Sana Web Dialog 2020„Zusammenarbeit im Einkauf ist kein Alleingang“

Eine Webkonferenz zu aktuellen Themen der Gesundheitsbranche und speziellen Herausforderungen der Kliniklandschaft: Der Sana Dialog 2020 öffnete den Blick über das Krankenhaus hinaus. Ethische, gesellschaftliche und politische Fragen standen am 14. September auf der Agenda.

Sana Web Dialog 2020
Stefan Deigmann
Christoph Matt (Leitung IT Einkauf & Logistik, Sana Einkauf & Logistik GmbH) und Lennart Eltzholtz (Geschäftsführung Sana Einkauf & Logistik GmbH) im Gespräch mit Adelheid Jakobs-Schäfer (Generalbevollmächtigte, Sana Kliniken AG). Die Moderation übernahm Dr. Clemens Jüttner (rechts).

Das doppelsinnige Motto der Veranstaltung war schon im Herbst 2019 gesetzt: MehrWERTE. Warum dieser Titel? Der Wandel in Gesellschaft und Gesundheitssystem berührt ethische Fragen. „Mehr Werte“ sind gerade im Gesundheitswesen gefordert. Zugleich sind die „Mehrwerte“ des Klinikeinkaufs gefragt – als Effizienzgewinn, für Synergien oder mehr Wirtschaftlichkeit.

Die Corona-Pandemie hat 2020 die Gesellschaft, das Gesundheitssystem, die Klinik und den Bereich Einkauf und Logistik stark verändert. Steigende Infektionszahlen und die weltweit wachsende Nachfrage bei Medizinprodukten stellen die Routinen der Klinikversorgung noch immer täglich auf den Prüfstand. Gleichzeitig haben Digitalisierungsdefizite und globale Fehlentwicklungen der Supply Chain den Klinikeinkauf in der Krise eingeholt.

Patientenversorgung: Krankenhäuser in der Krise?!

Adelheid Jakobs-Schäfer, Generalbevollmächtigte Einkauf und Logistik, Sana Kliniken AG, wies darauf hin, dass gerade in der heißesten Pandemiephase die Mitarbeiter des Klinikeinkaufes täglich erleben konnten, was belastbare Partnerschaften zu leisten vermochten und wie entscheidend Werte – wie etwa Solidarität und Fairness – bei der Verteilung knapper Produkte seien. Dr. Meinrad Lugan, Vorsitzender des BVMed-Vorstands und Mitglied des Vorstandes der B. Braun Melsungen AG, würdigte die enorme Leistung angesichts der Krise: „Da hat ein System als Ganzes schon bewiesen, wie leistungsfähig es sein kann, wenn es sein muss.“

Die Fokussierung aller Beteiligten auf die gemeinsame Aufgabe betonte Andreas Westerfellhaus, der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung: „Insbesondere zu Beginn der Pandemie lagen die größten Herausforderungen darin, genügend Schutzausrüstung zu besorgen. Für wirtschaftliche Interessen und Optimierungspotenziale blieb da kein Platz.“ Stattdessen sei es gerade in der Pandemiesituation darum gegangen, „gemeinsam die Krise zu meistern, im Austausch zwischen Krankenhäusern, der Industrie und der Politik“, bilanzierte Dr. Jens Schick, Vorstand der Sana Kliniken AG. Inwieweit das Eingreifen der Politik in Lieferketten immer nützlich war, das sei gewiss in der Rückschau noch zu diskutieren. In seinem Beitrag „Schlechte Zeiten erfordern bessere Konzepte“ warb er zugleich dafür, Lehren aus dieser fordernden Zeit zu ziehen und diese Erfahrungen auch an die Entscheidungsträger zu adressieren.

Auf schnelle Lösungen zu setzen, davor warnte Adelheid Jakobs-Schäfer in ihrem Impulsvortrag „Bessere Konzepte brauchen Nachhaltigkeit im Einkauf“. Die drastische Kontingentierung durch die Industrie sei für die Kliniken vollkommen neu gewesen, habe aber letztlich eine sichere Patientenversorgung erst ermöglicht. Sie appellierte an die Teilnehmer: „Das ist eine großartige Leistung. Und lassen Sie uns die nicht runterspielen.“ Nun sei die Zeit, konzentriert und mit Weitsicht die Veränderungen zu schaffen, damit sich Lieferengpässe nicht wiederholten.

Zusammenarbeit im Einkauf ist kein Alleingang

Lennart Eltzholtz, Geschäftsführer der Sana Einkauf & Logistik GmbH, forderte für den Weg aus der Krise mehr Flexibilität, Fairness und Solidarität. Er nannte ein Beispiel: „96 Geschäftspartner haben bereits zugestimmt, in diesem Jahr die Konditionen für die Kliniken einzufrieren, obwohl gegebenenfalls die Mengen nicht erreicht werden.“ Für die Kliniken bedeute das „mehr Planungssicherheit in einem wirtschaftlich schweren Jahr.“ Auch und gerade das Thema Verbindlichkeit zeige: „Zusammenarbeit im Einkauf ist kein Alleingang.“

Aus Sicht der Klinikapotheken präzisierte Stefan Bode, Leitung Strategischer Einkauf Pharma, Blut, Labor, Sana Einkauf & Logistik GmbH, diese Einschätzung: „Die Apotheken haben längst begriffen, mit welchen Instrumenten sie zur Liefersicherheit beitragen und dass dies keine einseitige Verhaltensänderung ist.“ Sein Beitrag „(Aus)Geliefert?! Perspektiven der Apothekenversorgung“ beschrieb neben dem Status Quo der Lieferausfälle einen gangbaren Weg: „Wenn wir verbindlich agieren und uns an Vereinbartes halten, bewegen wir schon eine ganze Menge.“ Schließlich gehe es immer um den gemeinsamen Auftrag, die Versorgung der Patienten zu sichern.

Wie sieht die zukünftige Versorgung der Kliniken aus? Gestiegene Qualitätsvorgaben und hoher Investitionsbedarf fordern Kliniken heraus. „Da macht man Krankenhausvollversorgung nicht mehr nebenbei, denn sie erfordert eine umfangreiche Reorganisation und digitale Transformation“, betonte Andreas Melchert, Leiter Lager & Logistik, Sana Einkauf & Logistik GmbH. In diesem wachsenden Geschäftsfeld gehörten bereits 32 Kliniken zu den Kunden, die von digitalen Prozessen und erprobten Lösungen profitierten.

„Digitalisierung der Krankenhauswelt und Lieferketten? In der Pandemie ist die Misere noch einmal deutlicher sichtbar geworden.“ So pessimistisch leitete Christoph Matt, Leitung IT Einkauf & Logistik, Sana Einkauf & Logistik GmbH, sein Statement ein. Den Weg aus der Misere stellte er unter dem Titel „Kooperation: Das Digitale hält uns zusammen“ vor. Er zeigte IT-Tools und Entwicklungen für den Klinikeinkauf und die Geschäftspartner, zum Beispiel das Kooperationsportal und das Produktinformationsmanagement­system. „Mehrwerte für alle. Das ist unser Anspruch an IT-Lösungen.“

Zukunftssicherheit

Die Veranstaltung präsentierte ein „Zukunftspapier“, das Sana Einkauf & Logistik aus der Erfahrung der COVID-19-Krise gemeinsam mit Kliniken, Industrie und Branchenverbänden erstellt hat. Seine These „Auf das WIR kommt es an“ ist die gemeinsame Vision einer zukünftigen Krankenhausversorgung. Das Zukunftspapier enthält ein umfangreiches Feedback aus der Kooperation. Es wurde im Rahmen des Dialogs mit dem BVMed-Vorsitzenden, Dr. Meinrad Lugan, und dem Geschäftsführer des BVMed, Dr. Marc-Pierre Möll, diskutiert. Beide plädierten dafür, mit der Erfahrung der Pandemiesituation keine nationalen Alleingänge zu starten: „Wir müssen europäisch denken. Vielleicht sogar darüber hinaus global“, mahnte Dr. Marc-Pierre Möll.

Welche Orientierung geben uns Werte auf dem Weg in die „neue“ Kliniknormalität? Patientenwohl und Wirtschaftlichkeit – wie können wir ethisch entscheiden und ehrlich bleiben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Thomas Lemke, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG in seinem Beitrag „So wollen wir handeln: Zukunft braucht mehr denn je Werte“. Mit dem Ende der ersten Pandemiewelle habe eine maßlos polarisierende Verteilungsdiskussion begonnen. „Die individuellen Interessen werden wieder stärker in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt.“ Thomas Lemke warb dafür, jetzt maßvoll und kompromissbereit zu agieren: „Wir werden diese Herausforderungen nur meistern können, wenn wir alle von unseren Einzelinteressen ein Stück weit zurücktreten. Und wenn wir uns öffnen, für neue Kooperationen, für ein gemeinsames Miteinander.“ 

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