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Risikomanagement

So können Kliniken mit finanziell angeschlagenen Lieferanten umgehen

Hat ein Lieferant finanzielle Schwierigkeiten, steht auch das Krankenhaus vor einer Reihe von Herausforderungen. Hierzu zählen drohende Qualitätsprobleme oder sogar Lieferstopp sowie die eigene Wettbewerbsfähigkeit und Reputation. Der Beitrag erläutert, wie Krankenhäuser dem vorbeugen können und zeigt Lösungsansätze zum Umgang mit bereits angeschlagenen Lieferanten.

Risiko

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Mit dem Übergang von transaktionalen zu relationalen Lieferantenbeziehungen im Klinikeinkauf und den steigenden Verbundeffekten innerhalb der Materialflüsse moderner Supply Chains steigt auch die Abhängigkeit der Krankenhäuser von ihren Lieferanten. Grundsätzlich stehen Krankenhäusern verschiedene präventive Handlungsfelder zur Verfügung, die dabei helfen, dem Risiko finanzieller Notlagen oder einem endgültigen Ausfall von Zulieferern vorzubeugen. Eine elementare Grundvoraussetzung aller Bemühungen ist es, Transparenz zwischen den beteiligten Parteien zu schaffen.

Dies kann beispielsweise durch Maßnahmen wie Open-Book-Accounting erreicht werden. Einkäufer erhalten hierdurch die Möglichkeit, Einsicht in die Kostenstruktur und Kalkulation der Lieferanten zu nehmen. So können sie Risiken frühzeitig erkennen und angehen. Zu empfehlen ist in diesem Kontext, ein Frühwarnsystem zu etablieren, das ein automatisiertes und kontinuierliches Monitoring vornimmt. Diese Systeme können bereits erste Anzeichen finanziell angeschlagener Lieferanten identifizieren und das Ausmaß der Krise bewerten. Idealerweise existieren zu diesem Zeitpunkt bereits strukturierte Notfallpläne und Schulungsmaßnahmen, um die in Schieflage geratenen Parteien zu unterstützen. Aufbauend auf den gesammelten Informationen sollte zudem eine systematische Gestaltung des Lieferantenportfolios vorgenommen werden. Ziel ist es, mittels Diversifikationsstrategie, die verschiedenen Zulieferer gemäß ihrer Liquiditätsrisiken bestmöglich zu kombinieren und so das Gesamtausfallrisiko zu senken.

Möglichkeiten zum Umgang mit angeschlagenen Lieferanten

Über präventive Bemühungen hinaus stehen Krankenhäusern weitere Möglichkeiten zur Verfügung, finanziell belasteten Lieferanten aktiv zu begegnen. So können Sofortmaßnahmen zur Unterstützung initiiert und / oder Selbstschutzmaßnahmen ergriffen werden. Als Sofortmaßnahmen zur Aufrechterhaltung von Lieferanten in Schieflage kommen in erster Linie Finanzhilfen in Frage. So können kurzfristige Liquiditätsengpässe sowie Umsatz- und Liquiditätseinbrüche bei den Lieferanten etwa durch Vorkassezahlung, verlängerte Zahlungsziele oder der Zusicherung bestimmter Abnahmemengen überwunden werden. Auch Zugeständnisse bei Gewährleistungsansprüchen oder der Art des Herstellers von Standardprodukten wie OP-Handschuhen tragen kurzfristig zur Stabilisierung von angeschlagenen Lieferanten bei. Kunden können in besonderen Fällen zudem direkte finanzielle Unterstützung leisten, indem sie Darlehen gewähren, für den Lieferanten bürgen oder Forderungen kaufen. Denkbar wäre auch eine Kapitalbeteiligung oder gar der Kauf und die Sanierung des Lieferanten. Dies bietet immerhin die Option, dass die Lieferungen nicht unterbrochen werden.

Neben der Aufrechterhaltung von Lieferantenbeziehungen sollten Krankenhäuser ebenfalls Selbstschutzmaßnahmen in Erwägung ziehen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Sicherstellung der eigenen Versorgung gewährleisten zu können. Als kurzfristige Lösung kann es sich anbieten, Lagerbestände zu erhöhen. Mittel- und langfristig sollte allerdings ein Wechsel zu alternativen Zulieferern angestrebt werden, die das Lieferantenportfolio sinnvoll ergänzen. Grundsätzlich ist jedoch zu berücksichtigen, dass die zwei skizzierten Handlungsansätze – Unterstützung wie Selbstschutz – durchaus komplementär bei der Sicherung der eigenen Supply Chain angewendet werden können. In Abhängigkeit der spezifischen Unternehmenssituation werden Krankenhäuser individuell entscheiden, welche Maßnahmenkombinationen zu ergreifen sind. Hierbei sind stets Kosten und Risiken sowie der zu erwartende Erfolg gegeneinander abzuwägen. An dieser Stelle zeigt sich noch einmal die hohe Bedeutsamkeit umfassender Informationen über die eigenen Lieferanten. Erst auf Basis dieser Kenntnisse wird es möglich, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Hindernisse und Grenzen

Idealerweise erwächst aus einer transparenten Informationskultur für Lieferanten und Abnehmer eine Win-win-Situation. So können Krankenhäuser finanziell angeschlagene Lieferanten frühzeitig unterstützen und Krisen bereits in ihrer Entstehung abwenden. Allerdings stößt eine derart offene Kommunikations- und Informationskultur nicht immer auf Akzeptanz seitens der Zulieferer. Decken Lieferanten etwa ihre Kosten gegenüber den Krankenhäusern vollständig auf, wird ihre Position in der kommenden Preisverhandlung empfindlich geschwächt. Hier gilt es vor allem seitens der Krankenhäuser abzuwägen, welche (Finanz-)Informationen tatsächlich notwendig und welche optional sind. Darüber hinaus sind sowohl eine intensive Zusammenarbeit mit Lieferanten als auch deren Monitoring mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden. Vorab sollte deshalb kritisch und reflektiert hinterfragt werden, inwieweit personelle und finanzielle Ressourcen sowie das notwendige Know-how für die hier beschriebenen Maßnahmen innerhalb der eigenen Einrichtung zur Verfügung stehen.

Fazit und Ausblick

Theorie und Empirie zeigen, dass das Risiko finanziell angeschlagener Lieferanten in der Praxis gerne unterschätzt wird. Erst wenn ein Kunde schon einmal selbst miterlebt hat, wie aufwendig und unangenehm es ist, wenn ein wichtiger Lieferant auf eine Insolvenz zusteuert, steigt die Bereitschaft, sich proaktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Einsatz von Präventivmaßnahmen bietet Krankenhäusern die Möglichkeit, finanziellen Notlagen ihrer Lieferanten vorzubeugen. Rutschen diese dennoch in Schieflage, existiert ein breites Instrumentarium, mit dessen Hilfe sich Abnehmer selbst vor Schäden schützen und ihre Lieferanten stabilisieren können. Zu berücksichtigen ist dabei, dass jegliches Handeln auf Augenhöhe stattfinden muss, um die Beteiligung aller Parteien sicherzustellen. Da sowohl Prävention und Monitoring als auch die aktive Unterstützung von Lieferanten erhebliche Ressourcen binden, muss stets eine kontextabhängige Prüfung der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen erfolgen.

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