kma Online
Beschaffungskongress 2020

Weniger Arzneimittelirrtümer durch Closed-Loop-Versorgung

Beim Beschaffungskongresses 2020 wurden unter anderem automatisierte Versorgungssysteme wie die Closed-Loop-Versorgung diskutiert. Sie sollen für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit sorgen.

Closed-Loop-Versorgung Omnicell

Omnicell

Arzneimittelirrtümer können durch eine Closed-Loop-Versorgung vermieden werden.

Der zweite Tag des digitalen Beschaffungskongresses startete mit Vorträgen von Professor Wilfried von Eiff, dem Leiter des Centrums für Krankenhausmanagement, und Andreas Fischer, dem leitenden Apotheker für die klinisch-pharmazeutische Stationsarbeit am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. Thematisch standen die Prozesse der Medikationslogistik und die praktische Anwendung automatisierter Versorgungssysteme im Fokus.

Häufigkeit von Arzneimittelkomplikationen 

In Krankenhäusern ist die Arzneimitteltherapiesicherheit ein hohes Gut und Medikationsfehler sind eine folgenschwere Herausforderung. In einem Artikel zum Management der patientenorientierten Arzneimittellogistik erklärt Prof. von Eiff, dass 19–35 Prozent der Fehlereignisse im klinischen Betrieb auf Arzneimittelirrtümer zurückzuführen seien. Er berichtet aus Studien, dass die Arzneimittelkomplikationen zu den häufigsten Fehlern im Medizinbetrieb zählten und gleichzeitig gravierende Folgen für den Patienten hätten.

Zusätzlich zu den gesundheitlichen Beeinträchtigungen und spürbaren Einschränkungen des Wohlbefindens bewirke jeder nicht fatale Medikationsirrtum im Durchschnitt circa 3000 Euro vermeidbare Kosten in Form von Liegezeitverlängerungen.

Automatisierte Versorgungsschränke

Systeme, die Prozesse automatisieren und optimieren, sollen hier Abhilfe schaffen und einen wichtigen Beitrag für die Arzneimitteltherapiesicherheit leisten – so auch Closed-Loop und Unit-Dose. Die Closed-Loop-Versorgung stellt etwa einen geschlossenen Medikationsprozess mit elektronischer Verschreibung, pharmazeutischer Validierung und lückenloser Dokumentation sicher. Unit-Dose bezeichnet die patientenindividualisierte Belieferung aus der Zentralapotheke, geht allerdings mit der Limitation einher, dass die Logistik eine Ad-hoc-Medikation ausschließt und sich hauptsächlich auf Arzneimittel in fester oraler Darreichungsform beschränkt. So würden unter anderem Betäubungsmittel (BtM), Spritzen sowie Ampullen nicht abgedeckt.

An dieser Stelle kommen automatisierte Versorgungsschränke ins Spiel, die den Prozess einer Closed-Loop-Versorgung optimal ergänzen sollen. Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hat zum Beispiel die Omnicell XT Cabinets auf Intensivstationen und in OP-Bereichen implementiert und setzt damit gesicherte, elektronische Medikamentenabgabe- und Aufbewahrungssysteme ein. Mit dem Fokus auf BtM sei es das Ziel, die Prozesse zu optimieren, die Nachweisführung zu verbessern und den Dokumentationsaufwand zu reduzieren.

Arzneimittelsicherheit gezielt verbessern

„Elektronische Versorgungsschränke nehmen bei der Vernetzung eine bedeutende Position ein und sind so etwas wie der digitale Backbone in der Medikationslogistik eines Krankenhauses.“, sagt Prof. von Eiff. Im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) sei es an der Zeit tätig zu werden und die Arzneimittelsicherheit gezielt zu verbessern. Nach Ansicht von Prof. von Eiff sei es hierzu zunächst notwendig bestehende Sicherheits- und Versorgungslücken in der Arzneimittellogistik zu identifizieren und diese „auf Basis der Anforderungskriterien einer Closed-Loop-Versorgung“ zu schließen.

  • Schlagwörter:
  • Beschaffungskongress
  • Wilfried von Eiff
  • Closed-Loop-Versorgung
  • Arzneimittelsicherheit
  • Omnicell

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren