Georg Thieme Verlag KG
Klinik Einkauf

Nachhaltigkeit im KrankenhausKleine Sustainability-Hebel mit großer Wirkung

Wer seinen Einkauf resilienter aufstellen will, muss bereits heute seine Prozesse transformieren und auf einen nachhaltigeren Produkt-Mix setzen. Doch können sich Kliniken bei steigendem Kostendruck und explodierender Inflation Nachhaltigkeit überhaupt leisten?

Katja Roth
Privat

Katja Roth arbeitet als Consultant bei KHB GmbH. In ihrer Tätigkeit berät sie Krankenhäuser zur Kosten- und Prozessoptimierung.

Großes Ziel = große Investitionen?

Neue Fassadendämmung, ökologische Energiegewinnung oder reduzierter Energieverbrauch …Das Thema Energie wird in vielen Artikeln und Gesprächsrunden als DER Bulletpoint für den Weg zum Green Hospital genannt. Natürlich birgt der Bereich der Energieoptimierung einen großen Hebel, jedoch kann auch mit kleinen Maßnahmen z. B. in der Anpassung des Materialverbrauchs und der Materialbeschaffung viel erreicht werden.

Die Basis schaffen

Es gibt viele Möglichkeiten, klinische Beschaffungsprozesse ökologischer zu gestalten. Begonnen bei dem Klassiker Papier. Es ist ein Leichtes, im E-Mail-Verkehr darauf hinzuweisen, ob ein Ausdruck wirklich nötig ist. Wieso aber nur Mails? Lassen Sie sich Ihre Rechnungen endlich auch ausschließlich per Mail senden, setzen Sie auf digitale Lieferscheine. Und ich gehe noch weiter. Müssen Arbeitspläne wirklich ausgedruckt werden? Besonders in Gesundheitseinrichtungen wird noch viel mit Papier gearbeitet. Dabei profitiert von einem reduzierten Papierverbrauch auch die Unternehmenskasse.

Nächster Punkt: kurze Transportwege. Achten Sie schon darauf, woher die Produkte kommen, die Sie bestellen? Könnte nicht auch auf Produkte aus Deutschland zurückgegriffen werden oder muss es tatsächlich die Importware sein? Kostenvorteile entstehen auch, wenn ein Lieferant mehrere Artikel ggf. sogar in größerer Menge liefert. Bei einer Konsolidierung des Lieferantenportfolios können definitiv unnötige Umweltbelastungen durch Emissionen reduziert werden. Gleichzeitig sollte, sofern hygienisch unbedenklich, über eine Reduktion von Einmalprodukten nachgedacht werden. Beispiele hierfür können die Aufbereitung von OP-Abdeckungen oder Instrumentarium sein. Bei einer Mehrfachaufbereitung werden somit Produktionskosten, Lieferkosten und Verpackungsmaterialien gespart und es fallen lediglich Kosten und Energie für die Aufbereitung an.

Bei der Beschaffung von Medizinprodukten lohnt der Blick in Gerätestatistiken. Ist ein Gerät statistisch sehr reparaturanfällig, lohnt es sich −meist auch in finanzieller Hinsicht − auf ein anderes Gerät zurückzugreifen. Fragen Sie sich dennoch, ob das beispielsweise fünfundzwanzigste Ultraschallgerät tatsächlich benötigt wird oder ob eine interdisziplinäre Nutzung eine Option darstellt. Eine Möglichkeit zur interdisziplinären Nutzung wäre beispielsweise ein Sono-Zenter. Ein Bereich, in dem unterschiedliche Fachabteilungen einige Ultraschallgeräte gemeinsam nutzen. Natürlich ist dies nicht für alle Abteilungen realisierbar.

Nur machen bringt eine Veränderung

Bei den genannten Punkten handelt es sich nur um einige Ansatzpunkte, die zeigen, wie einfach man den Weg zum Green Hospital beschreiten kann. Meine Empfehlung: Starten Sie mit den „low hanging fruits“ und arbeiten Sie sich an die langwierigen, interdisziplinären und verschachtelten Prozesse heran.

Der wichtigste Schritt zu mehr Umweltbewusstsein im Gesundheitswesen ist vor allem, aus alten Denkmustern herauszukommen und in die Umsetzung zu gehen. Große Investitionen müssen natürlich strukturiert geplant werden, aber kleine Veränderungen können einfach und schnell umgesetzt werden – sie tragen trotzdem zu einem besseren ökologischen Fußabdruck bei. Deshalb schließe ich mit Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

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