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56. Symposium EinkaufEinkauf wird noch 2022 mit Lieferketten-Problemen kämpfen

Beim 56. BME-Symposium Einkauf und Logistik betonte BME-Bundesvorsitzende Gundula Ullah in ihrer Eröffnungsrede am 2. November 2021, dass die Branche mit Lieferengpässen bis weit ins nächste Jahr rechnen müsse.

56. BME-Symposium
Socrates Tassos/Funke Foto Services

BME-Bundesvorstandsvorsitzende Gundula Ullah äußerte sich in der Eröffnungsrede des 56. Symposiums zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Einkauf, Logistik und Supply Management.

Szenarien für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft nach Ende der Covid-19-Pandemie und Wege zur nachhaltigen Stärkung der unter Materialmangel leidenden Lieferketten waren am 8. November 2021 zentrale Themen des Eröffnungsplenums „Navigating the Next Normal“ auf dem 56. BME-Symposium Einkauf und Logistik Digital. Unter dem Motto „#newhorizons“ bietet die größte Netzwerkveranstaltung des BME den 900 Teilnehmer*innen bis zum 10. November eine virtuelle Plattform für die Diskussion gegenwärtiger und künftiger Beschaffungsstrategien.

Den Blick auf Next Normal zu richten, bedeute laut Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), bereits heute die richtigen Weichen für die erfolgreiche geschäftliche Zukunft der eigenen Firma zu stellen. Spätestens hier seien die Einkaufs- und Lieferkettenprofis gefragt. Sie sollten Vorreiter der digitalen Revolution im Unternehmen sein und sich täglich bewusstmachen: Procurement und Supply Management bieten als ideale Schnittstellen zu den anderen Unternehmensbereichen jede Menge Schwung für Neues.

Leiferengpässe könnten weit bis ins nächste Jahr andauern

Die BME-Bundesvorstandsvorsitzende äußerte sich auch zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Einkauf, Logistik und Supply Management. So gebe es in der Wirtschaft viele Befürchtungen, dass die Covid-19-Pandemie trotz erster Erfolge bei der Bekämpfung des Virus noch längst nicht überwunden sein könnte. Nun stehe der Winter vor der Tür. Und mit ihm stiegen die Infektionszahlen. Ob diese Inzidenzen zu erneuten Verwerfungen in den Lieferketten und Beeinträchtigungen in den Produktionsprozessen führen könnten, bleibe noch offen – auszuschließen sei es aber nicht.

Zur aktuellen Versorgungslage im 4. Quartal sagte Gundula Ullah in ihrer Eröffnungsrede, dass die deutsche Industrie – und das quer durch alle Branchen – unter dem gravierenden Mangel an Rohstoffen und Produktionsmaterialien sehr zu leiden habe. Angesichts des sich eintrübenden Geschäftsausblicks im Verarbeitenden Gewerbe ist zu befürchten, dass die Lieferengpässe bis weit ins nächste Jahr andauern könnten.

Es gebe aber auch einen konjunkturellen Silberstreif am Horizont: So gehe die Herbstprojektion der Bundesregierung in diesem Jahr von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 2,6 Prozent aus. 2022 sei dann sogar ein Plus von 4,1 Prozent möglich. Hoffnung mache in diesem Zusammenhang auch die Äußerung des geschäftsführenden Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier. So zeige die Herbstprojektion, „dass Deutschland nach der Corona-Krise wieder auf dem Wachstumspfad ist“.

Die Welt nach Corona werde durch vier Ds geprägt

Unter dem Titel „Ver-rückte Welt?“ beschrieb Prof. Henning Vöpel, Direktor des Centrums für Europäische Politik, „Szenarien einer Post-Pandemie-Weltwirtschaft“ im Plenum des diesjährigen Symposiums Einkauf und Logistik vor. Die internationale Gemeinschaft erlebe gegenwärtig eine Zeitenwende. Die Welt nach Corona werde seiner Ansicht nach durch mindestens vier große Phänomene gekennzeichnet sein. Das seien im Einzelnen De/Re-Globalisierung, Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie.

Die Covid-19-Pandemie habe unmittelbare und strukturelle Folgen für die Weltwirtschaft. So werde sich die konjunkturelle Erholung wegen der Lieferengpässe und fragilen Lieferketten verzögern. Als Stichworte nannte der frühere Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) die Rohstoff- und Energiekrise so-wie den Mangel an Halbleitern und anderen Vorleistungen. Vöpel wagte abschließend noch einen Blick in die Zukunft. Danach würden Unsicherheit und Komplexität die nächsten Jahre bestimmen. Der einzige Weg, die Unsicherheit über die Zukunft zu reduzieren, bestehe darin, sie zu gestalten.

Die Kosten steigen und die Wartezeiten verlängern sich

Die Frage „Wie sehen die Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten aus und wie geht der Einkauf damit um?“ war nach dem Eröffnungsplenum zentrales Thema der „Fachkonferenz Beschaffungsmärkte“. Maren Liedtke, Rohstoffgeologin in der Deutschen Rohstoffagentur (DERA), betonte, dass die pandemiebedingten Lieferengpässe die Industrie vor große Herausforderungen stellen. Die Nachfrage nach Industrierohstoffen sei weiter hoch. Gleichzeitig herrsche Containerknappheit in Asien. Es gebe ferner Staus an den europäischen, chinesischen und US-amerikanischen Häfen. Die Lieferketten leiden zudem unter Personalengpässen.

Maren Liedtke zufolge erschwerten die durch Corona verursachten globalen Frachtprobleme einen raschen Rohstoff- und Materialtransfer – so unter anderem von China nach Europa. Neben stark gestiegenen Frachtkosten hätten sich Fracht- und Wartezeiten für die Abfertigung verlängert.

Liedtke verwies abschließend auf die Vielzahl neuer Technologien, die den Roh-stoffbedarf der Unternehmen veränderten. So seien beispielsweise zahlreiche „Hightech-Rohstoffe, die für die Energie- und Mobilitätswende sowie für die Digitalisierung benötigt werden, Neben- und Sondermetalle mit heute kleinen Märkten“. Für die deutschen Industriefirmen bedeute dies, ihre Einkaufsstrategie gegebenenfalls zu überdenken und neu auszurichten. Hierzu zähle auch eine breitere Diversifizierung von Lieferquellen außerhalb Chinas.

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