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Vernetzung von Kliniksoftware

Wie viel Krankenhaus 4.0 ist schon heute möglich?

Das digitalisierte Krankenhaus nur eine ferne Zukunftsvision? Der Geist ist willig, aber das Budget schwach? Stimmt nicht. Vor allem im Sekundär- und Tertiärbereich könnten automatische und integrierte Prozesse schon heute der Standard sein. Die Zukunft hat längst begonnen – und ja, das ist bezahlbar.

Das Komm-Gerät, Dynamed

DYNAMED GmbH

Vollautomatisch wird der Auftrag auf das Komm-Gerät des Transporteurs gesendet

Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. So auch beim Krankenhaus 4.0. Da ist das Bild geprägt von Publikationen und Veranstaltungen, wo lupenreine digitale Kliniklandschaften skizziert werden, in denen alles schön smart, vernetzt und vollautomatisch geschieht. Bei so viel Zukunftsvision fällt es schon mal schwer, die Brücke zurück zur Realität deutscher Krankenhäuser zu schlagen. Und vor lauter digitalen Bäumen vor Augen sieht man dann gar nicht mehr, dass manches hiervon bereits heute praktizierter Alltag sein kann.Sie haben richtig gelesen: praktizierter Alltag. Denn das Krankenhaus 4.0 ist nicht ein Zielort, den wir alle in vielen Jahrzehnten einmal erreichen werden (oder auch nicht).

Es handelt sich vielmehr um einen Prozess – und wir sind längst mittendrin. Setzt man den aktuellen Stand der Technik konsequent in die Tat um, so kann man schon heute einen Klinikbetrieb auf die Beine stellen, der sehr viel smarter ist, als man das mit all den Bäumen vor Augen annehmen würde.

Das „4.0 von heute“ am Beispiel der Sterilgutversorgung

Treten wir also einen Schritt zurück und betrachten uns das zukunftsweisende Krankenhaus am Beispiel von Patient Meier und wie hierbei die primären und sekundären Prozesse ineinandergreifen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

1. Patientendaten im KIS

Patient Meier befindet sich im Krankenhaus. Die Aufnahme der Patientendaten ist erfolgt und das medizinische Fachpersonal erstellt im KIS einen OP-Termin, was Dank einer ORM-Schnittstelle den Startschuss für eine Kette von automatisch generierten Aufträgen darstellt. Im ersten Schritt erhält die AEMP eine Benachrichtigung.

Diese stellt das Instrumentensieb zur Verfügung, welches anschließend als Handling-Unit in einem Transportcontainer untergebracht und für den Transport bereitgestellt wird. Container und Handling-Units sind mit einem Barcode zur eindeutigen Identifizierung versehen und systemisch mit der AEMP verknüpft.

2. Vernetzung mit Sekundärsystemen

Ist das Instrumentensieb fertig für den Transport und der Auftrag seitens der AEMP auf „Abgeschlossen“ gesetzt, so wird im Logistiksystem ein Transportauftrag generiert. Dies geschieht vollautomatisch, ohne Zeitaufwand für das Personal, ohne die Gefahr, vergessen zu werden, ohne Übertragungsfehler und klar definiert. Sprich, der Container kommt garantiert pünktlich dort an, wo er auch ankommen soll.Ein über die Dispositionsautomatik beauftragter Transporteur erhält die Meldung auf seinem Komm-Gerät und macht sich auf den Weg.

Natürlich handelt es sich hierbei nicht um einen zufällig ausgewählten Transporteur, vielmehr um die Person, die aufgrund der aktuellen Tourenbelegung am schnellsten bzw. mit dem geringsten Aufwand die Abholstelle erreicht. Nach einem kurzen Scan des Container-Barcodes, der mit den Codes der hier enthaltenen Handling-Units verheiratet ist, beginnt nun der Transport zum OP. Dort angekommen übergibt der Transporteur den Container an die zuständige Stelle, wiederum setzt ein Scan den Vorgang auf Status „Abgeschlossen.“

3. Information und Kontrolle

Was vordergründig wie ein normaler Transportvorgang aussieht, ist im Hintergrund ein ständiger Datenaustausch zwischen den Systemen. So erhalten sämtliche involvierte Bereiche automatische Statusrückmeldungen in Echtzeit. Das Wichtigste hierbei: Die Chirurgie hat die Gewissheit, dass das Instrumentensieb rechtzeitig eintreffen wird und der bevorstehende Eingriff erfolgen kann – oder eben nicht. Denn auch im negativen Fall weiß der Funktionsbereich rechtzeitig Bescheid und kann entsprechend reagieren.

Zwischenfälle kann es immer einmal geben, nicht zuletzt da nach wie vor der Mensch ein Faktor ist. Schnell ist der Container aus Versehen an der falschen Ankunftsstelle abgegeben und ohne automatischen Datenabgleich würde nun die Fehlerkette ihren Lauf nehmen. Doch im smarten Krankenhaus prüft das System die korrekte Ausführung des Auftrags. So erfolgt in solch einem Fall nach dem Scan nicht der Auftrags-Abschluss, sondern ein Warnhinweis an den Transporteur.

Zukunft oder Gegenwart? Die Übergänge sind fließend

Und jetzt mal ehrlich: Klingt das Beispiel besonders futuristisch? Nein, denn das ist es auch nicht. Die beschriebenen Prozesse sind bereits heute technisch umsetzbar und – teilweise oder in Gänze – gelebte Praxis. Dennoch handelt es sich hierbei ohne Zweifel um eine Vernetzung der Systeme mit automatisch generierten Prozessketten. Diese haben den Vorteil, dass kein Auftrag vergessen werden kann, keine Übermittlungsfehler entstehen und Pflege sowie Funktionsstellen Zeit fürs Wesentliche haben – die Patienten.

Somit steht dieses Fallbeispiel zwar noch nicht für das Krankenhaus 4.0 in Reinkultur, aber ein Entwicklungsschritt in diese Richtung ist es allemal (und zwar gar kein so kleiner). Es fing an mit der Verbannung von Telefon und Notizzettel, nahm seinen Weg mit der Einführung von Tracking – was Materialerfassung, Inventarbezug, Sendungsverfolgung, Patientenarmband und Co. ermöglichte – und nun kommen zunehmend Sensorik sowie die Ortung von Inventaren in Echtzeit zur Anwendung.

Scannen? Ist dank Sensorik nicht mehr nötig, der Auftrag wird automatisch durch die Änderung des Inventarstandorts erzeugt. Das heißt bei Patient Meier konkret: Wird der Container mit den Handling-Units im Abholbereich der AEMP abgestellt, so erzeugt das Logistiksystem automatisch einen Transportauftrag. Alle involvierten Bereiche können die Statuswechsel jederzeit einsehen und wissen somit, wann der Container bereitsteht, wann der Transport begonnen hat, wann voraussichtlich die Ankunftszeit ist usw. Im Gegenzug wird die AEMP benachrichtigt, sobald das Material für den Rücktransport bereitsteht.

Sollte dieser jedoch nicht erfolgen, so geht erstens ein Warnhinweis bei der AEMP ein, zweitens kann das vermisste Material jederzeit geortet und aufgefunden werden. Selbst diese nochmals gesteigerte Form der Vernetzung ist schon heute möglich, wenn der Wille und das Budget vorhanden sind. Apropos Budget. Der weitere Fortgang dieser Entwicklung ist nur möglich, wenn an den entscheidenden Stellen die Erkenntnis reift, dass Einsparungen bei der IT-Infrastruktur (bzw. nicht freigegebene Budgets) die jeweilige Klinik auf lange Sicht sehr viel Geld kosten.

Man wird leicht in die Irre geführt: Flächendeckendes und leistungsfähiges WLAN sowie Bluetooth, Hardware auf dem aktuellen Stand der Technik, leistungsfähige Server und selbstverständlich auch Softwarelösungen haben bei der Anschaffung ein konkretes Preisschild. Unwirtschaftliche Arbeitsabläufe (Leerfahrten, Materialschwund oder doppelt ausgeführte Tätigkeiten) haben dieses Preisschild nicht – kosten die Krankenhäuser unter dem Strich aber deutlich mehr. Auch das erkennt man, wenn man einfach mal zwei Schritte zurück geht und den „Wald“ in seiner Gesamtheit betrachtet.

  • Schlagwörter:
  • Krankenhaus 4.0
  • Möglichkeiten
  • Digitalisierung

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