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LieferkettensorgfaltspflichtengesetzViele Kliniken unterschätzen die "Herausforderung LkSG"

Es ist ein Wortungetüm, doch die Mehrheit der deutschen Krankenhäuser bewertet das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) offenbar positiv. Die Umsetzung allerdings stellt sie vor enorme Herausforderungen, wie eine Umfrage zeigt.

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Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), das ab Januar 2023 in Kraft tritt und Unternehmen zu mehr Transparenz entlang der Lieferkette verpflichtet, wird von der Mehrheit deutscher Krankenhäuser und Unternehmen aus dem Gesundheitswesen positiv bewertet. Das ergab eine Umfrage des Mannheimer Softwareunternehmens Osapiens.

Einrichtungen und Organisationen der Branche mit mehr als 3000 Beschäftigten und mindestens einem Standort in Deutschland, die zurzeit in der entscheidenden Umsetzungsphase sind, investieren dabei am stärksten in die Einführung von IT-Systemen, Datenmanagement und rechtliche Beratungen zu Lieferantenverträgen.

„Auch wenn ein Großteil der von uns befragten Krankenhäuser und weitere Einrichtungen der Branche insgesamt das LkSG positiv bewerten, stehen sie mit der innerbetrieblichen Umsetzung doch vor enormen Herausforderungen“, sagt Alberto Zamora, CEO und Mitgründer des Mannheimer Softwareunternehmens Osapiens. „Um hier zukünftig mit konkreten Handlungsempfehlungen und bedarfsgerechten Angeboten unterstützen zu können, wollten wir wissen, wie sie Chancen und Risiken, vor allem aber die Herausforderungen bewerten.“

Chance eines Reputationsgewinns

Die Befragung von rund 3000 deutschen Unternehmen führt das Softwareunternehmen in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) seit Februar 2022 durch. Ein Viertel der befragen Krankenhäuser und Unternehmen aus dem Gesundheitswesen (25 Prozent) sehenn in der Umsetzung des Gesetzes die Chance eines Reputationsgewinns für das eigene Unternehmen. Für 23 Prozent spielt die Schaffung von fairen Wettbewerbsbedingungen die wichtigste Rolle, und 17 Prozent nennen primär die erhöhte Kooperation in der Branche entlang der Lieferkette als entscheidenden Vorteil.

Verschärfung ab 2024

Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz wird die Bundesregierung ab Januar 2023 Unternehmen gesetzlich verpflichten, Transparenz in ihre Lieferketten zu bringen und beispielsweise durch individuelle Risikoanalyse und umfangreiche Dokumentationspflichten ihren Teil zur Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen und zur Einhaltung des Umweltschutzes entlang der Lieferkette beizutragen.

Zunächst sind hiervon ab 2023 nur Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden betroffen. Ab 2024 müssen auch Unternehmen mit mehr 1000 Mitarbeitern einem umfangreichen Pflichtenkatalog nachkommen. Vor allem im Hinblick auf den bereits im Februar 2022 durch die EU-Kommission vorgelegten Entwurf zu einer EU-Lieferketten-Richtlinie (EU-LkRL-E) sind bis 2024 auch auf europäischer Ebene weitere Verschärfungen in puncto Monitoring von Lieferketten zu erwarten. Deshalb müssen jetzt auch Krankenhäuser und Unternehmen aus der Gesundheitsbranche geeignete Maßnahmen planen und ergreifen.

Mehr als die Hälfte der Kliniken setzen keine Software ein

Befragt wurden die Einrichtungen und Unternehmen in erster Linie nach ihrer Risikoeinschätzung in Bezug auf das eigene Unternehmen und unmittelbare Lieferanten sowie nach einem bereits bestehenden oder geplanten Beschwerdemanagement. Außerdem ging es um Präventions- und Abhilfemaßnahmen für Verstöße, geplante Formen der Berichterstattung sowie um eine Einschätzung zu geplanten Aufwänden und Budgets zur fortlaufenden Umsetzung des Lieferkettengesetzes.

Auch wenn einige der befragten Krankenhäuser und Unternehmen der Branche bereits mitten in der Umsetzung der geforderten Maßnahmen sind, müsse bei dem Großteil der Betroffenen noch ein Bewusstsein bezüglich der hiermit verbundenen Herausforderungen geschaffen werden, sagt der Osapiens-CEO. Denn trotz der Erkenntnis, dass der Einsatz digitaler Technologien und damit die Automatisierung relevanter Lieferkettenprozesse für die Umsetzung des LkSG äußerst hilfreich sind, geben über die Hälfte (52 Prozent) der befragten Krankenhäuser und Unternehmen des Gesundheitswesens an, keinerlei Software zu nutzen.

 

Eine rein manuelle Bearbeitung von Informationen und Daten zur Einhaltung der Vorschriften des LkSG ist nicht zu bewältigen.

 

Für Alberto Zamora ist das unverständlich: „Auch wenn das Gesundheitswesen im Durchschnitt 21 Prozent weniger Zulieferer hat als der branchenübergreifende Standard in unserer Umfrage, ist eine rein manuelle Bearbeitung von Informationen und Daten zur Einhaltung der Vorschriften des LkSG nicht zu bewältigen.“ Ein Krankenhaus, das „nur“ 500 Lieferanten habe, könne individuelle Risikoanalysen und kontinuierliche Berichterstattung nur softwaregestützt umsetzen.

Alle Ergebnisse der noch bis Ende August 2022 laufenden Umfrage präsentiert Osapiens in Zusammenarbeit mit dem BMZ am 20. September 2022 beim ‚LkSG-Netzwerktag‘ in Mannheim.

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