
Die Rems-Murr-Kliniken (RMK) verfügen über die modernste europäische Laborstraße. Am Standort Winnenden steht nun die erste Laborautomation der Serie „FlexLab X“ von Siemens Healthineers in einem deutschen Krankenhaus. Am Klinikstandort Schorndorf wurde das Satellitenlabor ebenfalls mit korrespondierender Technik ausgerüstet und mit dem Winnender Standort vernetzt.
Die Laborstraße besteht aus über 16 Modulen, die von Klinikteams aus Medizintechnik, Technik, IT und Labor individuell geplant, installiert und getestet wurden. Nun hat die Laborautomation den 24/7-Betrieb aufgenommen.
Dr. Dr. Hannes Wickert, standortübergreifender Chefarzt der Laboratoriumsmedizin im RMK, hat den Aufbau begleitet. Er zieht ein positives Resümee: „Die Implementierung hat von der Planung bis zum Test- und Echtbetrieb super geklappt.“ Für maximale Sicherheit wurde die bisherige Straße nicht komplett abgebaut, sondern im Parallelbetrieb gearbeitet, bis die neue Anlage im Mai dann komplett übernehmen konnte.
Wie funktioniert die Laborstraße?

Aus der Rohrpost kommen mit Blut gefüllte Röhrchen im Labor an. Fachkräfte befördern diese in das Schüttmodul der FlexLab-X-Straße. Danach läuft alles automatisiert: Roboterarme greifen die Röhrchen und drehen sie. Der Barcode wird automatisch gelesen und die Probe zugeordnet. Dann durchläuft die Probe weitere Stationen wie Sortierer, Zentrifugen, Probenöffner, verschiedene Misch- und Messmodule und Versiegler. Die letzte Station ist ein Kühlarchiv, in das die Röhrchen samt Restinhalt wiederum vollautomatisch geschoben werden.
Der unsichtbare Nutzen
Von der Automatisierung profitieren sowohl die Mitarbeitenden als auch die Patientinnen und Patienten. „Mit der neuen Labortechnik erhalten wir schnellere und genauere Ergebnisse, sodass die Behandlung so rasch wie möglich starten kann“, erklärt Wickert. Außerdem werde die Fehlerquote minimiert sowie die Rückverfolgung optimiert. Durch weniger Bedarf an Platz, Reagenzien und Probenmaterial können Ressourcen gespart werden. Ein weiterer Vorzug ist die längere Haltbarkeit im neuen Kühlarchiv. „Somit können die Fachkliniken bis zu sechs Tage noch Labor-Analysen nachfordern, ohne dem Patienten erneut Blut abnehmen zu müssen“, erläutert Wickert.
„Die standortübergreifende Versorgungsleistung im Labor als interdisziplinäre Schnittstelle für Diagnostik und Therapie ist so wichtig in einem Krankenhaus“, ergänzt Mertel. Durch die Anpassung an den medizinischen Fortschritt will das Klinikum optimale diagnostische Möglichkeiten einsetzen und wirtschaftliche, zukunftssichere Prozesse etablieren.
Investitionen trotz Konsolidierung?
Erst im April 2026 hat der Klinikverbund das zweite Konsolidierungspaket beschlossen. Dadurch soll das Klinik-Defizit auf weniger als 20 Millionen Euro gesenkt werden. Im selben Monat wurde die Weiterentwicklung der 2017 etablierten Medizinkonzeption inklusive der Laborautomation auf den Weg gebracht. Wie geht das zusammen?
Zum einen ist das neue Labor gleich teuer wie das bisherige. „Mit der Laborstraße arbeiten wir wie bisher nach dem Pay-per-Use-Modell. Wir zahlen neben einer Basismiete nur, was wir tatsächlich an Leistungen abnehmen und nutzen“, erklärt Klinik-Geschäftsführer André Mertel.
Zum anderen bewältige man Krisen nicht mit „Zaudern und Kaputtsparen“. Stattdessen gilt es, an den richtigen Stellen zu konsolidieren oder in die Zukunft zu investieren. „Die Zeiten sind hart und die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung groß. Aber wir schauen gerade in dieser Situation nach vorne“, sagt der Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Richard Sigel.
Fazit und Ausblick
„Mit der neuen Laborautomation haben wir echte Pionierarbeit für die kommenden zehn Jahre geleistet und arbeiten in der Diagnostik auf dem Niveau der Universitätskliniken“, sagt Wickert zufrieden.
Darauf will sich Geschäftsführer Mertel nicht ausruhen. Diesen Sommer soll eine mögliche Weiterentwicklung der Laborlogistik über Drohnen getestet werden. Dies könnte die Vernetzung der Standorte schneller, sicherer und unabhängiger vom Verkehr auf teils überlasteten Straßen machen.
Zahlen aus dem Labor
Für das RMK-Labor arbeiten 22 Mitarbeitende in Winnenden und neun Mitarbeitende in Schorndorf. Das Labor ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr besetzt. Pro Jahr werden 3 Millionen Laboranalysen durchgeführt und Patientinnen und Patienten aller Fachdisziplinen mit rund 5000 Blutprodukten versorgt.




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