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Corona als Zäsur

BME präsentiert Trends in Einkauf, Logistik und SCM

Laut dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) stellt die Corona-Krise Einkäufer und Logistiker vor große Herausforderungen. Abhilfe könnte ein lückenloses Supply Chain Risk Management schaffen.

Zahnrad

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Symbolfoto

Die Covid-19-Pandemie hinterlässt deutliche Spuren in der deutschen Wirtschaft und trifft diese härter als noch im Frühjahr angenommen. Das wird bei einem Blick in das Herbstgutachten der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute klar. Darin revidieren die Konjunkturexperten von DIW, ifo, IfW, IWH und RWI ihre Prognose für 2020 und 2021 um jeweils gut einen Prozentpunkt nach unten. Sie erwarten nun für dieses Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 5,4 Prozent (bislang -4,2 Prozent) und für 2021 einen Zuwachs um 4,7 Prozent (5,8 Prozent). 2022 dürfte die Wirtschaftsleistung dann um 2,7 Prozent zulegen.

Das Vorkrisenniveau der Wirtschaftsleistung wird voraussichtlich erst Ende 2021 erreicht. Die Wirtschaftsleistung liegt dann 2,5 Prozent unter dem Niveau, das ohne die Pandemie hätte erbracht werden können. Erst Ende 2022 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder normal ausgelastet sein. Das größte Risiko für die Prognose bleibt der ungewisse Pandemieverlauf. Die Institute nehmen an, dass die Infektionsschutzmaßnahmen im Verlauf des kommenden Sommerhalbjahrs soweit gedrosselt werden können, dass sie die ökonomische Aktivität nicht mehr nennenswert beeinträchtigen.

Rohstoffe 

Die zweite Corona-Welle ist an den Rohstoffmärkten angekommen – zumindest was die Stimmung und die Preisentwicklung angeht. Von Preisrückgängen waren nach Einschätzung von Marktbeobachtern in den vergangenen Wochen nicht nur die konjunktursensitiven Bereiche Energie und Industriemetalle betroffen, sondern auch die Edelmetalle. Bei Letzteren habe wohl die Aufwertung des US-Dollars den Ausschlag gegeben, während die restlichen Rohstoffmärkte eher von den Sorgen um einen nochmaligen Nachfrageeinbruch im Zuge der anrollenden zweiten Corona-Welle beeinflusst wurden.

Eine genaue Einschätzung der Lage ist zurzeit schwierig. Auf der einen Seite zieht die weltweite Industrieproduktion inzwischen schon wieder spürbar an. Auf der anderen Seite sind die Risiken für weitere wirtschaftliche Einschränkungen aufgrund der zweiten Corona-Welle in den vergangenen Wochen gestiegen. Trotz dieser Unwägbarkeiten rechnen Analysten aber weiterhin damit, dass die Rohstoffpreise in den nächsten Monaten moderat zulegen werden. Die Kurse dürften auch durch die wieder Schwung aufnehmende chinesische Volkswirtschaft und den damit einsetzenden Rohstoffbedarf im Reich der Mitte befeuert werden. 

Die Prognosen gelten aber nur unter der Annahme, dass es weder zu länger anhaltenden Lockdowns noch zu einer weiteren globalen Rezession kommt. Klar ist angesichts der volatilen Märkte und dem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld, dass sich die Abwärtsrisiken für die Rohstoffpreisentwicklung erhöht haben.

Logistik und Supply Chain Management

Fehlendes Material, Container unter Quarantäne, stark schwankende Nachfrage: Für Supply Chain Manager bedeutet die Covid-19-Pandemie eine immense Herausforderung. Das macht neue logistische Ansätze erforderlich. Als größtes Problem zeigt sich, dass Wertschöpfungsketten nicht mehr ineinandergreifen. Denn zum einen verändern sich Bestände unkontrolliert durch Produktionsstopps, andererseits entstehen Engpässe innerhalb der Supply Chains in Regionen, in denen die Pandemie versetzt eingetreten ist. Gleichzeitig kommt es teilweise zu starken Nachfrageinbrüchen oder einem sehr starken Anstieg der Nachfrage.

Mehrere im ersten Halbjahr 2020 durchgeführte BME-Mitglieder-Umfragen haben ergeben, dass die Bildung spezieller Task Forces unter Führung des SCM ein wirkungsvolles Instrument zur Krisenabwehr darstellen können. Diese Sonderteams setzen sich analog zu den Unternehmensbereichen zusammen. Innerhalb dieser Einheit sollten Kollegen aus allen Bereichen wichtige Informationen zu Kapazität, Losgrößen, Beständen, Workflow und Mitarbeitereinsatz bewerten und entscheiden. Das lückenlose Managen von Risiken entlang der gesamten Lieferkette ist allerdings bisher nur in wenigen Unternehmen fest verankert. Häufig gibt es dort keine eigene Organisationseinheit für „Supply Chain Risk Management“ (SCRM).

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