
Nachdem die Medizintechnik 2025 erstmals im Koalitionsvertrag als Leitwirtschaft anerkannt wurde, müssen laut Bundesverband für Medizintechnologie (BVMed) nun konkrete Taten folgen. „Wir brauchen planbare Rahmenbedingungen, schnellere Prozesse und eine konsequente Umsetzung in der Praxis“, sagt Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Außerdem fordert er einen stetigen Dialog- und Strategieprozess.
Mark Jalaß, der Vorstandsvorsitzende des BVMed, betont die Bedeutung der richtigen Einbindung: „Ob Krankenhausreform, Ambulantisierung, Digitalisierung oder Krisenvorsorge – all das funktioniert nur, wenn die MedTech-Branche als Teil der Lösung verstanden und frühzeitig eingebunden wird.“
Zur Person

Mark Jalaß wurde am 23. April 2026 als Vorstandsvorsitzender für zwei Jahre wiedergewählt. Seit 2018 ist er BVMed-Vorstandsmitglied und seit 2024 Vorsitzender.
Jalaß ist Country Director & Trade Deutschland beim Hersteller Lohmann & Rauscher. Er ist Mitglied im globalen Vertriebs- und Marketingsteuerungsteam des Unternehmens, Leiter von drei Handelstochterunternehmen in Deutschland sowie Geschäftsführer der ALD-Handelsgruppe mit bundesweit fünf Standorten.
In seinem Jahresbericht 2025/26 blickt der Bundesverband für Medizintechnologie auf die aktuellen Zahlen der MedTech-Branche:

Wirtschaftliche Stärkung der Zukunftsbranche nötig
Ein Schwerpunktthema stellt für den BVMed die wirtschaftliche Stärkung der Medizintechnik dar. Sie soll als Motor für Innovation, wirtschaftliches Wachstum und eine moderne Gesundheitsversorgung dienen.
Die Anerkennung als Leitwirtschaft sei „längst überfällig“. Im Vergleich zur Pharma-Branche bietet die Medizintechnik mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze, höhere Produktionswerte, Bruttowertschöpfung und Ausstrahleffekte auf andere Branchen.

Die Branche ist stark von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt. Sie machen rund 93 Prozent der deutschen MedTech-Unternehmen aus. Der BVMed fordert, dass regulatorische Rahmenbedingungen stärker an deren Bedürfnisse angepasst werden. Laut BVMed Herbstumfrage zählen die überbordende Bürokratie, die Zertifizierungskosten aufgrund der europäischen Medizinprodukte-Verordnung (MDR) sowie steigende Personalkosten zu den drei größten Belastungen.
MDR bietet Chancen, belastet aber auch
Mit Blick auf die MDR fordert der BVMed: „Die MDR muss weiterentwickelt werden – hin zu einem Regulierungssystem, das Patientensicherheit gewährleistet und gleichzeitig Innovation sowie Versorgungssicherheit in Europa ermöglicht.“
Konkret soll die Regulierung praxistauglicher gemacht werden, da MedTech-Unternehmen über die Bürokratie, schwer planbare Zertifizierungsverfahren und die verpflichtende Rezertifizierung im Fünfjahresrhythmus klagen.
Weitere Forderungen des Verbandes
Der Verband hat konkrete Forderungen für einzelne Bereiche erarbeitet:
- Krankenhausreform: Investitionen in die technische Krankenhausinfrastruktur und in innovative MedTech-Lösungen
- Infektionsschutz: Regulatorische Absicherung für bewährte Hygienelösungen, beispielsweise die Hände- und Oberflächendesinfektion mit Ethanol
- Ambulantisierung: Stärkung ambulanter und häuslicher Versorgungsstrukturen durch Einbeziehung aller verfügbaren qualifizierten Fachkräfte und moderner Medizintechnologien
- Wundversorgung: Eine strukturierte, sektorenübergreifende Wundversorgung auf Grundlage der vom BVMed entwickelten Nationalen Wundstrategie
- Digitalisierung: Ermöglichung eines datenbasierten Versorgungslevels
- Gesundheitsdaten: Daten aus digitalen Medizinprodukten verantwortungsvoll nutzbar machen
- Nachhaltigkeit: Praxisnahe Gestaltung der ökologischen Anforderungen
- Krisenvorsorge: Eine stärkere Einbindung von Industrie, Fach- und Großhandel in die Planung der Gesundheits- und Zivilschutzstrukturen
- Zölle: Gewährleistung der Versorgungssicherheit mit Medizinprodukten auch in Zeiten von geopolitischen Konflikten
- Europa: Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für Unternehmen in der EU, zum Beispiel durch Omnibus-Pakete zur Reduzierung administrativer Lasten
- Compliance: Befolgen des Trennungs-, Transparenz-, Äquivalenz- und Dokumentationsprinzips
Ausblick
BVMed-Geschäftsführer Möll blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Deutschland hat noch eine starke KMU-geprägte Medizintechnik, innovative Unternehmen, engagierte Fachkräfte und enorme Potenziale für Versorgung und Wirtschaft.“ Jetzt gehe es darum, mutig zu handeln und MedTech konsequent zu stärken. Dann werden Gesundheitssystem und der MedTech-Standort Deutschland fit für die Zukunft.






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