
Die Patientensicherheit ist das wichtigste Kriterium im Krankenhaus. Daher sind die Arzneimittelversorgung und insbesondere die Arzneimitteltherapiesicherheit hochsensible Themen. 58 Prozent sämtlicher Medikationsfehler in Deutschland sind potenziell vermeidbar. Des Weiteren lässt sich eine Quote von 4,21 Prozent von ermittelten Medikationsfehlern durch eine Umstrukturierung im Sinne eines Closed-Loop-Medication- Managements auf 0,24 Prozent senken. Aus diesem Grund setzen Krankenhausapotheken immer häufiger auf automatische Unterstützungssysteme. Dies umfasst beispielsweise den Einsatz von Packungskommissionierern oder Unit- Dose-Automaten.
In Abhängigkeit der Automatenauswahl werden in der Krankenhausapotheke verschiedene Automatisierungsgrade angestrebt, welche zu unterschiedlichen Versorgungsstrategien führen. Im Rahmen der konzeptionellen Ausgestaltung führt die Einführung eines CLMM in Verbindung mit Unit-Dose somit zu unterschiedlichen Prozessen mit verschiedenen Nachhaltigkeitsbewertungen.
Versorgungskonzepte und Umsetzungsstrategien
Das geschlossene Medikationsmanagementsystem erhöht die Patienten- und Arzneimitteltherapiesicherheit. Gleichzeitig werden sowohl die Prozesse von der Krankenhausapotheke bis zum Patientenbett digitalisiert und automatisiert als auch die Pflegefachkräfte durch das Wegfallen des Medikamentenstellens entlastet. Dadurch erfolgt eine Auslagerung der stationsseitigen Tätigkeiten, die zu neuen Aufgaben und Prozessen innerhalb der Apotheke führen. Die Einführung eines CLMM erfordert somit die Berücksichtigung von verschiedenen Komponenten. Neben der Entscheidung über das Versorgungskonzept, welches maßgeblich die Apothekenprozesse bestimmt (Vereinzelung, Kommissionierung, Kontrolle, Transport), ist eine Umplanung der weiteren Prozesse (Verordnung, Verabreichung, Retour/ Verwurf), der Flächen und die Einführung von IT-Software (Verordnung, Verabreichung, Schnittstelle Materialwirtschaft und KIS) notwendig.
Die Umplanung von der traditionellen Versorgung hin zu einer CLMM-Versorgung erfolgt in der Regel mit der Bestimmung der Versorgungsstrategie sowie der Festlegung des Automatisierungsgrades der zukünftigen Apotheke. Dazu gibt es diverse Strategieansätze und Automaten auf dem Markt, welche eine patientenindividuelle Verblisterung der Arzneimittel ermöglichen. Im Rahmen einer Nachhaltigkeitsbewertung von Unit-Dose sind sämtliche genannten Aspekte von besonderer Bedeutung.
Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
Der Begriff der Nachhaltigkeit hat sich in vielen Bereichen, wie der Wirtschaft, der Politik und der Öffentlichkeit etabliert. Dabei wird die Nachhaltigkeit häufig mit dem Bewusstsein für ökologisches Handeln gleichgesetzt, obwohl sie mehr als den ökologischen Aspekt umfasst. Die Bereiche Soziales, Ökologie und Ökonomie bilden das Fundament der Nachhaltigkeit. Diese drei Bereiche werden durch das Nachhaltigkeitsdreieck in ein gleichgewichtetes Verhältnis zueinander gesetzt (Abb. 1). So wird durch die nachhaltige Gestaltung von Prozessen, Systemen oder Organisationen eine langfristige Nutzung vorhandener Ressourcen angestrebt, ohne eine dauerhafte Schädigung hinsichtlich sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte herbeizuführen.

Da die Unit-Dose-Versorgung in Krankenhäusern stetig an Relevanz gewinnt, unter anderem getrieben durch den Fördertatbestand „Digitales Medikationsmanagement“ des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG), ist der Nachhaltigkeitsvergleich zwischen der traditionellen Arzneimittelversorgung und der Unit-Dose-Versorgung bedeutend für die Einordnung der neuen Versorgungsart Unit-Dose. Für eine detaillierte Durchführung dieses Nachhaltigkeitsvergleiches sind eine Vielzahl an Kriterien zu berücksichtigen, die jeweils in die Bereiche Soziales, Ökologie oder Ökonomie einzuordnen sind. Abb. 2 stellt eine beispielhafte Basisbewertung von Unit-Dose dar, in der die blaue Linie die traditionelle Versorgung illustriert und die farbigen Linien die relative Veränderung beschreiben. Die drei nachfolgenden Kriterien wurden ausgewählt, um einen Einblick in die Untersuchungen der einzelnen Kriterien zu verdeutlichen.
Verpackungsabfall (Ökologie)
Zur Berechnung des anfallenden Verpackungsabfalls für Unit-Dose nach einer Beispielrechnung von Baehr dienen die Anzahl der vollstationären Patienten (33 688 Patienten pro Jahr), die durchschnittliche Verweildauer eines Patienten (6,9 Tage pro Patient) sowie die durchschnittlich bereitzustellende Arzneimittelanzahl (12 Arzneimittel pro Tag und Patient). Weiterhin findet die Betrachtung des Verpackungsabfalls unter Verwendung der Multi-Dose-Strategie statt (durchschnittlich 3 Arzneiformen pro Pouch [Schlauchbeutel]) und mit der Annahme, dass etwa 57 Prozent der Arzneimittel als Schüttware erhältlich sind.
Patientenkommunikation / Prozesstransparenz (Soziales)
Die Arzneimittelabgabe in der traditionellen Versorgung erfolgt mithilfe eines Dispensers, der einzelne Fächer für die einzunehmenden Medikamente enthält. Diese sind mit den jeweiligen Einnahmezeiträumen (Morgen, Mittag, Abend, Nacht) gekennzeichnet, sodass dem Patienten sehr wenige Informationen über die einzunehmenden Arzneimittel sowie deren korrekte Einnahme vorliegen. Aus dieser Gegebenheit können schnell Fehler bei der zeitlichen und anwendungstechnischen Einnahme auftreten. Die Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit wird hingegen durch die Unit-Dose-Versorgung aufgrund des transparenten Prozesses durch die Einbeziehung der Apothekerinnen und Apotheker in der Medikation sowie der automatischen Bereitstellung der Arzneimittel durch einen Automaten unterstützt. Auch werden durch den Aufdruck auf den Pouches in der Unit-Dose-Versorgung dem Patienten viele Informationen, zum Beispiel das einzunehmende Arzneimittel, deren Dosis sowie der korrekte Zeitpunkt und die Art der Einnahme, mitgeteilt. Aufgrund dieser Prozesstransparenz kann das Risiko hinsichtlich einer fehlerhaften Arzneimitteleinnahme minimiert werden.
Automatisierungsgrad (Ökonomie)
Der Hauptunterschied zwischen beiden Versorgungskonzepten ist der Automateneinsatz zur patientenindividuellen Verblisterung (Vereinzelung, Kommissionierung, Kontrolle) in der Unit-Dose-Versorgung. Während in der traditionellen Versorgung die Kommissionierung der Arzneipackungen, das Stellen der Arzneimittel in die Dispenser und die Kontrolle mitsamt den erforderlichen Prozessschritten manuell abläuft, geschieht die Kommissionierung, Bereitstellung und Kontrolle der patientenindividuellen Pouches in der Unit-Dose-Versorgung automatisch. Aus dem höheren Automatisierungsgrad resultiert ein geringerer Kommissionier-, Bereitstellungs- und Kontrollaufwand für die Mitarbeiter, sodass die Arzneimittelbereitstellung im Sinne der Prozesskosten effizienter erfolgt. Um eine prozentuale Aussage über eine mögliche Reduzierung der Prozesskosten für die zuvor genannten Prozessschritte nennen zu können, ist eine Betrachtung auf quantitativer Basis vorzunehmen.

Fazit
Die Umstellung von der traditionellen Versorgung auf die Unit-Dose-Versorgung kann als nachhaltig bewertet werden, jedoch können unterschiedliche Umsetzungsstrategien verfolgt werden, die individuell auf das Krankenhaus anzupassen sind. Somit sind bei einer Nachhaltigkeitsbewertung von sozialen, ökologischen und ökonomischen Kriterien je nach Krankenhaus unterschiedlich starke Ausprägungen zu erwarten.
Insgesamt ist der standardisierte und digitalisierte CLMM-Prozess zusammen mit Unit-Dose eine wichtige Basis für die Implementierung stabiler und nachhaltiger Prozesse im Krankenhaus und stellt einen weiteren Pfad auf dem Weg zum Green Hospital dar. Ebenso führt die Integration von Unit-Dose und CLMM zu einer transparenten Informationsweitergabe und dies wiederum zu einer gesteigerten Arzneimitteltherapiesicherheit.




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