Vorstellung im BundestagApetito Whitepaper – „Ernährungspolitik ist Gesundheitspolitik“

Mangelernährung ist ein unterschätzter Kosten- und Risikofaktor im Gesundheitswesen. Der Versorgungsdienstleister Apetito hat gemeinsam mit Experten ein Whitepaper erstellt und sich mit den Forderungen an den Bundestag gewendet.

Jan-Peer Laabs
Jens Ahner
Jan-Peer Laabs, CEO von Apetito, plädiert dafür der Ernährung nicht mehr als Randthema zu betrachten.

Ernährung ist ein wichtiger Faktor im Gesundheits- und Pflegesystem. In den politischen Debatten ist das Thema aber weitgehend unsichtbar. Und das, obwohl 20 bis 30 Prozent der Patientinnen und Patienten in deutschen Kliniken krankheitsbedingt mangelernährt sind oder als gefährdet gelten. Die daraus resultierenden Folgekosten belaufen sich laut Fachgesellschaften auf bis zu 8,6 Milliarden Euro pro Jahr, davon allein drei bis vier Milliarden Euro im Krankenhausbereich.

Daran will der Verpflegungslösungsanbieter Apetito etwas ändern. In Zusammenarbeit mit Fachkräften aus Klinik, Forschung und Lehre, Pflege und Gesellschaft hat das Unternehmen ein Whitepaper erstellt, das am 9. Juni im Bundestag Abgeordneten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Pflegefachkräften sowie Vertreterinnen und Vertretern von Verbänden und Medien präsentiert wurde.

Die zentrale Botschaft: Ernährung ist kein Randthema, sondern ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Versorgung – mit direkten Auswirkungen auf Behandlungsqualität, Kostenentwicklung sowie Prävention und Genesung. Der Bericht konzentriert sich auf vier Themenschwerpunkte:

1. Special Nutrition

Rund 50 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Pflegeinrichtungen leiden unter Schluckbeschwerden. Doch nur 56 Prozent des Pflegepersonals sind mit den Handlungsempfehlungen nach den Standards der International Dysphagia Diet Standardisation Initiative (IDDSI) vertraut. Für eine sichere Ernährung ohne Komplikationen sollen die einheitlichen Konsistenzstufen von Lebensmitteln stärker verankert werden.

2. Klinikverpflegung

Das Whitepaper zeigt auf, dass weniger als 10 Prozent der deutschen Krankenhäuser über ein qualifiziertes Ernährungsteam verfügen und dass die Ernährungstherapie nicht kostendeckend vergütet wird. Um Mangelernährung zu bekämpfen, braucht es ein systematisches Screening bei der Aufnahme sowie eine individuelle Ernährungstherapie. Dadurch könnten die Sterblichkeit, die Komplikationsraten und die Zahl der erneuten Krankenhausaufenthalte messbar gesenkt werden.   

3. Pflegeheime und Tagespflege

Die Autorinnen und Autoren des Whitepapers fordern, dass pflegerische Leistungen in Sozialgesetzbüchern als eigenständige, abrechenbare Leistungen verankert werden sowie Ernährungsmanagement als präventive Pflegeleistung anzuerkennen. Aktuell hemmen geteilte Zuständigkeiten zwischen Pflegekassen, Ländern und Kommunen die Ernährungsversorgung.

4. Häusliche Pflege

Knapp 86 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt, aber nur etwa 25 Prozent werden systematisch auf Mangelernährung untersucht. Die Verfasser fordern daher ein systematisches Screening und den Einsatz von Monitoring-Instrumenten, um Ernährung als festen Bestandteil von Prävention zu verankern.

Zeit für Reformen

In seiner Ansprache an die Bundestagsabgeordneten bemängelte Dr. Jan-Peer Laabs, CEO von Apetito, dass das Thema Mangelernährung in Debatten übersehen werde, obwohl es eines der teuersten Strukturprobleme des Gesundheitswesens ist. Sicher essen zu können sei keine Nebensache. Ernährung entscheide mit darüber, ob Menschen schneller genesen, länger selbstständig bleiben und würdevoll versorgt werden, so Laabs weiter.

Vor dem Hintergrund des Krankenhausreformanpassungsgesetzes soll das präsentierte Whitepaper die fachliche Grundlage liefern, um das Thema Ernährung in der Gesundheitspolitik zu verankern. „Jetzt ist der Moment, Ernährung strukturell und systematisch in der Versorgung zu verankern“, sagte Laabs.

Auch Albert Stegemann, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie Gesundheit und Schirmherr der Veranstaltung, ist überzeugt: „Wer Mangelernährung systematisch bekämpft, stärkt die Resilienz der Menschen und verbessert ihre Lebensqualität. Zudem senkt dies Kosten und entlastet unser gesamtes Versorgungssystem.“

Das komplette Whitepaper kann hier aufgerufen werden. 

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen

Intelligente Steuerung

Zur Ausgabe