Georg Thieme Verlag KG
Klinik Einkauf

Wachstumsstrategie 20255000 Stellen bei Fresenius Medical Care in Gefahr

Im Rahmen der Transformation seines Betriebsmodells plant Fresenius Medical Care (FMC) weltweit bis zu 5000 Arbeitsplätze abzubauen. Mit dem Sparprogramm will der Dialyseanbieter den Folgen der Corona-Krise und dem Kostendruck begegnen.

Fresenius Medical Care Flaggen
FMC

Fresenius Medical Care Flaggen im Wind.

Mit schlankeren Strukturen, nur noch zwei globalen Säulen im Betriebsmodell sowie dem Abbau von weltweit 5000 Arbeitsplätzen will die Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius die jährlichen Kosten bis 2025 um 500 Millionen Euro senken, wie FMC am 1. November 2021 in Bad Homburg mitteilte.

Künftig setzt FMC sei Betriebsmodell im Rahmen des Programms „FME25“ neu aus und zwar mit einer deutlich vereinfachten Struktur von künftig nur noch zwei globalen Segmenten. Der Konzern fokussiert sich damit auf das Geschäft mit Produkten für Dialysezentren, Heimdialyse und Intensivmedizin sowie jenes mit Gesundheitsdienstleistungen für chronisch Nierenkranke, das den Löwenanteil der Umsätze ausmacht. In diesem Zuge wird CFO Helen Giza zusätzlich die Rolle als Chief Transformation Officer übernehmen und die globale Umsetzung des Programms leiten, wie Rice Powell, CEO von FMC ankündigte.

Nur noch zwei globale Segmente

Im Segment Care Enablement konsolidiert Fresenius Medical Care sein bisher dezentralisiertes Produktgeschäft einschließlich Forschung und Entwicklung, Produktion, Logistik, Vermarktung und Vertrieb sowie unterstützende Funktionen wie Regulierungs- und Qualitätsmanagement unter einem globalen Medizintechnik-Dach. Vorteil dieser Struktur sind schnellere, kürzere Entscheidungswege und zügigere Neuprodukteinführungen. Ausgehend vom Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2020 würde dieses Segment pro forma etwa 20 Prozent ausmachen.

Das globale Gesundheitsdienstleistungsgeschäft von Fresenius Medical Care wird im Segment Care Delivery zusammengefasst. Das Unternehmen will dort das Know-how sowie die Größe, Technologien und Best Practices seines US-Geschäfts zusammen mit seiner weltweit führenden Expertise in der wertorientierten Versorgung einsetzen, um neue Patientengruppen in den USA und anderen Regionen zu erreichen. Zudem ermöglicht die neue, globalisierte Struktur eine strategische Überprüfung aller Dienstleistungsmärkte und eine Verbesserung der Kostenstruktur, um zu nachhaltigem, profitablem Wachstum des Unternehmens beizutragen. Bezogen auf den Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2020 würde dieses Segment pro-forma rund 80 Prozent ausmachen.

Wachstum und Kosteneffizienz im Blick

Mit mehr Kosteneffizienz und zusätzlichen Wachstumsmöglichkeiten, die sich in der neuen, schlankeren Struktur entlang der relevanten zukünftigen Werttreiber ergeben, soll den anhaltenden negativen Effekten von Covid-19, dem heraufordernden makroökonomischen Umfeld und den inflationären Tendenzen wirksam begegnet werden. Die Einführung des neuen globalen Betriebsmodells soll im Jahr 2023 abgeschlossen sein, der Großteil der Kostensparmaßnahmen bis 2024.

Erste Nettoeinsparungen erwartet Fresenius Medical Care (FMC) bis Ende des Jahres 2023. Die für das Programm nötigen Einmalinvestitionen sollen bei 450 bis 500 Millionen Euro liegen.

Covid-19 schwächt FMC stärker als angenommen

FMC CEO Rice Powell: „Die Covid-19-Pandemie kostet weiterhin Tag für Tag viele Menschenleben. Das Auftreten der Delta-Variante hat die Übersterblichkeit unter unseren Patient*innen im dritten Quartal erneut ansteigen lassen. Darüber hinaus bewegen wir uns in einem Umfeld, das zunehmend von inflationsbedingten Kostensteigerungen geprägt ist. Wir gehen nun davon aus, dass Umsatz und Konzernergebnis jeweils am unteren Ende der Prognosespannen liegen werden.“

Der erhebliche Anstieg der Übersterblichkeit im dritten Quartal war in der Prognose des Unternehmens für 2021 nicht berücksichtigt. Angesichts der seit Ende des dritten Quartals sinkenden Infektionszahlen geht das Unternehmen nun davon aus, dass die Übersterblichkeit im vierten Quartal zurückgehen wird.

Der Umsatz im dritten Quartal erhöhte sich um ein Prozent auf 4441 Millionen Euro. Der Umsatz mit Gesundheitsdienstleistungen stieg um ein Prozent auf 3530 Millionen Euro. Der Umsatz mit Gesundheitsprodukten blieb stabil und betrug 911 Millionen Euro. Geringere Umsätze mit Einmalprodukten für den Einsatz in Dialysezentren sowie mit Produkten für die Peritonealdialyse wurden durch positive Währungseffekte und höhere Umsätze mit Geräten für die Behandlung chronischer Erkrankungen ausgeglichen.

In den ersten neun Monaten des Jahres sank der Umsatz um vier Prozent auf 12 972 Millionen Euro. Der Umsatz mit Gesundheitsdienstleistungen reduzierte sich um vier Prozent auf 10 255 Millionen Euro; der Umsatz mit Gesundheitsprodukten verringerte sich um ein Prozent auf 2717 Millionen Euro.

Das Konzernergebnis verringerte sich im dritten Quartal um 23 Prozent auf 273 Millionen Euro, hauptsächlich aufgrund der oben genannten Effekte sowie einer höheren Steuerquote. Ohne Sondereffekte reduzierte sich das Konzernergebnis um 22 Prozent auf 277 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres sank das Konzernergebnis um 25 Prozent auf 741 Millionen Euro. Ohne Sondereffekte verringerte sich das Konzernergebnis um 24 Prozent auf 751 Millionen Euro.

Zum 30. September 2021 behandelte Fresenius Medical Care 344 872 Patientinnen und Patienten in 4151 Dialysezentren weltweit. Zum Ende des dritten Quartals beschäftigte das Unternehmen weltweit 123 528 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (auf Vollzeitbeschäftigtenbasis) gegenüber 126 463 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum 30. September 2020.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!