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Ausbildung

Der perfekte Einkäufer - von der Illusion zur Kompetenz

Die Diskrepanz zwischen den Anforderungen an einen Klinikeinkäufer und der Ausbildung, die ihnen in der Regel zu Teil wird, ist häufig enorm. Der perfekte Einkäufer muss dennoch keine Illusion bleiben.

AdobeStock / Jakub Jirsák

Symbolfoto

Die Medizintechnik-Branche verzeichnet ein jährliches Umsatzwachstum von durchschnittlich 4,2 Prozent und bringt im selben Zeitraum rund 7 000 neue Medizinprodukte auf den Markt. Die Summe von 4 Millionen Medizinprodukten ist in ihrer Komplexität zunehmend schwer zu handhaben. Die Bewertung von Innovationen vor dem Hintergrund der geforderten Qualität und Evidenz wird zur Gratwanderung für Klinikeinkäufer.

Die Balance zwischen Medizin und Ökonomie ist und bleibt die gravierendste Herausforderung. Denn die Schere zwischen Kosten und Erlösen in der Gesundheitsbranche geht immer weiter auseinander. Rechtliche Anforderungen und Sanktionierungen nehmen zu.

Ein Curriculum fehlt

Der Einkauf als Bindeglied zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Ökonomen muss befähigt werden, klinische Behandlungs- und Versorgungprozesse zu verstehen. Elementar ist in diesem Zusammenhang, die Akzeptanz des Einkaufs zu steigern – von der Materialwirtschaft bis hin zum strategischen Einkauf. Warum gibt es in Kliniken immer noch Materialwirtschafts- und Versorgungsleiter, die trotz ihrer Funktionsbezeichnung nicht den Status eines Abteilungsleiters haben und dennoch Millionenbudgets verantworten und Sachkosten steuern sollen?

Ähnlich wie bei Medizincontrollern sind im Klinikeinkauf unter anderen auch Quereinsteiger beschäftigt: Betriebswirte, Gesundheitsökonomen, Gesundheits- und Krankenpfleger, Logistikmitarbeiter oder mittlerweile auch Personal aus klinikfremden Branchen wie der Auto- und Lebensmittelindustrie. Es fehlt an ausreichenden Ausbildungs- oder Studieninhalten, welche auf die speziellen Anforderungen des Klinikeinkaufs vorbereiten.

Die künftigen Klinikeinkäufer sollten sowohl einen Überblick über den medizinisch-pflegerischen Leistungsprozess und die organisatorischen Klinikstrukturen als auch über die Grundlagen der Krankenhausfinanzierung haben. Dies kann über Hospitationen in den wichtigsten Organisationseinheiten ermöglicht werden, beispielsweise entlang des Patientenpfades – von der Aufnahme über den OP-Bereich oder die Pflegestation bis hin zum geregelten Entlassungsprozess.

Praktisches Wissen im Stationseinsatz vermitteln

Die Zeiten, in denen ausschließlich Mediziner den Einsatz von Produkten bestimmen, ändern sich gerade. Es muss Vertrauen zwischen Anwendern und dem Einkauf geschaffen werden. Die konstruktive Zusammenarbeit mit medizinischem und pflegerischem Personal ist die Basis für effiziente Einkaufs- und Beschaffungsprozesse. Die Anwender bestimmen die notwendige Qualität und Einkäufer kümmern sich um die Wirtschaftlichkeit. Angehende Klinikeinkäufer sollten daher an den verschiedenen Gremien wie Expertenpanels, Fachgruppen und Artikelkommissionen teilnehmen.

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