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Im Gespräch mit Stefan Krojer

Was können Kliniken bei Lieferengpässen im Einkauf tun?

Aktuell haben Krankenhäuser mit Lieferengpässen bei Wunddrainagen zu kämpfen. Bei globalen Anbietern werden solche Versorgungslücken in Zukunft öfter entstehen, warnt Stefan Krojer, Leiter des strategischen Einkaufs des Johanniter Competence Centers. Im Gespräch mit kma erläutert er, wie Kliniken darauf reagieren können.

Stefan Krojer

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Stefan Krojer

Die Johanniter-Krankenhäuser haben derzeit mit Lieferengpässen zu kämpfen. Wo liegt das Problem?

Ein Beispiel sind Kit Packs und OP-Abdeckung, da haben wir alle zwei bis drei Wochen Lieferunregelmäßigkeiten, denen wir nur begegnen können, indem wir den Bestand erhöhen – was wir nicht wollen. Weil wir erstens keinen Platz dafür haben, und auch das Kapital dafür nicht binden wollen. Sie müssen dann oft auf verschiedenen Ebenen nachhaken – wir vom strategischen Einkauf als auch die Einkaufsgemeinschaften – und das dann wirklich endeskalieren lassen, sonst passiert da nichts. Das will man als Unbeteiligter erstmal gar nicht glauben.

In der Regel kündigen die Firmen das auch nicht langfristig an. Ein akutes Beispiel dafür sind Redon Wunddrainagen. Hier hat uns die Information, dass die Firma bis September nicht mehr liefern kann, erst Mitte Mai erreicht. Wir haben acht Krankenhäuser, die das unterschiedlich schnell mitbekommen haben. Die Alb Fils Kliniken und die meisten weiteren Kliniken haben dasselbe Problem.

Haben Sie Informationen darüber, warum es solche Lieferabrisse gibt?

Über die genauen Gründe lässt man uns meistens im Dunkeln, man stochert dann immer im Nebel. Offenbar haben die meisten Firmen technische Probleme in der Produktion oder Sterilisation. So zum Beispiel interne Probleme im Zusammenhang mit der örtlichen Verlagerung der Sterilisationseinheiten, die diese Redon Drainagen steril machen. Ein anderes Gerücht ist hier, dass man bei Engpässen zuerst jene Länder beliefert, in denen die Gewinnmargen deutlich höher sind und den deutschen Markt daher dann grundsätzlich erstmal hängen lässt.

Oder EU-weite Neuzertifizierungsprozesse ziehen sich in die Länge, sodass das Produkt nicht ausgeliefert werden darf. Das ist ein großes Problem gerade bei diesen Wunddrainagen, denn hier hat ein einziger Anbieter in Deutschland einen Marktanteil von 50 Prozent. Oft gibt es auch Probleme mit der Logistik. Hier arbeiten viele Firmen mit unzuverlässigen Subunternehmern. Entweder kommt die Ware erst gar nicht an, die Verpackung ist beschädigt oder die Sortierung der Ware auf den Paletten ist chaotisch.

Welche Konsequenz ergibt sich denn daraus, wie haben Sie darauf reagiert?

Ohne die Drainagen kann nicht operiert werden. Es gibt hier zwar Alternativlieferanten, allerdings beliefern die ihre Bestandskunden und können ihre Produktionskapazität nicht von heute auf morgen hochfahren, um diesen hohen Marktanteil abzudecken. Wir haben daher zunächst die Bestandssituation in unseren Krankenhäusern eruiert und das Problem dann an unsere Einkaufsgemeinschaft gespielt, die sozusagen als Multiplikator dient. Und die hat dann einen Ersatzlieferanten gesucht, der uns garantiert, dass er die Mitglieder dieser Einkaufsgemeinschaft versorgt.

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