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Klinik Einkauf

Medical DevicesStart-up launcht digitale Krankenhauseinkauf-Plattform

Der Einkauf von Medizinprodukten soll für Kliniken mithilfe von KI einfacher und günstiger werden. Geplant sei der Aufbau der größten unabhängigen digitalen Einkaufsmarktplatz in Europa ohne Finanzierung durch die Medizinindustrie.

Digitale Prozesse
Mrmohock/stock.adobe.com

Symbolfoto

Kliniken, die Verbrauchsgüter wie Handschuhe und Masken oder medizinische Implantate beschaffen wollen, können dies künftig über eine neue digitale Plattform tun. Möglich werden soll dies über den Einkaufsmarktplatz von XMED iQ, der den Einkauf für Krankenhäuser mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) weiterentwickeln will.

Nach Angaben des Anbieters bietet bündelt bisher keine Plattform das europäische Einkaufsvolumen für medizinische Verbrauchsgüter (Medical Devices), das im Jahr 2020 ein Volumen von 140 Milliarden Euro betrug.

Bestehende öffentliche, nationale Einkaufsgemeinschaften (EKG) schrieben lediglich Verträge aus, die deren Klinik-Mitglieder mehr oder weniger berücksichtigen. Selbst bei europaweiten Ausschreibungen erhielten diese Gemeinschaften oft nur nationale Angebote, die sich am oft hohen Preisniveau des eigenen Landes orientieren. Generell variierten in Europa die Preise bis zum 10-15 fachen.

Kostensenkung für Kliniken angestrebt

Laut XMED iQ dominieren in den meisten Europäischen Ländern öffentliche EKG`s im Krankenhaus das Geschehen. Im größten europäischen Teilmarkt Deutschland, mit ca. 40 Milliarden Euro Marktvolumen, herrsche dabei eine paradoxe Situation: Ca. 70-80 Prozent der öffentlichen Klinikträger organisieren den Einkauf häufig über kommerzielle (d.h. nicht öffentlich-rechtliche) Einkaufsgemeinschaften wie Sana, Prospitalia oder Clinic Partner. Dort könne jedes Krankenhaus „vermeintlich kostenfrei“ Mitglied werden. Die Vergütung der Anbieter erfolgt anhand eines Prozentsatzes des Einkaufsvolumens des Krankenhauses: Je mehr Medizinprodukte eine Klinik bestellt und je teurer diese Produkte sind, desto höhere Kosten hat die Klinik – und durch die prozentuale Kostenkopplung erhält die kommerzielle Einkaufsgemeinschaft immer höhere Provisionserlöse durch die Medizinindustrie. Tatsächlich bezahlen also die Krankenhäuser indirekt durch ihr Einkaufsvolumen einen sehr hohen Preis.

Günstigster europäischer Preis

Dem will das Start-up entgegenwirken und einen neuen Weg mit finanziellen Vorteilen für die Kliniken einschlagen: durch die europaweite Bundelung aller Produkte und die Verhandlung hoher Volumina mit den europäischen Konzernzentralen der Medizinindustrie. Nach dem Aufkauf dieser Produkte auf eigene Rechnung werden sie an die Krankenhäuser weiterverkauft. Sämtliche Transaktionen laufen dabei über die voll digitalisierte Einkaufsplattform, von der Ausschreibung über den Handel bis hin zur Abrechnung. Über EU-konforme Ausschreibungen sollen die Krankenhäuser so immer den günstigsten europäischen Preis erhalten, ähnlich wie bei Amazon im Privatbereich - und ohne Provisionen von der Industrie.

Darüber hinaus setzt das Start-up erstmals den politischen Willen der EU-Kommission für Medizinprodukte durch einen gemeinsamen, grenzüberschreitenden Einkauf um („Joint Cross Border Procurement“). Mit der Richtlinie 2014/24 wurde der Rechtsrahmen für die öffentliche grenzüberschreitende Auftragsvergabe erheblich vereinfacht und praktisch alle zuvor bestehenden rechtlichen „Hürden" beseitigt.

 

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