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Coronavirus

Bedroht ein Virus die Versorgungssicherheit im Krankenhaus?

Durch die Ausbreitung des Coronavirus gerät der Klinik-Einkauf derzeit zum Balanceakt zwischen Versorgungssicherheit und gestiegenen Einkauspreisen auf Grund von Lieferengpässen. Wie soll der Einkäufer handeln?

Rüdiger Müller ist seit September 2012 selbstständiger Unternehmensberater im Bereich Sachkostenreduktion und Prozessoptimierung in Kliniken und Pflegeheimen. Zuvor war er von 2005-2012 ehrenamtlich Bundesvorsitzender des Fachverbandes für Einkäufer, Materialwirtschaftler und Logistiker im Krankenhaus e.V. und Leiter Strategischer Zentraleinkauf der regiomed-Kliniken GmbH Coburg / MEDINOS Kliniken des Landkreise Sonneberg GmbH.

Der Corona-Virus beherrscht die Nachrichtenlage in Deutschland. Atemmasken, Desinfektionsmittel und Hygieneartikel werden vom Konsumenten nachgefragt, als gäbe es kein Morgen mehr. Das macht auch vor der dem Gesundheitswesen nicht halt. Artikel, die normalerweise unter der Rubrik „haben wir genug, bekommen wir immer“ werden zu Luxusartikeln, nicht nur in der Notwendigkeit der Versorgung, sondern, auch und vor allem hinsichtlich der Preise.

Warum bestellen wir eigentlich nicht mehr?

Dass bestimmte Produkte immer wieder mal schwieriger zu bekommen sind, ist in den letzten Jahren nichts Neues, aber nach Ausbruch des Corona-Virus in China trifft die deutschen Kliniken das Problem mit voller Wucht. Aber (wie) kann man sich als Klinik-Einkäufer auf so etwas was vorbereiten. Der enorme Sachkostendruck führt nicht zuletzt dazu, dass der Lagerbestand doch immer mehr nach unten gefahren werden muss, mit Logistikern und Dienstleistern zusammengearbeitet wird oder das Lager gänzlich aus der Klinik verschwindet. Die damit veränderten Versorgungskreisläufe stoßen bei dem Anwender auf wenig Gegenliebe, den jeder Arzt, jede Pflegekraft erwartet (berechtigterweise), dass sein Handwerkszeig in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung steht. Also dann bitte Lager bis unter die Decke voll machen oder mit externen Dienstleistern Abnahmemenge vereinbaren, dass auch die nächsten potentiellen Epidemien versorgungstechnisch überstanden werden können.

Warum bestellen wir eigentlich so viel?

Aber irgendwann ist (hoffentlich) jede Versorgungslücke gestopft und das Corona-Virus lässt wieder eine normale Arbeitsweise für den Klinik-Einkauf zu. Doch halt, nach dem Virus ist vor der nächsten betriebswirtschaftlichen Auswertung und siehe da, plötzlich tauchen die Fragen auf: warum ist denn der Lagerbestand so hoch, was, wir haben so viel für eine einfache Maske bezahlt?? Dass der Preis eines Produktes sich auch durch Angebot und Nachfrage bestimmt, ist nicht nur bei den Kliniken so. Aber was ist eigentlich mit den Einkaufsgemeinschaften und deren gelisteten Lieferanten, (wie) kann hier die Versorgungssicherheit sichergestellt werden und vor allem zu den fixierten Preisen. Aber nun schlägt die Stunde der Lieferanten, die (woher auch immer) liefern können. Friss oder stirb, jetzt bestimmt nur einer den Preis und das ist der Lieferant, der genau weiß, dass er seine Waren los werden wird, zu (fast) jedem Preis. Kaufen muss die Klinik irgendeine Ware, egal woher, koste es, was es wolle. Nach dem Virus kommt also der Einkäufer also fast dann zwangsläufig in die wieder (übliche) Erklärungsnot: zu viel zu teuer gekauft, Lagerbestände zu hoch und so dramatisch war das ja mit dem Virus auch nicht.

Es ist schwer Alles richtig zu machen, aber leicht Alles falsch zu machen.

Also, was ist denn eigentlich falsch, was ist richtig? Wie soll oder muss der Klinik-Einkauf handeln. Solange das Lager voll ist, meine Bestandlieferanten (mit denen ich hoffentlich eine vertrauensvolle und harmonische Geschäftsbeziehung lebe) zu einigermaßen vernünftigen Preisen liefern können, ist Alles in Ordnung. Aber falls nicht mehr, was dann?

Kaufe ich zu horrenden Preisen Artikel in maximaler Menge ein, mit dem Risiko, dass ich nicht weiß, ob diese Menge in welcher Zeit überhaupt benötigt wird. Oder kaufe ich viel zu wenig ein, weil der Bedarf viel höher ist als ursprünglich vermutet?

Der Klinik-Einkauf sitzt also im Spagat zwischen Versorgungsicherheit für Arzt und Pflege, um die Patienten sicher und optimal zu versorgen und dem Szenario, bei dem jedem Einkäufer das Herz blutet: Produkte völlig überteuert zu kaufen.

Je nachdem, wie sich die Versorgungssicherheit (auch bei anderen Produkten) im Zeichen des Corona-Virus weiterentwickelt, gilt für den Einkäufer der alte Spruch: „Jedem Recht getan, ist eine Kunst die niemand kann“

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