hinnehmen. Sie pendelten sich wieder etwa auf das Vor-Pandemie-Niveau ein. Die niedrigsten Gewinnspannen verzeichneten mit 12 Prozent nach wie vor die Segmente Dienstleistungen und Verbrauchsmaterialien: Ihnen machen vornehmlich die inflationsbedingten Lohnerhöhungen und eine begrenzte Produktdifferenzierung zu schaffen. Nichtsdestotrotz stabilisierten beide als einzige ihre Margen im ersten Halbjahr 2023. „Hier wirken Programme zur Leistungsverbesserung, die beispielsweise zu mehr Automatisierung und einer Verringerung des Personalbestands geführt haben“, Marco Bühren, Principal bei Roland Berger.
Mit Blick auf die Regionen zeigt sich, dass der Anteil der Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Leistung in Deutschland größer war als in Resteuropa, Nordamerika oder dem asiatisch-pazifischen Raum. In den USA und Kanada gingen die durchschnittlichen Margen von Mitte 2022 bis Mitte 2023 von 25 auf 22 Prozent zurück. Das EBITDA europäischer MedTech-Unternehmen hingegen sank von 20 auf nur noch 17 Prozent des Umsatzes; in Deutschland von 17 auf 14 Prozent.
Hebel für Rentabilitätssteigerung
Die Global Med-Tech Studie mach vier Merkmale aus, in denen sich die Branchen-Spitzenreiter gleichen. Wettbewerbsvorteile haben jene, die …
- über eine herausragende unternehmerische Führung verfügen
- eine kohärente Strategie verfolgen
- eine hohe Umsetzungskompetenz ihr Eigen nennen
- und eine angemessene Größe und Finanzlage haben.
Die Analysten von Roland Berger empfehlen MedTech-Unternehmen, die ihre wirtschaftliche Lage verbessern wollen, darüber hinaus die Investitionen in Robotics und Digitalisierung in profitable Geschäftsmodelle zu übersetzen und eine gute Umwelt-, Sozial- und Governance-Strategie (ESG) aufzusetzen.




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