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Klinik Einkauf

Medical BridgeInitiative versorgt Kliniken in Ukraine mit Medizinprodukten

Die deutsche Non-Profit-Initiative Medical Bridge liefert bedarfsorientiert Medikamente, OP-Besteck und andere Instrumente an Kliniken in der Ukraine. Über eine cloudbasierte Plattform können die Einrichtungen genau angeben, was sie benötigen.

OP-Besteck
babsi w./stock.adobe.com

Symbolfoto

Meldungen aus der Ukraine über den Beschuss militärischer und ziviler Einrichtungen, darunter auch Krankenhäuser, reißen seit Wochen nicht ab. Die Gesamtlage verschlechtert sich zunehmend, die Versorgung der Bevölkerung wird immer schwieriger. Das gilt auch für die Medizin: Diabetiker, Epileptiker und Krebskranke erhalten keine Medikamente mehr, Sauerstoff wird knapp, für wichtige Operationen fehlen OP-Bestecke und andere Instrumente. Die Erfassung des Bedarfes, der Abgleich der Bestände verschiedener Anbieter und die Lieferlogistik stehen unverändert vor großen Herausforderungen.

Eine deutsche Initiative startet nun mit einer Internet-Plattform, die sicherstellen soll, dass auch das ankommt, was vor Ort benötigt wird. Medical Bridge soll eine bedarfsorientierte funktionierende Logistik garantieren. „Wir sind eine Non-Profit-Initiative und bieten einen One-Stop-Shop für verifizierte Krankenhäuser, Gesundheitseinrichtungen und offizielle Stellen der Ukraine,“ sagt der Berliner Mediziner Dr. Henning Thole. „Diese können auf unserer Online-Plattform oder per E-Mail ihren Bedarf an Medikamenten und medizinischer Ausrüstung direkt bestellen oder an uns melden.“

Kliniken bestellen über das Smartphone

Medical Bridge ist zugleich ein Service für Hersteller und Hilfsorganisationen. Diese können das, was sie spenden oder beschaffen, über die Plattform sichtbar machen. Damit herrsche Transparenz über Bedarf und Angebot. Was nicht vorhanden sei, so Thole, könne von Firmen und Hilfsorganisationen z.B. gezielt aus Spenden beschafft werden. Für staatliche Stellen der Ukraine, Deutschlands und der EU wird so auch ein Controlling der Versorgungskette von medizinischen Hilfslieferungen möglich.

Medical Bridge arbeitet dabei bewusst unabhängig von den Systemen der Krankenhäuser. „Unsere Plattform funktioniert auch dann, wenn das Krankenhaus beschädigt oder die IT dort ausgefallen ist“, so Thole. „Wir sind kompatibel für alle Krankenhäuser, ohne dass diese erst Schnittstellen programmieren oder Software installieren müssen. Das System ist frei verfügbar und erreichbar. Wir bieten ein medizinisches Bestellsystem für das Smartphone in der Hosentasche an.“

Die Logistik organisiert MedicalBridge zusammen mit einem dafür spezialisierten Pharma-Großhändler und den Profilogistikern von DB Cargo und deren Schienenbrücke. Weitere Unternehmen, Händler und Logistiker können angeschlossen werden. Um neben Medikamenten und Medizinprodukten auch medizinische Geräte bedarfsorientiert liefern zu können, finden bereits Gespräche mit weiteren Partnern statt.

Nachhaltig, cloudbasiert und multilingual

Der Gründer von Zukunft Krankenhaus-Einkauf (ZUKE), Stefan Krojer betont, dass die Initiative in jeder Weise nachhaltig sein soll: „Wir vermeiden sowohl unnötigen Aufwand beim Programmieren als auch überflüssige oder falsche Lieferungen und beschränken uns auf wirklich Notwendiges.“ Unterstützt wird das Projekt deshalb auch von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG).

Medical Bridge ist am 4. April 2022 an den Start gegangen. Die Plattform ist cloudbasiert, multilingual und datenschutzkonform, „anschlussfähig für alle Unternehmen und Organisationen, die helfen wollen“, betont Henning Thole.

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