kma Online
Bergisch Gladbach

Vom Anlagenbauer zur Schutzkittelproduktion

Normalerweise verlassen Anlagen zum Folienschweißen die Fabrikhallen von Joke Folienschweißtechnik in Bergisch Gladbach. Initiiert durch einen Aufruf der regionalen Wirtschaftsförderung, zeigte das Unternehmen Kreativität und Engagement. Jetzt können an sieben Tagen pro Woche circa 60 000 Einweg-Schutzkittel produziert werden.

Joke FS Produktionsstraße

Joke Folienschweißtechnik

Erste deutsche Produktionsstraße für Schutzkittel in Betrieb genommen.

Statt Anlagen und Geräte zum Folienschweißen, verlassen zur Zeit rund 60 000 Einweg-Schutzkittel täglich die Fabrikhallen von Joke Folienschweißtechnik in Bergisch Gladbach. Der Spezialist für Anlagenbau hat innerhalb von 10 Tagen aufgrund der Corona-Krise auf Produktionsbetrieb umgestellt.

Mit Gesundheitsamt, Krankenhäusern und Feuerwehr gab es von der ersten Minute an und bei der Produktion der ersten Prototypen einen engen Austausch. Hinweise von den Anwendern flossen in die Konstruktion ein. Deshalb sind sie am Rücken offen und werden zugeschnürt. Denn bei einem geschlossenen Modell müssten sie über den Kopf ausgezogen werden – das macht keiner freiwillig mit einem „kontaminierten“ Stück. Angesichts der hohen Bedarfe war auch klar, dass nur eine intelligente, automatisierte und leistungsfähige Anlage eine nachhaltige Lösung ist.

Hohes Investment und viel Know-how nötig

Die Schutzkittel sind gefertigt aus 40 µm starker, lebensmittelechter MDPE-Folie – auf Wunsch auch mit stärkerem Material. Die Folie wird aus Rollenware geschnitten, geschweißt und zum Kittel gestanzt. Das bestehende Wissen aus 80 Jahren Erfahrung war Grundvoraussetzung für den Aufbau dieser Fertigungsstraße. Um das Vorhaben innerhalb von 10 Tagen zu realisieren, mussten Module von drei bereits gefertigten Anlagen zusammengesetzt werden – selbst über die Osterfeiertage waren die Maschinenbauer, Ingenieure und Techniker bei Joke FS fleißig.

Auf Lager und lieferfähig

Nicht nur die Produktionsanlage, auch die gesamte Logistik musste von null an aufgesetzt werden. Eine komplette Halle wurde vorbereitet, um wöchentlich 400 Paletten lagern und liefern zu können. Drei-Schicht-Betrieb, Kartonagen für die Verpackung, Zwischenlagern, kleinteilige Lieferprozesse, ungewohnte Vertriebswege – all das waren neue Aufgaben für die Anlagenbauer.

Die schnelle Entscheidung für dieses Investment in einer siebenstelligen Höhe wird sich jedoch nur dann auszahlen, wenn nicht nur kurzfristig der enorme Bedarf abgedeckt wird, sondern auch mittel- oder langfristig eine Komplett- oder Teilauslastung für diese Anlage gewährleistet ist. Das Interesse des Staates und der Behörden scheint auch nach Corona für eine zukünftige, deutsche Produktion vorhanden. Die erste Bestellung von 200 000 Schutzkitteln durch den Rheinisch Bergischen Kreis hat dem Projekt sehr geholfen.

Zeitnah wird in drei Schichten an sieben Tagen produziert. Damit ist Joke in großen Teilmengen lieferfähig. So können möglichst viele Anfragen zufriedengestellt werden. Nach Produktionsanlauf werden über 400 000 Kittel pro Woche produziert.

Enger Dialog mit den Anwendern für weitere Entwicklung

Das Unternehmen wird die Lernkurve weiter steil halten. Schon jetzt gibt es die ersten Ideen für weitere Produkte. Vom geänderten Schnitt bis zu stärkerem Material ist alles möglich.

  • Schlagwörter:
  • Schutzkittel
  • Coronakrise
  • Joke Folienschweißtechnik

Kommentare (0)

Kommentar hinzufügen

Um einen Kommentar hinzuzufügen melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich.

Jetzt anmelden/registrieren