
Die Clinicpartner eG hat bereits im Jahr 2001 begonnen, Logistik systematisch in ihre Verhandlungs- und Leistungsstruktur zu integrieren. Zu einem Zeitpunkt, als viele Einrichtungen Logistik noch primär als nachgelagerte Funktion verstanden haben, wurde hier früh ein strategischer Ansatz verfolgt. Im Fokus standen Themen, die heute den Klinikalltag prägen: Versorgungssicherheit, nachhaltige Strukturen und der zunehmende Fachkräftemangel. Die Grundidee war klar. Einkauf und Logistik dürfen nicht getrennt gedacht werden, wenn Wirtschaftlichkeit und Stabilität gleichzeitig erreicht werden sollen.
Logistik als treibende Kraft effizienter Versorgung

Ein Bestandteil dieses zentralen Ansatzes, bestehend aus derzeit neun Logistikzentren, ist das Agaplesion Logistikzentrum (ALZ) Obertshausen, das Teil dieses Netzwerkes ist. Hier werden Warenströme gebündelt, Prozesse standardisiert und Daten systematisch genutzt. Das Zentrum fungiert nicht als klassisches Lager, sondern als operative Steuerungseinheit für die Versorgung angeschlossener Krankenhäuser.
Das Logistikzentrum verarbeitet täglich rund 6500 Picks, erstellt 600 Rechnungen pro Tag und hält über 3000 Lagerartikel mit bis zu acht Wochen Reichweite vorrätig. Das ALZ versorgt mit 7000 Quadratmetern Logistikfläche, 4500 Palettenstellplätze und hat drei Lagerlifte, insgesamt 40 Krankenhäuser und viele weitere Einrichtungen im Gesundheitswesen.
Nach der Kommissionierung verlassen täglich rund 20 Lkws inklusive Anhänger den Standort in Obertshausen und stellen die Versorgung der Einrichtungen sicher. Der Flexliner fährt täglich die Route von Obertshausen nach Hamburg und beinhaltet 84 Rollgitterwagen für die Versorgung von vier Krankenhäusern und Seniorenheimen. Dabei hat er bereits 1,5 Millionen Kilometer auf dem Buckel.
Eingehende Waren werden zentral angenommen, geprüft und digital erfasst. Auf dieser Basis erfolgt eine bedarfsgerechte Kommissionierung für die einzelnen Einrichtungen. Die anschließende Auslieferung folgt definierten Touren und klaren Zeitfenstern. Für die Kliniken führt das zu spürbaren Effekten: Lagerflächen werden reduziert oder gesamthaft abgebaut, Kapitalbindung sinkt und die Versorgung wird planbar. Gleichzeitig entlasten standardisierte Abläufe das Personal in Wareneingang, Lager und auf den Stationen.
Wenn Einkauf und Logistik ein System bilden
Der entscheidende Unterschied liegt in der konsequenten Verzahnung von Einkauf und Logistik. Die Mitglieder der Einkaufsgenossenschaft strukturieren Sortimente gezielt und reduzieren die Anzahl der Lieferanten pro Produktgruppe. Vertragsartikel werden klar definiert und Mengen systematisch gebündelt. Diese Struktur bildet die Grundlage für stabile Preise und verlässliche Lieferketten.
Die Logistik setzt diese Vorgaben operativ um. Bestellungen orientieren sich an den definierten Portfolios, Verpackungseinheiten und Lieferzyklen. Dadurch entstehen nicht nur theoretische, sondern reale Skaleneffekte im täglichen Betrieb. Prozesse werden einfacher, Abweichungen reduziert und die Versorgungssicherheit erhöht.
Ein wachsendes Logistiknetzwerk
Das Logistikzentrum in Obertshausen übernimmt die Belieferung einiger Clinicpartner-Mitgliedseinrichtungen innerhalb des Gesamtsystems. Weitere regionale Standorte verdichten das Logistik-Netzwerk der Einkaufsgenossenschaft und gewährleisten so die Nähe zu den Einrichtungen. Dieses dezentrale, aber standardisierte System ermöglicht kurze Lieferwege und erhöht die Resilienz gegenüber Störungen in der Lieferkette.
Alle Standorte arbeiten nach einheitlichen Prozessstandards. Das schafft Transparenz und Vergleichbarkeit. Gleichzeitig bildet es die Grundlage für eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems, da Optimierungen zentral gesteuert und flächendeckend umgesetzt werden können.
Transparenz durch digitale Steuerung
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die konsequente Digitalisierung der Prozesse. Jede Warenbewegung wird erfasst und ausgewertet. Kliniken erhalten Einblick in Bestände, Verbrauch und Lieferperformance in nahezu Echtzeit. Diese Transparenz schafft die Voraussetzung für eine präzise Bedarfsplanung und eine gezielte Steuerung des Sortiments.
Darüber hinaus unterstützen die Daten die strategische Einkaufsarbeit. Verbrauchsanalysen zeigen Potenziale für Substitutionen und Standardisierungen auf. Gleichzeitig stärken sie die Verhandlungsposition gegenüber Lieferanten, da Mengen und Bedarfe belastbar belegt werden können.
Wirtschaftlichkeit als integriertes Ergebnis
Die wirtschaftlichen Effekte entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel aller Elemente. Zentraler Einkauf, strukturierte Logistik und digitale Transparenz greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig. Das Ergebnis sind niedrigere Einkaufspreise, reduzierte Prozesskosten und geringere Lagerbestände bei gleichzeitig höherer Versorgungssicherheit.
Logistik entwickelt sich damit vom reinen Transportprozess zu einem zentralen Steuerungsinstrument im Krankenhaus. Sie verbindet Effizienz mit Stabilität und schafft die Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsfähige Organisation der Versorgung.
Digitalisierung in Beschaffung und Logistik
In der April-Ausgabe von Klinik Einkauf 2025 wurde eine Serie begonnen, in welcher verschiedene für die Kliniklogistik interessanten Standorte in Deutschland vorgestellt werden.
Bislang erschienen:




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