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12. Beschaffungskongress der KrankenhäuserDie Krise im Beschaffungswesen ist noch nicht überwunden

500 Teilnehmende besuchten den BKK, der vom 31. Mai bis 2. Juni 2022 nach zweieinhalb Jahren endlich wieder live stattfand. Der Auftakt geriet entsprechend emotional. Im Mittelpunkt standen naheliegenderweise die Aufarbeitung der Erfahrungen aus der Corona-Pandemie und Lösungsansätze für die Zukunft.

Beschaffungskongress 2022
Thieme Group

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, eröffnet den 12. Beschaffungskongress.

Das deutsche Gesundheitswesen operiert nicht erst seit der Corona-Pandemie unter erschwerten Bedingungen. Insbesondere der Fachkräftemangel in IT und Verwaltung sowie die schleppende Digitalisierung machen es Einkäufern und Beschaffungsabteilungen in Krankenhäusern schwer, mit den aktuellen Herausforderungen umzugehen. Dennoch hat sich das deutsche Gesundheitswesen in den letzten zwei Jahren bewiesen, so Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), in der Auftaktveranstaltung.

Kritischer Blick in die Zukunft

Einig war sich die Branche darin: Zwar sind wir gut durch die akute Krisenbewältigung gekommen, jedoch mangelt es an der strategischen, langfristigen Krisenresilienz der Kliniken angesichts gravierender Infrastrukturprobleme. Dies hätte die Corona-Pandemie schonungslos offengelegt.

Nicht nur fehlte es an einer zentralen Koordinierungsstelle für die Beschaffung von Materialien und Medizinprodukten, auch eine veritable, übergreifende Digitalisierungsstrategie und die dazugehörigen Prozesse müsse schnellstens her. Das KHZG mit seinen knapp drei Milliarden Euro stelle zwar eine Anschubfinanzierung dar, sei beileibe jedoch nicht in der Lage binnen der nächsten zwei bis drei Jahre die schon viel länger existierenden, grundsätzlichen Probleme zu lösen. Und auch die Klinikeinkäufer wurden in die Pflicht genommen: Sie müssten endlich zu Prozessgestaltern werden und dürften sich nicht mehr als reine Beschaffer einzelner Waren bzw. Warengruppen verstehen. Da sie über die unmittelbare Nähe zur Wertschöpfung verfügten, sei es an ihnen, die neuen digitalen Prozesse mitzudefinieren. Dies dürfe nicht an IT-Experten abgeschoben werden.

Auch mit Kritik am Finanzierungssystem der Kliniken hielt die Branche auf dem Beschaffungskongress nicht hinterm Berg. Da nur die Regelversorgung honoriert wird und es an einer Grundförderung mangele, wäre der Corona-Rettungsschirm dringend notwendig gewesen. Vor dem Hintergrund der hohen Inflationsrate von derzeit knapp acht Prozent stünde den Einrichtungen des Gesundheitswesens zusätzlich der Schweiß auf der Stirn.

Wie kommen wir raus aus den Problemen?

Bei all den Herausforderungen, vor denen das Beschaffungswesen steht, sehen die Experten dennoch Wege aus der Krise heraus. So wurde unisono die Forderung nach einer diversifizierten Lieferantenstruktur bekräftigt, mit dem Lieferengpässe durch reduzierte Abhängigkeiten reduziert werden könnten. Die Kliniken täten weiterhin gut daran, Monitoringsysteme für Lieferanten aufzusetzen, die eine Risikoanalyse im Vorfeld ermöglichten. Auf diese Weise würden resilientere Lieferketten aufgebaut, worauf auch die verstärkte Fokussierung auf Wiederverwendbarkeit und Aufbereitung von Medizinprodukten einzahlt.

Ebenso stand das Ausschreibungsprozedere zur Diskussion. Macht es tatsächlich immer Sinn, gute und eingespielte Lieferantenbeziehungen durch die Öffnung von Ausschreibungen auf den europäischen Markt zu riskieren? Den Panelteilnehmern zufolge nicht, da eine Regulation um der Regulation willen, das System ad absurdum führt. Stattdessen bräuchte es eine stärkere Fokussierung auf die Nutzenstiftung und die Rückkehr zur Maßgabe des Verschwendungsschutzes in der öffentlichen Hand.

Mit das größte Sorgenkind ist und bleibt jedoch die Digitalisierung im Gesundheitswesen allgemein und im Beschaffungsmanagement im Speziellen. Dr. Gaß mahnte an, die digitalen Datenflüsse müssten aus den Krankenhausinformationssystemen direkt dorthin fließen, wo sie gebraucht werden, um in kritischen Situationen wertvolle Zeit zu sparen und administrative Prozesse zu verschlanken. Es bräuchte daher schnellstens:

  1. ein klares, operationales Ziel, auf das alle Akteure gemeinsam hinsteuern.
  2. Mut und politischen Willen für die Umsetzung von strukturellen Verbesserungen.
  3. die Definition klarer Verantwortlichkeiten für die Umsetzung dieser Optimierungen.

Ob die ersten Schritte noch dieses Jahr eingeleitet werden, darauf gibt der nächste Beschaffungskongress hoffentlich schon einen kleinen Ausblick. Dieser wird in sechs Monaten im Dezember 2022 ebenfalls im Hotel de Rome mit Vertretern aus Politik, Gesundheitsversorgung, Wissenschaft und Wirtschaft stattfinden.

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