TestphaseKommen Medikamente bald aus dem 3D-Drucker?

Individuell angepasste Arzneimittel für eine optimale Therapie: Am Helios Klinikum Erfurt werden erstmalig Arzneimittel mithilfe eines 3D-Druckers hergestellt. Derzeit läuft noch die Alpha-Testphase, um die Möglichkeiten und Potenziale weiter zu erforschen. 

Apotheke 3D Druck Helios
Helios
Am Helios Klinikum Erfurt testet die Krankenhausapotheke die innovative Arzneimittelherstellung mittels 3D-Drucktechnologie.

Sie erinnern in ihrer Konsistenz und im Geschmack an Gummibärchen und sind optimal auf die Bedürfnisse des Patienten angepasst. Am Helios Klinikum Erfurt werden erstmalig Arzneimittel mithilfe eines 3D-Druckers in der Krankenhausapotheke hergestellt und intensiv auf ihre Qualität und Anforderungen getestet. Die individuell angepassten Arzneimittel sollen eine optimale Therapie gewährleisten, so die Idee. Vorerst handelt es sich bei dem Projekt um einen Testlauf, um die Möglichkeiten und Potenziale der innovativen Technologie zu erforschen, heißt es seitens des Klinikums.

3D-Druck ist eine „interessante Technologie, die es uns ermöglicht individuell angepasste Arzneimittel für ganz bestimmte Patientengruppen herzustellen“, sagt Dr. Dominic Fenske, Leiter der Krankenhausapotheke in einem Helios-Video. Im Augenblick denke er besonders an die kleinsten Patienten in der Kinderklinik. 

Das Hauptaugenmerk der laufenden Tests liegt darauf, zu prüfen, ob diese neu hergestellten Arzneimittel den höchsten Qualitätsstandards entsprechen und die gestellten Anforderungen erfüllen. Dabei wird besonders auf die Bedürfnisse spezieller Patientengruppen eingegangen, wie beispielsweise Kinder mit Herzfehlern in der Kinderklinik.

Patientenindividuelle Anpassungen möglich

Neben der Anpassung an das Wachstum von Kindern, eröffnet die 3D-Drucktechnologie weitere vielseitige Anwendungsmöglichkeiten. Medikamente können zukünftig patientenindividuell nach Geschlecht, Gewicht, Alter und anderen Faktoren hergestellt werden, um den bestmöglichen Behandlungserfolg zu erzielen. 

Ein besonderes Merkmal der Tabletten aus dem 3D-Drucker ist die Form. Es sind semi-sold-Tabletten mit einer Konsistenz und Geschmack ähnlich wie Gummibärchen. Diese innovative Formulierung ermöglicht eine verbesserte Medikamenteneinnahme bei Kindern, da sich die Tabletten im Mund leicht auflösen und somit von den kleinen Patienten und Patientinnen gut akzeptiert werden. Auch ältere Patienten und Patientinnen oder Menschen mit Schluckbeschwerden nach einem Schlaganfall profitieren von dieser Darreichungsform im Vergleich zu herkömmlichen Tabletten. 

Wirtschaftliche Herstellung

Durch die additive Fertigung ist es zudem möglich, die patientenspezifischen Medikamente in genau festgelegter Menge und mit maßgeschneiderten Eigenschaften schnell, flexibel und wirtschaftlich herzustellen. Dadurch kann eine optimale Versorgung der Patienten gewährleistet und die die Lebensqualität nachhaltig verbessert werden. 

Nach der derzeit laufenden Alpha-Testphase ist im nächsten Schritt geplant, mit wirkstofffreien Tabletten (Placebo) in die klinische Anwendung zu gehen. Dabei soll die Akzeptanz der neuen Darreichungsform bei den Patienten genauer untersucht werden. Das Startdatum steht noch nicht fest, wie das Klinikum auf Anfrage mitteilt. „Wir stehen hier ganz am Anfang mit der neuen Technologie“, so Fenske, „es ist noch kein Standard, der noch nicht bei den Patienten im Alltag eingesetzt werden kann. Aber perspektivisch hoffen wir, auf diese Art und Weise für unsere Patienten eine neue Behandlungsalternative anbieten zu können.“

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