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Logistik

Supply Chain Management vom klinischen Prozess gedacht

Warum bei aller Technik auch die Menschen mitgenommen werden müssen, um Prozesse effektiv zu gestalten, Kosten zu senken und Erlöse nachhaltig zu steigern.

Zahnrad

AdobeStock/Mr Twister

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Logistik 4.0, Blockchain, Smart Devices, RFID – nur um ein paar aktuelle Megatrends der Logistik zu nennen. Dass vieles davon grundsätzlich funktioniert und den Gesamtprozess deutlich verbessern kann, steht außer Frage. Auch viele Kliniken setzen sich derzeit mit diesen Themenfeldern auseinander, um auf der Suche nach Prozessoptimierungen und Kostenreduzierungen erfolgreich zu sein. Aber lassen sich diese Megatrends der Industrie ohne Weiteres in der Kliniklandschaft implementieren.

Heilt Technik einen kranken Prozess? In der Praxis der meisten Kliniken zeigen sich nach wie vor häufig insuffiziente Prozesslandschaften, die Folge einer über Jahrzehnte gepflegten Versäulung der Organisationstruktur sind. Ob das klassische Triumvirat in der Führung mit Arzt, Pflege und Kaufmann oder die bereichsbezogenen Interessen einzelner Abteilungen – beides ist nicht gerade förderlich für effiziente und durchgängige Prozesse. Und so wundert es auch nicht, dass die Frage nach der Häufigkeit der Jour-fixe zwischen OP-Personal und Einkaufs- und Logistikabteilung mit selten oder nie beantwortet werden.

Bestandsgeführte OP-Lager oder der flächendeckende Einsatz von Logistikversorgungsassistenten sind ebenso noch lange nicht selbstverständlich. Selbst das aus dem Alltag bestens bekannte Scannen von Materialien stellt viele Kliniken noch immer vor große Herausforderungen. Und dass Faxe und E-Mails häufig den höchsten Anteil der elektronischen Kommunikation darstellen, spricht für sich. Ohne Kliniken gäbe es sicherlich schon lange keine Faxgeräte mehr. Dabei liegt die Lösung für ein echtes Management der Lieferkette, dem Supply-Chain-Management, buchstäblich auf dem OP-Tisch.

Komplette Lieferkette ist steuerbar

Für jede der rund 90% elektiven Operationen gibt es einen OP-Standard, der meist umfangreiche Angaben zum einzusetzenden Material beinhaltet. Auch für die restlichen rund 10% Notfälle liegen in der Regel alle Materialien vorgerichtet auf Notfallwagen vor. Werden diese Daten fachgerecht aufbereitet, sprich die Materialnummer, REF und exakte Menge erfasst, kann über diese Informationen die komplette Lieferkette gesteuert werden.

Zunächst durch die Kopplung des OP-Programms mit den jeweils benötigten Materialien, um eine IT-gestützte Kommissionierung durch pflegefremdes Personal zu ermöglichen. Aus der Verbrauchsdokumentation lassen sich dann automatisierte Bestellanforderungen generieren. Basierend auf den geplanten Jahreseingriffszahlen können auch die Lieferanten somit frühzeitig ihre Produktions- und Lagermengen planen.

Standardisierte Eingriffsstücklisten wirken positiv

Damit wird die auch rechtlich bereits bei vielen Materialien notwendige Dokumentation zum Initial der gesamten Lieferkette. Bei Ist-Analysen in Kliniken wurden bis zu 70 einzelne Prozessschritte eruiert, um den Prozesskreislauf von der Bedarfsermittlung bis zur Lieferung und abschließenden OP-Dokumentation abzubilden. Durch den Einsatz moderner IT und der Reduzierung der fragmentierten Arbeitsabläufe hin zu einem durchgängigen Gesamtprozess lassen sich daher erhebliche Einsparpotentiale erzielen.

Sehr positiv haben sich auch standardisierte Eingriffsstücklisten und die Verwendung von OP-Komplettsets auf die Prozessoptimierung ausgewirkt. Werden die gewonnen Zeitressourcen konsequent an die OP-Pflege zurückgegeben, steigen die OP-Kapazitäten und die Erlössituation der Klinik verbessert sich nachhaltig. Erfolgreich sind derartige Optimierungen allerdings nur, wenn Ärzte und Pflege frühzeitig mit in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. Und nur ein vorher gesunder Prozess wird auch ein effektiver IT-gestützter Prozess werden.

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