
In Kliniken, Pflegeeinrichtungen und bei ambulanten Diensten hängt der Alltag entscheidend davon ab, dass benötigte Materialien zur richtigen Zeit in ausreichender Menge verfügbar sind. Dies betrifft insbesondere Artikel des täglichen Bedarfs: Untersuchungshandschuhe, Desinfektionsmittel, Inkontinenzprodukte oder Papierwaren gehören zu den Grundpfeilern funktionierender Abläufe – eine fehlende Verfügbarkeit kann die Versorgung massiv beeinträchtigen.
Globale Beschaffung – zwischen Spezialisierung und Risiko
Medizinische Produkte werden weltweit hergestellt. So entstehen Papierprodukte vorwiegend in Europa, während beispielsweise Untersuchungshandschuhe hauptsächlich in Südostasien gefertigt werden. Diese Struktur ermöglicht eine effiziente, kostengünstige und vielfältige Versorgung – birgt jedoch auch Risiken für die Versorgungssicherheit.
Untersuchungshandschuhe stehen exemplarisch für Warengruppen mit globaler Produktionsstruktur. Nitril- und Latexhandschuhe werden überwiegend in Südostasien produziert, wo spezialisierte Fertigungskapazitäten, die Verfügbarkeit von Rohstoffen und kosteneffiziente Prozesse zusammentreffen. Gleichzeitig machen diese regionalen Konzentrationen Lieferketten anfällig für externe Störungen: volatile Rohstoffpreise, Währungseffekte oder Engpässe in der Logistik wirken sich unmittelbar auf Verfügbarkeit und Kosten aus.
Aufträge vorausschauend bearbeiten
Unternehmen, die auf resiliente Beschaffungsstrategien setzen, begegnen diesen Herausforderungen durch eine konsequent diversifizierte Lieferantenbasis und regelmäßige Marktanalysen. Dabei werden nicht nur Preise und Produktionskapazitäten überwacht, sondern auch politische Entwicklungen, Transportverfügbarkeiten, Containerengpässe und andere Einflussfaktoren im jeweiligen Beschaffungsland.
Auf dieser Grundlage lassen sich Aufträge vorausschauend platzieren, saisonale Schwankungen abfedern und potenzielle Versorgungslücken frühzeitig vermeiden – zum Beispiel durch vorgezogene Bestellungen oder den gezielten Aufbau von Sicherheitsbeständen.
Gesetzliche Vorgaben und unternehmerische Verantwortung
Durch das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) sind viele deutsche Unternehmen verpflichtet, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken in ihren Lieferketten zu identifizieren, zu bewerten und zu minimieren. Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung gesetzlicher Standards, sondern auch um ein grundlegendes Bekenntnis zu nachhaltiger, verantwortungsvoller Beschaffung.
Unternehmen, die vom LkSG betroffen sind, setzen häufig digitale Lösungen ein, um ihre Lieferketten in Echtzeit zu überwachen. So lassen sich Anzeichen von Instabilität – etwa durch Produktionsverzögerungen, Naturereignisse oder wirtschaftliche Risiken – frühzeitig erkennen. In vielen Fällen ermöglicht dies eine schnelle Reaktion, beispielsweise durch Umschichtung von Aufträgen oder die Aktivierung alternativer Lieferanten.
Mehrlieferantenstrategie als Erfolgsfaktor
Ein zentrales Element zur Absicherung der Versorgung ist die sogenannte Mehrlieferantenstrategie. Ziel ist es, für alle kritischen Produkte mehrere qualifizierte Bezugsquellen in unterschiedlichen Regionen zu etablieren. Diese geografische Streuung erhöht die Resilienz: Fällt ein Produktionsstandort aufgrund externer Einflüsse aus, kann kurzfristig auf andere Lieferanten ausgewichen werden.
Unterstützt wird diese Strategie durch professionelle Bedarfsplanung: Mithilfe datenbasierter Forecasts lassen sich Bedarfe vorausschauend ermitteln, Produktionskapazitäten abstimmen und Transportprozesse effizient gestalten.
Eine zentrale Rolle spielen dabei internationale Sourcing-Organisationen, die Produktionsstätten regelmäßig nach sozialen, ökologischen und qualitativen Standards auditieren. Ergänzt wird dies durch Laborprüfungen der Ware, bevor sie verschifft und in die Versorgungskette eingespeist wird.
Logistik als strategisches Rückgrat
Die logistische Infrastruktur entscheidet maßgeblich darüber, ob eine resiliente Lieferkette in der Praxis funktioniert. Zentrale Lager, moderne Warenwirtschaftssysteme und schnelle Umschlagsprozesse sind Voraussetzung für eine flächendeckende, kurzfristig abrufbare Versorgung.
Viele Unternehmen nutzen dabei Cross-Docking-Prinzipien: Importierte Ware wird zentral entladen, für den Weitertransport vorbereitet und direkt an regionale Standorte oder Endkunden weitergeleitet. In Ausnahmefällen erfolgt auch eine Direktbelieferung bestimmter Kunden, um Zeit und Ressourcen zu sparen.
Längere Vorlaufzeiten bei internationalen Transporten werden häufig durch höhere Lagerbestände ausgeglichen – insbesondere bei Produkten mit strategischer Bedeutung oder hohem Verbrauch. Die Kombination aus Reichweitenüberwachung, regelmäßiger Bestandsanalyse und frühzeitigem Nachschubmanagement minimiert das Risiko von Versorgungsengpässen.
Nachhaltigkeit in der Lieferkette
Resiliente Lieferketten gehen Hand in Hand mit nachhaltigen Strukturen. Neben der Versorgungssicherheit stehen zunehmend Umwelt- und Sozialaspekte im Fokus. Dabei kommt es auf mehr als bloße Selbstverpflichtung an: Nur mit konkreten Maßnahmen, verlässlichen Partnerunternehmen und unabhängiger Prüfung lassen sich glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategien realisieren.
In vielen Fällen sind Nachhaltigkeitsteams damit beauftragt, Lieferanten nicht nur zu kontrollieren, sondern auch zu begleiten – etwa durch Schulungen, Weiterentwicklung und langfristige Zusammenarbeit.
Ausblick: Digitalisierung, ESG und geopolitische Herausforderungen
Die Anforderungen an die Gesundheitsversorgung werden in den kommenden Jahren weiter steigen, es wächst der regulatorische und gesellschaftliche Druck: Lieferketten sollen nicht nur effizient, sondern auch nachhaltig, fair und transparent sein. ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) rücken dabei stärker in den Vordergrund.
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, diese in ihre Einkaufs- und Lieferstrategien zu integrieren – ohne dabei die Versorgungssicherheit aus dem Blick zu verlieren. Digitale Tools können hier entscheidend unterstützen: Ob Risikobewertungen, Lieferanten-KPIs oder automatische Warnsysteme – datenbasierte Systeme helfen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, Prozesse zu optimieren und strategische Entscheidungen faktenbasiert zu treffen.
Nicht zuletzt zeigen geopolitische Entwicklungen wie der Ukrainekrieg oder die wirtschaftliche Entkopplung zwischen China und den USA, wie verletzlich globale Liefernetzwerke sind. Konzepte wie Nearshoring (Verlagerung in nahegelegene Regionen) oder Reshoring (Rückverlagerung ins Inland) gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, die Versorgung robuster aufzustellen, Transportwege zu verkürzen und die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren – für eine nachhaltige, zukunftssichere und stabile Versorgung von Patienten.




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